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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-04-20 · Heft 17 (20.4.1857) · p. Seite 225

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 17 (20.4.1857)
Date
1857-04-20
Page
Seite 225 (sequence 7)
Language
German
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225 Doch durch ein ganz jüngst ergangenes Rescript ist auch für diesen Theil der Monarchie die Zulassung zur Advocatur beschränkt und die Anstellung nur nach Maßgabe deS Bedürfnisses dem Belieben des Ministers anheimgegeben, so daß voraussichtlich die hier mitgetheilte Anstellung eines Israeliten als Advocaten, so erfreulich dieselbe an und für sich ist, lange vereinzelt bleiben wird. Trier, 31. März. (Privatmitth.) Die Triersche Zeitung vom 10. d. Mts. enthält folgenden Bericht: „Trittenheim (Reg.-Bez. Trier) an der Mosel, 1. März. An den beiden letztverflossenen Tagen waren wir Zeuge einer schönen Festlichkeit. Die von der hiesigen israelitischen Gemeinde mit großen Opfern neuerbaute Synagoge erhielt ihre Weihe. Dem feierlichen Umzuge aus der alten in die neue Synagoge hatten sich, außer vielen Glaubensverwandten aus der Nähe und Ferne, auch zahlreiche Angehörige anderer Confessionen in brüderlicher Theilnahme angeschloffen. An der Pforte der neuen Synagoge überreichte ein Mädchen in gemüthvoller Ansprache dem Herrn Oberrabbiner Kahn auf seidenem Kissen den Schlüssel. Der Herr Oberrabbiner machte hierbei die Ueberschrift der Synagogenthüre: „Gotteshaus zum Gebete für Alle", zu einer ergreifenden Anrede an die Versammelten. Die würdevollen Festreden desselben an beiden Tagen überzeugten, daß die jüdische Religion die erhabensten Lehren über Gott, die Bestimmung des Menschen und dessen Pflichten gegen die Nebenmenschen, ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses, enthalte. Die ganze Feierlichkeit machte den besten Eindruck auf die Anwesenden und wird dazu beigetragen haben, die mitunter gegen das Judenthum noch bestehenden Vorurtheile zu beseitigen. Einen anerkennenswerthen Zug bewährte die hiesige christliche Bevölkerung, indem sie die zahlreich herbeigeströmten fremden Israeliten in zuvorkommendster Weise bei sich aufnahm." Die Trier'sche Volkszeitung, ein sehr humanes Organ, hatte neulichst als Leitartikel mit Angabe „aus der Allg. Ztg. d. Judenth." Ihren schönen Aufsatz: „Die deutsche Presse und die russischen Juden"*), so *) Wir freuen unS sagen zu können, daß dieser Aufsatz den gewünschten, nachhaltigen Erfolg bis jetzt gehabt hat. Redact. wie auch die schmähliche neue Kreuzgeschichte in wahrhaft entrüsteter Schilderung» Posen, 6. April. (Privatmitth.) Am 2. April d. I. starb hier der bis zur erfolgten Berufung deS Fraustädter Rabbiners Herrn Loewenstamm, bei der hiesigen Synagogengemeinde als RabbinatSverweser fungirte Rabbi Simon Levy im bereits vollendeten 79sten Jahre seines Lebens und mit ihm wurde das letzte Mitglied deS Oberrabbiners Akiba Eiger'schen Rabbinatscollegium zu Grabe getragen. Der Dahingeschiedene war ein kernfester, tiefgelehrter Talmudist, verband mit einer strengen, bigotteriefreien Religiosität die größte Duldsamkeit gegen Andersdenkende und eine unvergleichliche Anspruchslosigkeit, besaß auch die Kenntniß der deutschen Sprache und ließ alle seine Kinder zu ächt religiösen Israeliten und zugleich auch zeitgemäß ausbilden. Geräuschlos und still förderte Levy nach Umständen der ihm zu Gebote gestandenen Kräfte die Pflichten der Menschenliebe, er besuchte arme Kranke und tröstete Kummerbetrübte. Bis zum letzten Tage seines Lebens war Levy hellen Geistes. Er konnte ohne Brille die kleinste Schrift lesen und hörte das leiseste Reden. Er lebte in erster Ehe und recht beglückter, und hat alle seine Kinder verheirathet, die allesammt in guten Verhältnissen sich befinden. Durch den Tod deS Levy verliert die Gattin den zärtlichsten Gemahl, die Kinder den liebreichsten Vater, die Freunde den biedersten Freund, das Rabbinat einen ehrwürdigen College» und die hiesige Synagogengemeinde ein überaus treffliches Mitglied. Auf dem Friedhofe hielten der Rabbiner Herr Loewenstamm und der Prediger Herr Pleßner salbungsvolle Leichenreden, in denen sie den großen Tugenden des edel Verblichenen die Krone aufsetzten« Sanft ruhe seine Asche! Bunzlau, 7. April. (Privatmitth.) Der Eintracht in unsrer Gemeinde ist es gelungen, verbunden mit einer großen Opferwilligkeit, ein Werk zu fördern, dessen Vollendung und feierliche Einweihung sich heute zu einem allgemeinen Festtage für die Gemeinde gestaltete. Seit mehr denn 30 Jahren hielt unsere Gemeinde ihren Gottesdienst in einem Betlocale ab, welches we-

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