Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 18 (27.4.1857)
- Date
- 1857-04-27
- Page
- Seite 238 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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238 Jahre lang gewesen, hatte derselbe immer das Wohl der dortigen Gemeinde auf eine Weise gefördert, wie sie wirklich nur selten anzutreffen ist. Sein eigenes Interesse galt ihm nichts, wo das der Gemeinde zu vertreten war, und dem treuen Dienste der letztem hat er es auch nicht gescheuet, seine körperlichen Kräfte, ja seine Gesundheit zum Opfer zu bringen. Er wollte Vieles anders und besser haben, als eS war, — und wenn er in seinem Streben und Ringen darnach oft durch gegnerische Elemente gehindert, ja nicht selten sogar — da man (wie es Vielen seines Gleichen geht) feine edlen Absichten verkannte — durch Wort und That angefeindet wurde, so schreckte ihn dies doch nicht zurück, auf der einmal betretenen Bahn vorwärts zu schreiten und das Ziel, das er sich gesteckt hatte, so lange zu verfolgen, bis es wirklich erreicht war. So hat er namentlich für die Armen- und Krankenpflege in seiner Gemeinde außerordentlich viel gethan. Die neue „Chewra.Kadischa", welche vor drei Jahren dort gegründet wurde und bis jetzt schon so viel Segensreiches gewirkt hat, verdankt ihre Entstehung auch größtentheils den Bemühungen deS Dahingeschiedenen. Außerdem sind noch mehrere andere wohlthätige Institute von ihm theils gegründet, theilS geleitet worden. Die Theilnahme, welche sich während seiner langen Krankheit in allen Kreisen für ihn kund gab, war schon Zeugniß genug von der großen Achtung und Liebe, deren er sich in seiner Stadt zu erfreuen hatte« Ganz besonders aber äußerten sich diese durch den langen Trauerzug, welcher am Nachmittage deS 22. d. M. seiner Leiche bis zum Begräbnißplatze folgte, woselbst angelangt, ihm von dem ersten Rabbinats-Assessor eine ergreifende Grabrede gehalten wurde. A«8 der Provinz Posen, 6. April. (Privatmilth.) Bei Gelegenheit des am 27. v. M. stattgehabten feierlichen Einzuges der jungen Gräfin Dzialynska, geb. Fürstin Czartoryska,*) in die Stadt Kurnik hat sich die dasige Judenschast durch eine prachtvolle Ehrenpforte ausgezeichnet, die gerade in der Mitte des Ortes errichtet war und unter welcher das junge Ehepaar durch eine Deputation Namens der ganzen Gemeinde begrüßt wurde. Die Realschule in Bromberg war im verflossenen “) Tochter des Fürsten Adam v. Czartoryski in Paris, jüngst vermählt mit dem Sohne des Grafen Dzialynski, Besitzers von Kurnik, Bnin u. s. w. Schuljahre von 53 jüdischen Zöglingen frequentirt. — Im Colosseum daselbst wurden neulich an einem Abende „zum Besten jüvischer Armen" einige Vorträge gegen Entrse gehalten, und hat letzteres über 30 Thlr. eingebracht. — Eine jüdische Religionsschule, dort so äußerst nothwendig, ist noch immer nicht errichtet. — Wie zu seiner Zeit in diesen Blättern berichtet worden, so hat Anfangs November v. I. in der Gemeinde Lissa eine Wahl neuer Repräsentant^ staltge« funden. Die Bestätigung jener Wahl Seitens der königl. Regierung zu Posen, Anfangs verweigert, ist nun endlich doch eingegangen und in Folge dessen am 31. v. M. schon das neue Repräsentanten-Collegium in sein Amt eingeführt worden. An demselben Tage noch hat das Collegium das Mitglied Dr. Heinrich Scherbe! zum Vorsitzenden und die Herren Simon Levy, Jos. Moll, Pincuö Bildhauer, S. H. Mosur und Jac. Bernhardt zu Mitgliedern des Verwaltungs-Vorstandes (dessen Vorsitzender Herr Levy sein wird) gewählt. — Die Auswanderungen der Juden nach Amerika, welche in unserer Provinz sonst immer nach Peßach ihren Anfang zu nehmen pflegen, haben heuer schon vor Purim begonnen. Oesterreichischer Kaiferstaat. Prag, 8. April. (Privatmitth.) Bei dem hiesigen Vorstande wurden jüngst einige Neuwahlen vorgenommen, und es freuet mich, Ihnen dabei berichten zu können, daß die Gemeinde sich mit löblichem Eifer betheiligt hat. Wer da weiß, wie träge und lässig in Staaten, wo das parlamentarische Leben nicht ausgebildet ist, Wahlen überhaupt betrieben werden, der kann ermessen, wie eS ausschaut, wenn es sich handelt, unter Juden eine Wahl zu bewerkstelligen. Hinterher versteht man es, recht weidlich über den Vorstand zu schimpfen, nachdem man eben die Wahl dem Zufälle überlassen hat. Wir bekennen aufrichtig, wir ziehen den Wettkampf, selbst wenn Parteileidenschasten mit im Spiele sind, der Stagnation und der sogenannten Resignation vor. Unsere Localblätter brachten beinahe täglich eine Liste von Candidaten; nun ist daS Parlament in London und der Vorstand hier vollzählig. In Folge eines Artikels einer hiesigen Zeitschrift, dem Sie eine weitere Verbreitung im Volksblatte ga-