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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-04-27 · Heft 18 (27.4.1857) · p. Seite 234

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 18 (27.4.1857)
Date
1857-04-27
Page
Seite 234 (sequence 2)
Language
German
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234 habe, dessen Thema: „Die Juden als Bekenner eines einzigen Gottes, das merkwürdigste Volk der Erde." Es versteht sich von selbst, daß wir einer solchen Schrift, wenn sie ihres Grundgedankens würdig ausgeführt ist, nur unsre ganze Zustimmung geben können. Gerade diese seltene Erscheinung aber, daß ein christlicher Gelehrter dem jüdischen Volke eine ganze geschichtliche Gerechtigkeit angedeihen lassen will, machte uns von Neuem auf das nur allzu häufige Gegentheil aufmerksam. Eine spätere — jetzt freilich noch sehr späte Zeit wird nach der Ursache fragen: woher doch ein so tief eingewurzelter Haß gegen den jüdischen Stamm gekommen, daß selbst sonst nach Vorurtheilslosigkeit im Urtheil strebende Männer sich nicht überwinden können, Gerechtigkeit gegen die Juden zu üben und deren unermeßliches Verdienst in der Schöpfung, Erhaltung und Verbreitung der religiösen Idee allen heidnischen Völkern gegenüber anzuerkennen. Nehmen wir z. B. die kritischen Geschichtsschreiber der neueren Zeit. Mit welchem Eifer suchen sie Alles, was schön, edel und gut in der Ideenwelt der Völker des Alterthums und des Mittelalters war, aufzufinden, und selbst das Bizarre, Unwahre und Schlechte in möglichst rechtfertigender Weise zu erklären, mit welchem blinden Eifer strebten sie aber, den Juden ihr unsterbliches Eigenthum, wo nicht abzuläugnen, doch zu verkümmern, zu zerreißen, zu entstellen. Es fällt uns hier z. B. Dunckers Geschichte des Alterthums in die Erinnerung. Bei allem Lobe, das er der Weisheit^lnd Entwickelung der Aegypter spendet, muß er doch, weil die Quellen zu klar fließen, Folgendes wörtlich zugestehen: „Es gab Thiere, welche in ganz Aegypten verehrt wurden, wie die Ochsen, die Katzen, die Hunde, die Ibis, die Sperber, die Störche, eine gewisse Schlangenart. Sogar die Krokodile wurden mit Ausnahme von zwei oder drei Bezirken überall in Aegypten verehrt. An einigen Orten sollen die Mütter stolz gewesen sein, dem Gotte ein Opfer bereitet zu haben, wenn ein Krokodil ihnen ein Kind geraubt hatte, und Herodot berichtet, daß Jever, der durch ein Krokodil umgekommen, von den Priestern des Nil (venn auch der befruchtende Fluß war ein Gott) in heiligen Gräbern bestattet worden sei „als wäre ein solcher mehr denn eines Menschen Leiche". Keines von diesen heiligen Thieren durfte getödtet werden. Wer es absichtlich that, machte sich des Todes schuldig und wurde von der zusammenströmenden Menge meist auf der Stelle todtgeschlagen; geschah es ohne Absicht, so mußte der Thäter die Buße zahlen, welche die Priester ihm auferlegten. Wer daher ein heiliges Thier tobt erblickte, blieb in der Ferne stehen, wehklagte und betheuerte, daß er es todt gefunden. Herodot berichtet, daß die Aegypter bei Feuersbrünsten mehr Sorge auf die Rettung der Katzen verwendeten, als auf die Löschung des Brandes. Als Diodor um die Mitte des ersten Jahrhunderts v. Ehr. in Aegypten reiste, und ein Römer zu Alerandrien zufällig eine Katze tödtete, lief das Volk alsbald wüthend zusammen. Vergebens versuchte der König die Menge zu beschwichtigen — da Aegyptens Geschick damals von Rom abhing; der Missethäter wurde erschlagen. Andere Thiere: Böcke, Ziegen, Widder, Hundsaffen u. a. waren nur in gewissen Bezirken heilig. Von jeder dieser Gattungen wurde ein besonders heiliges Eremplar, welches die Priester an gewissen Zeichen erkannten, in dem Haupttempel des Gottes gehalten, welchem es gehörte, als dessen Jncarnation dieses Thier angesehen wurde. Man räucherte vor diesen Thieren, betete sie an und erwies ihnen die Ehren des Gottes. Ein christlicher Schriftsteller, Clemens von Alerandrien, sagt, nachdem er die Pracht der ägyptischen Tempel beschrieben: „Das innerste Heiligthum ist mit goldgesticktem Zeug verhüllt, nimmt aber der Priester die Umhüllung weg, so sieht man eine Katze, ein Krokodil oder eine einheimische Schlange, die sich auf Purpurdecken wälzt." Es versteht sich, daß diese Tempeleremplare vortrefflich gepflegt wurden. Sie erhielten nicht nur reichliche Speiseopser von Kalb- und Gänsefleisch, Kuchen u. s. w., sie wurden auch gebadet und gesalbt und mit schönen Halsbändern und anderem Schmuck versehen." — Wir führen diese Stelle nicht an, weil sie das Bizarrste in den Religionssystemen der Völker darbietet, sondern weil die Aegypter die erste Stelle in dem Geschichtswerke Dunckers einnehmen. Man vergleiche nur, was er über die Religion der Babylonier, Inder, Perser u. s. w. zu sagen hat. Wie müßte nun ein unparteiischer Geschichtsschreiber das Volk ansehen, welches inmitten aller dieser Schatten der Menschheit seine Anschauung in demBekenntniß concentrirt „Höre, Israel, der Ewige ist einzig!", dessen erstes Gesetz lautet: „Du sollst Dir kein Götzenbild machen von dem was oben im Himmel, unten auf der Erde und im Wasser unter der Erde ist", welches Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde, nur im Geiste und in der Wahrheit angebetet haben will, Alles, waö Götzendienst, Geisterspuk, Wahrsagerei, Aberglaube ausö Strengste verpönt, welches keine Kasten, Stände, Geschlechter, bevorzugte Stämme kannte-wie müßte ein un-

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