Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 17 (20.4.1857)
- Date
- 1857-04-20
- Page
- Seite 226 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3226039-3226057--16054-3244885- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
826 der an Raum der an Zahl größer gewordenen Gemeinde, noch seiner Eigenschaft nach das Bedürfniß nach einem erbaulichen Gotteshause befriedigen konnte. Mit nicht unbedeutenden Opfern ist es gelungen, einen Tempel herzurichten, der, wenn auch nur klein und der Anzahl der Mitglieder genügend entsprechend, dennoch in einfacher, höchst geschmackvoller und würdiger Weise ein HauS deö Herrn genannt zu werden verdient. In diesem Tempel versammelten sich heute zum ersten Male nicht nur alle Mitglieder der Gemeinde, sondern eS folgten auch die königlichen und städtischen Behörden, die evangelischen Geistlichen und viele andere Gäste den an sie ergangenen Einladungen, um Gott in einer einfachen und würdigen Feier diese Halle zu weihen. Der als Prediger rühmlichst bekannte Herr vr. Landsberg aus Liegnitz übernahm es freudig, herbeizukommen, um in einer höchst gediegenen und die Herzen aller Zuhörer erbauenden Predigt Gott für das Gelingen deS Werkes zu danken, seinen Schutz über dieses HauS zu erflehen und die Gemeinde seiner ferneren Fürsorge anzuempfehlen. In einer reichen Fülle fruchtbarer Gedanken wußte der Redner die Symbole unseres ersten Tempels — den Leuchter, den Altar und die Schaubrote — auf unseren Tempel, aus unser Leben, auf unsere innere höhere Weihe anzuwenden und anzupassen. Es war ein Durchdringen deö lebendigen, kräftigen GotteSgeisteS, der alle Gemüther erfassen mußte, und lange noch wird der feierliche Act einer solchen Tempelweihe in den Herzen aller Anwesenden nachklingen. .... 8. Oesterreichifcher Kaiserstaat. Pesth, im April. (Privatmitth.) Die hiesige Gemeinde hat einen großen Verlust durch den Tod deS Herrn Oberrabbiner Schwab erlitten. Wir können dies nicht besser auSdrücken, als durch das Circularschreiben, welches der Vorstand an die verschiedenen in- und ausländischen Gemeinden gerichtet hat. „Die hiesige Cultus-Gemeinde hat ein schwerer Unglücksfall betroffen; der allgemein geachtete und sehr gelehrte Oberrabbiner Herr Löw Schwab hat am 3. d. M. Mittags, nach zwanzigtägigem schweren Leiden sein wirkenreiches Leben beendet, und ist in daö bessere Jenseits übergegangen. Er war durch volle 21 Jahre Oberrabbiner und Religionsvorsteher in hiesiger Gemeinde, hat nicht nur für dieselbe, sondern für alle Israeliten Ungarns mit angestrengter Berufsthätigkeit und seltener Fähigkeit gewirkt, hat in den schwierigsten Epochen die Gemeinde mit Lehre, religiösem Tröste und Ermunterung aufrecht erhalten, war in allen schwierigen religiösen Fragen von den hohen Behörden zur Begutachtung aufgefordert, die er mit seltener Uneigennützigkeit und Redlichkeit zur Ehre unseres Glaubens und zum Wohle seiner GlaubenSbrüder befriedigend löste. — Er besaß einen ausgezeichneten Charakter, war leutselig, freundlich und theilnehmend gegen Jedermann, seine Predigten und DeraschaS waren der Ausfluß seltener wissenschaftlicher Forschung, tiefer Gelehrsamkeit, innigst durchdrungener Gottesfurcht und Menschenliebe, und sein unersetzlicher Verlust wird nicht nur in hiesiger Gemeinde, sondern gewiß auch in allen Gemeinden, und in allen Kreisen, wo er wirksam war, schmerzlich empfunden und tief betrauert. Er verstand seine Zeit und wußte mit seltener Geisteskraft allen Parteien zu genügen. — Die Theilnahme während seiner Krankheit und bei seinem Leichenbegängnisse, welches gestern am 5. d. M. stattgefunden, war eine seltene und ungewöhnliche — zahlreiche Honoratioren aus allen Ständen, hohe Geistliche und Militärs, fremde Gemeinden und Chewravorstände, Rabbiner und ganze Corporationen, die ganze Pesther CultuS-Gemeinde mit ihrem Vorstande und Rabbinate, die israelitische Universitäts- und Schuljugend begleiteten den Sarg in tiefster Wehmuth — die Herren Oberrabbiner Leop. Löw aus Szegedin und Herr Prediger Bach, die Herren Rabbiner aus Zsambek und Szolnok hielten gediegene Leichenreden. Tief ergreifend waren auch die Worte des Sohnes vr. David Schwab am Grabe. Wir sind überzeugt, daß diese Trauerkunde auch in Ihrer Mitte die regste Theilnahme finden wird, und bitten Sie — vereint mit uns — für den selig Dahingeschiedenen eine Trauerfeier und Gebete für dessen Seelenheil zu veranstalten. Gott sende uns und allen Trauernden in Israel seinen himmlischen Trost. — Wir zeichnen mit aller Achtung Der Vorstand der Pesther israelitischen Cultuö-Gemeinde." Lemberg, im April. (Privatmitth.) In unserer Gemeinde herrscht jetzt eine erfreuliche Rührigkeit in