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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-04-27 · Heft 18 (27.4.1857) · p. Seite 237

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 18 (27.4.1857)
Date
1857-04-27
Page
Seite 237 (sequence 5)
Language
German
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237 streitet er sehr scharfsinnig die Meinungen der christlichen CommentaLoren, indem er den Einfluß der theologischen Theorie, welche die Stellen ungenau wiederzugeben verleitet, auseinandersetzt. Es wäre gut für christliche Gelehrte, wenn sie einen guten jüdischen Kommentar zur Hand hätten, um ihre vorgefaßten Begriffe über die Auffassung des alten Testamentes zu berichtigen." — Zeitungsnachrichten. * Deutschland. Kaiserslautern, im April. (Privatmitth.) In einer neuerbauten Synagoge der Vorderpfalz befinden sich die Männer- und Frauenstühle der Art neben einander, daß nur ein schmaler Gang beide trennt, eine scheinbar unbedeutende Reform, die aber wesentlich zur Verbesserung deS CultuS beiträgt, namentlich in kleinern Gemeinden, deren männliche Mitglieder den untern Raum des Gotteshauses nur theilweise aussüllen. Bezüglich der innern Cultusreform, so geht die KreiShauptstadt Speyer, bekanntlich neben Worms und Mainz die älteste Gemeinde Süddeutschlands, mit nachahmungswerthem Beispiele voran. Seit längerer Zeit im Besitze einer Orgel, hat diese Gemeinde einen trefflichen Männer-Chorgesang eingeführt, welchem dieser Tage die Ehre zu Theil wurde, neben den vorzüglichen GesangSchören im Dom und in der evangelischen Kirche jener Stadt öffentlich anerkannt zu werden. Desto unangenehmer mußten die treulichen Erpectorationen des berühmten Culturhistorikers I. W. R. (Riche) berühren, welcher, wie bekannt, die Provinzen des Königreichs bereist, um ethnographische Studien zu machen. In einem „das kirchliche Volksleben in der Pfalz" überschriebenen größer» Artikel in der A. A. Zeitung, welcher auch von anderer Seite Reclamationen hervorgerufen hat, nimmt der geistreiche Schriftsteller schlecht verhohlenen Aerger an dem friedlichen Zusammenleben der christlichen und jüdischen Bevölkerung, findet es befremdend, daß so wenige Gemeinden den Juden die Bürgeraufnahme verweigern, daß die christlichen und jüdischen Friedhöfe freundnachbarlich neben einander liegen, und daß man hier zu Lande „Schacherjuden am Sabbath eine Bratwurst" verzehren sehen könne. DaS mag recht pikant sein, aber als Charakteristikum deS „pfälzischen" Judenthums erscheint es gar zu schal. Preußen. Berlin, 19. April. (Privatmitth.) Der Privatdocent bei der philosophischen Facultät der königlichen Universität zu Breslau, Dr. Ferdinand Cohn, hat den Titel eines Professors erhalten. —. Dr. A. Cassel, Rabbiner zu Flatow, hat mit dem 1. April das Rabbinat zu Schwerin a. d. Warthe angetreten. Aus der Provinz Posen, 27. März. (Privat, mitth.) DaS Fraustädter Rabbinat, seit etwa anderthalb Jahren vacant, soll — nach einem neuern Beschlüsse der dortigen Gemeindebehörden — vorläufig noch auf drei Jahre ganz unbesetzt bleiben. — In Jnowraclaw ist bis jetzt auch noch keine Neuwahl für den erledigten Rabbinerposten geschehen. -7- KrotoSzyn geht in diesem Punkte ebenfalls sehr langsam zu Werke. — Man sieht also, daß die Gemeinden unserer Provinz, denen daS geistliche Oberhaupt fehlt, sich gerade nicht sehr beeilen, dem Bedürfnisse abzuhelfen, und sogar auch dann noch nicht, wenn man dasselbe schon dringend fühlt, lebhaft bespricht und durch Ausschreibung der „Concurrenz" öffentlich kund giebt. — Dem jüdischen Schulvorstande zu Rackwitz (vergl. unfern Bericht in No. 13. dieser Zeitung) ist neulich Seitens der königl. Regierung zu Posen die Alternative gestellt worden, entweder die dortige jüdische Schule, die bereits seit Michaelis v. I. des Lehrers entbehrt, mit einer der christlichen Schulen des OrteS zu eombiniren, oder — wenn die Juden eine besondere Schule haben sollen — den Gehalt des Lehrers, der bisher nur 120 Thlr. betrug, auf 150 Thlr. zu erhöhen. Die Gemeinde hat sich nun für das Letztere entschieden. Möge dieses Beispiel in Bomst recht bald nachgeahmk werden. — Die Gemeinde Schmiegel hat ihrem Rabbiner S. Feldblum eine ansehnliche Gehaltszulage offerirt, falls derselbe auf die ihm gewordene Stelle in Pinne verzichtet. — Leider! haben wir aber heute wieder über einen Trauerfall zu berichten. Er hat die jüdische Gemeinde zu L i ssa vor wenigen Tagen getroffen. Derselben ist einer ihrer wackersten Biedermänner durch den Tod geraubt worden. Am verwichcnen Sabbath (den 21. d. M.) früh 6 Uhr ist dort der Kaufmann Moses Biberfeld — nach langen körperlichen Leiden und in einem Alter von kaum 60 Jahren — zu einem bessern Leben entschlafen. Als Mitglied des Verwaltungsamts, das er

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