Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 18 (27.4.1857)
- Date
- 1857-04-27
- Page
- Seite 239 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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239 beit, in Betreff der jüdischen Kinderbewahranstalt, hat dieses Institut bedeutende Zuschüsse erhalten» Diese Anstalt gehört auch allerdings zu den vorzüglichsten. Bei dem Interesse, welches jetzt höhere Handelsschulen in Oesterreich haben (in Wien und Pesth werden eben jetzt solche errichtet), dürfte es nicht uninteressant sein, etwas Näheres über den jüdischen Religionsunterricht, den Herr Prediger und Privatdocent De. Kämpf mit vieler Umsicht ertheilt, anzugeden. Die wichtigsten Abschnitte auS dem Pentateuch und dem Gebetbuche werden übersetzt (bekanntlich ist es hier noch ein pium dosideriuw, daß die jüdischen Schüler in den andern Schulen die Sprache der Väter erlernen sollen); jüdische Geschichte mit besonderer Beziehung auf die Begebenheiten, zu deren Angedenken Fest- und Feiertage eingesetzt sind; endlich Katechisation über die Glaubens - und Pflichtenlehren mit Bibelstellen belegt. In Betreff der Geschichte hat Herr Dr. Kämpf das Buch von Dr. Wolff in Wien empfohlen. Gelegentlich sei auch bemerkt, daß das zweite Werk über Charisi's Divan von Herrn Dr. K. sich unter der Presse befindet. Wien, 12. April. (Privatmitth.) Vor Allem freuet es mich, Ihnen berichten zu können, daß eine Instruction von Seite des hohen Ministeriums an die Beamten in Betreff der neuen Paßordnung ergangen ist. Darin heißt eS: Wenn es der Partei wünschenöwerth erscheint, daß das Signalement wegbleibe, so kann solches geschehen. Es fällt somit die Besorgniß in Betreff jüdischer Reisende nach Rußland weg. ES ist aufs Neue ein Beweis, wie sehr die erleuchtete Negierung jede Schwierigkeit, die einem Oesterreicher begegnen kann, beseitigen will. Ad vocem Rußland erlaube ich mir Folgendes niitzutheilen. Es liegt mir ein Brief vor, den einer meiner Freunde, ein Mann, der auf historischem Gebiete schon Ersprießliches geleistet hat, von seinem ehemaligen Universitätsfreunde, der jetzt in Petersburg eine Professur bekleidet, empfing. Aus demselben gehet hervor, daß Juden in Petersburg zur Professur zugelassen werden und zwar ist der Beweis ad dominem geführt, da der Schreiber selbst als Jude eine Professur erhielt. Es erscheint jetzt hier ein neues jüdisches Journal, „die Gerichtshalle", welchem man eine sehr günstige Zukunft prognosticirt. Es wird von zwei begabten jungen Männern, den Herren DDr. Pisco und Kulka redigirt. Bekanntlich erfreut sich „die medicinische Wochenschrift" des besten Rufes in der medicinischen Welt, welche ebenfalls von einem Israeliten, Herrn Dr. Wittelshöfer, redigirt wird. Man hofft, daß der neue Tempel noch vor dem nächsten Rosch haschono eingeweiht werden wird und es beginnen bereits die Vermerkungen für die Betplätze. Wie in dem letzten Jahre, fand auch Heuer eine Sederfeier für die Handwerkslehrlinge und eine andere, die das Armeninstitut für diejenigen veranstaltete, die die Wohlthat der Kostanstalt genießen, statt. Bei den Handwerkslehrlingen gab Herr Dr. Wolf den Seder, beim Armeninstitute Herr Obercantor Sulzer und ein Laie hielt die Ansprache, nämlich das vielverdiente Mitglied der Schulcommission der israelitischen Gemeinde, Herr Dr. Engel. Es waren Worte, die aus dem Herzen kamen und zu den Herzen sprachen. Zu diesem Seder waren mehrere hohe Staatsbeamte geladen, die auch erschienen und sich sehr wohlwollend und freundlich über die Anstalt und über das Wirken der Männer auSsprachen. Es freut mich auch dabei berichten zu können, daß durch Privatwohlthätigkeit in diesem Jahre viele Lehrlinge während des Peßachfestes versorgt wurden. Temesvar, 12. April. (Privatmitth.) ES ist gerade ein Jahr, daß ich diesen geschätzten Blättern die allerhöchste Entschließung unseres Kaisers, nach welcher der für die Israeliten Ungarns und der serbischen Woiwodschaft begründete Fond von einer Million zu verwenden sei, mittheilte. Mit freudigem Herzen nehmen wir wahr, wie an der Realisirung der in dem betreffenden hohen Ministerialerlasse bezeichneten Institutionen rüstig gearbeitet wird. Bereits sind an dem rühmlichst bekannten Kalischischen Taubstummen-Institute in Wien 20 Stiftungsplätze begründet und erfreuen sich 20 arme Zöglinge einer sorgfältigen Erziehung und Vorbereitung für ihren künftigen Lebensberuf. Vor mehreren Monden lasen wir in verschiedenen vaterländischen Zeitschriften den ConcurS für sieben Lehrstellen an der zu begründenden israelitischen Musterhauptschule zu Pesth. Wahrscheinlich ist die Ernennung der Lehrindividuen bereits geschehen und wird die benannte Anstalt sehr bald ins Leben treten. Donnerstag, am ersten Peßachtage, wurden auch