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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-04-27 · Heft 18 (27.4.1857) · p. Seite 235

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 18 (27.4.1857)
Date
1857-04-27
Page
Seite 235 (sequence 3)
Language
German
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235 parteiischer Geschichtsschreiber ein Volk anerkennen, dessen ganzes Dasein dem Kampfe gegen alle diese scheußlichen Verunstaltungen der Gottesidee gewidmet war, und das den letzten Athemzug seines Nationallebens, allein unter allen Nationen, gegen die unsinnige Vergötterung der römischen Cäsaren setzte! -— Und nun lese man, was der Geschichtsschreiber des Alterthums über das jüdische Volk zu sagen hat, und wie jede höhere und wahrhafte Beurtheilung in der kleinlichsten Kritik der heiligen Schrift untergeht! Allerdings folgt auch hier die Strafe auf dem Fuß; die kleinlichen Motive vermögen nur ein kleinliches Gemälde ohne Leben und Ton hervorzubringen, und zur schwächsten Seite seines Werkes wird der Gegenstand, dessen gerechte Würdigung den glänzendsten Theil hervorgebracht hätte. Es ist nicht zu verkennen, daß es von der höchsten Wichtigkeit ist, ein richtiges Verständniß der Geschichte Israels, seines Wirkens und seines Berufes immer mehr unter den Menschen zu verbreiten. Es würde hierdurch nicht blos eine humanere Behandlung der Juden selbst bewirkt, als vielmehr der reineren Gotteslehre immer mehr Eingang geschafft. Allein, sagen wir es uns auch offen, daß wir Juden selbst noch lange nicht von den höheren Ideen unsrer Religion, ihres Geschickes und ihrer Mission durchdrungen und daß wir daher jenes Ruhmes noch nicht würdig sind, welcher unser nothwendiger Antheil bei Allen sein wird, welche dem richtigeren Verständniß den Raum in sich gewähren. Literarischer Wochenbericht. Vor Kurzem hatten wir den Tod des Oberrabbinen Lelio Cantoni zu Turin zu melden. Dieser Todesfall des noch nicht bejahrten, außerordentlich wirksamen Mannes erregte die allgemeinste Theilnahme. Vor uns liegt ein längeres Trauergedicht, in hebräischer Sprache verfaßt vom Prof. Giuseppe Levi in Vercelli und ins Italienische übersetzt vom Prof. Esdra Pontremoli. Die Elegie ist eben so tief empfunden, wahrhaft gefühlt, poetisch an Schwung, wie meisterhaft in der Form. Der Reim fließt mit außerordentlicher Gewandtheit und der Ausdruck ist bis auf Weniges biblisch correct. Das Gedicht ehret eben so den Verfasser wie die Manen dessen, dem es gewidmet ist. — „Welches ist der Geist, der von den israelitischen Gottestempeln der Neuzeit ausgehen soll?" Predigt zur Einweihung der Synagoge zu Pohrlitz von Rabbiner A. Schmiedl. Wien 1856. Der Redner legt die verschiedenen Theile des jüdischen Gotteshauses symbolisch aus, und wendet dies auf das Leben an. Von demselben auch: „Was thut Israel noth in der Gegenwart?" eine Chanukkapredigt, Wien 1856. Die Antwort lautet: „Männer mit unerschütterlichem Glauben, Frauen mit der Flamme der Gottinnigkeit, eine Jugend, tüchtig und kräftig in allem Guten." Wir sprechen dem Verfasser beider Predigten mit Vergnügen eine schöne Gedankenfülle und eine lebenswarme Sprache zu. Wenn wir sagen müssen, daß Vieles in diesen Predigten zu gekünstelt, zu wenig einfach und schlicht erscheint, und daß zu viel nach Heranbringung von Midraschim und Auslegungen von Stellen, die mit dem Tert nicht in Verbindung stehen, gehascht wird, so wollen wir nicht verkennen, daß der Volksredner sich auch nach dem Geschmacke seiner Zuhörerschaft richten muß. — Die zweite Auflage von „La libertß de conscience“ von Jules Simon bringt auch einige Verbesserungen und Vermehrungen, namentlich über die Ordonnanz Napoleons von 1808. Der außerordentliche Erfolg, welchen diese von unS mehrfach besprochene Schrift gehabt hat, liefert den Beweis, wie noth sie der Zeit thut, und wie trefflich der Verfasser seine Ausgabe gelöst hat. — Von Programmen jüdischer Schulen haben wir erhalten: Bericht über die jüdische Gemeinde-Knabenschule zu Berlin von A. Horwitz, Rector. Berlin 1857. Das Programm enthält außer den Schulnachrichten die Geschichte dieser Anstalt, welche im Jahre 1778 als jüdische Freischule gegründet, zu der der Plan unter Mendelssohns Anleitung entworfen worden, und auf welche Lazarus Bendavid von 1806—1819 eine wesentliche Einwirkung hatte, so daß sie zu gleichen Theilen von jüdischen und christlichen Knaben besucht ward. Als 1819 auf höheren Befehl die christlichen Zöglinge ausscheiden mußten, gerieth die Schule in Verfall, bis sie 1825 als öffentliche jüdische Gemeindeschule reorganisirt ward und wieder den Charakter einer jüdischen Anstalt erhielt. Von 1826—1829 war die Leitung in den Händen des Dr. Zunz, von da bis 1851 in denen des Herrn B. Auerbach. Mit dem Beginne des Jahres 1852 wurde sie abermals reorganisirt und steht unter der Leitung des obengenannten Rectors. Die Schule stieg seitdem fortwährend, so daß die Schülerzahl von 116 auf 357 und die vier Claffen zu acht sich vermehrten. Eben so hat sie sich aus einer Elementarschule zu einer tüch- 18 *

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