Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 17 (20.4.1857)
- Date
- 1857-04-20
- Page
- Seite 227 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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227 religiösen Angelegenheiten. .Es ist dies der neu aufgenommene Prediger vr. Schwabacher, der von der Kanzel herab mit aller Kraft seines beredten Wortes die.Geister aus ihrer Lethargie allmählig aufrüttelt und neues Leben und Streben in den Gemüthern weckt. Auf Anregung desselben ist in der kurzen Zeit seines hiesigen - Wirkens eine wohlthätige Anstalt zur Beköstigung unbemittelter Knaben ms Leben getreten. Durch seine außerordentliche Volksbeliebtheit, die er sich durch fein klugeö Auftreten zu erwerben wußte, Wird ihm von allen Seiten hierzu die Hand geboten und er findet überall ein bereitwilliges Entgegenkommen. ES sind jetzt gegen 45 arme Kinder an der Zahl, die täglich nahrhaft beköstiget werden. Rühmlichst zu erwähnen ist hier noch der humane, unermüdliche Zipper, der, wie bei allen hier bestehenden Gemeindeanstalten, auch da energisch mitwirkte. Die große Popularität, die sich der vr. Schwabacher in so. kurzer Zeit erwarb, wie noch kein Prediger vor ihm sich deren zu erfreuen hatte, verdankt er seinem kerngesunden, scharfen Blick, der die hiesigen Verhältnisse allsogleich durchdrang. Vor Allem suchte er sich einen Stützpunkt unter der Masse im Volke zu verschaffen; dies gelang ihm durch die Anordnung, daß die Schulkinder den Unterricht im Hebräischen nicht baarhauptig genießen dürfen, vollkommen. Die Masse deö orthodoren Publikums ist hierüber ganz entzückt. Daß es an Gegnern nicht fehlte, die diese Anordnung, als retrograde Bewegung bezeichnend, rügten, liegt am Tage; nichts desto weniger ließ sich der vr. Schwabacher dadurch nicht einschüchtem, er beharrte einmal bei dem, was er hier zu Lande als räthlich anerkannte, und handelte darnach mit unerschütterlicher Consequenz. Die jomschen Inseln.*) Eine Correspondenz von den ionischen Inseln an den Läueawre israelita macht auf die schlechte Behandlung aufmerksam, der die Israeliten von Seiten der griechischen Bevölkerung ausgesetzt sind; sie respectirt nicht einmal ihre Begräbnißfeierlichkeiten; wenn er einem Leichenzug begegnet, schreit der Pöbel: „Volk deS Teufels!" Die höheren Claffen bleiben bei die¬ *) Bekanntlich griechische Inseln unter der Obherrschaft der Engländer, Redakt. sen Skandaleu gleichgültig; die brittische Behörde selbst kreuzt die Arme, und die Polizei benimmt sich, wie man im Folgenden sehen wird: Am 9. Februar gingen zwei junge Israeliten, städtischen Familien angehörend, auS der Stadt nach der Vorstadt CastradeS, als eine Anzahl von zehn Griechen sie mit großen Steinen warfen, sich des einen von ihnen bemächtigten und ihm das Gesicht so mißhandelten, daß er ein Auge verlor. Die Polizei, die schon in den ersten Momenten requirirt wurde, um diesem schönen Vorgänge Einhalt zu thun, begnügte sich, den Opfern zu sagen: „Rettet euch, wenn ihr nicht mißhandelt werden wollt." Wir zweifeln nicht, daß diese Thatsachen, so gut wie in England, eine strenge Untersuchung veranlassen werden. Literarische Nachrichten. Die Glaubenslehre der Synagoge als cracte Wissenschaft. In 25 Vorlesungen rc. von S. L. Strinhrim (Leipzig 1856). Besprochen von A. TrcuenselS. Das „Institut zur Förderung der jüdischen Literatur" hat sich durch die Unterstützung des in der Ueberschrift genannten Werkes ein hohes und unbestreitbares Verdienst erworben, und wenn es eine betrübende Erscheinung genannt werden muß, daß ein solches Buch der Subvention bedurfte, so ist es wieder höchst erfreulich, zu sehen, wie segensreich das junge Institut, welches mit einem glänzenderen Debüt kaum hätte austreten können, zu wirken im Stande, welche Gefangenen es aus den Pulten ihrer Verfasser befreien kann! Es erfüllt so inaffl yms; erfüllt nba 'osan, führt der Gemeinde Israels eine (auch äußerlich) herrlich geschmückte Braut zu; erfüllt, wenn auch dem wahrscheinlich unabhängig gestellten Verfasser gegenüber, nicht iipa:, doch das Höhere, n"a, gegen ihn und seine Leser und öba *w:a ri'n. — Referent steht keinen Augenblick an, das Werk des Herrn Steinheim als eine der bedeutendsten Erscheinungen der neueren jüdischen Literatur zu bezeichnen und möchte für dessen einläßlichere Besprechung einen größeren Raum in diesem Blatte und die Aufmerksamkeit der Leser in Anspruch nehmen. — Sind wir nun auch nicht gesonnen, hier lediglich in die Posaune des Ruhmes zu stoßen, alle Untersuchungen und Resultate des Verfassers zu unterschreiben, werden wir 17