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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-04-20 · Heft 17 (20.4.1857) · p. Seite 223

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 17 (20.4.1857)
Date
1857-04-20
Page
Seite 223 (sequence 5)
Language
German
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223 zu Dessau angestellt) und der Tempel ist sich vollkommen bewußt, was er ihm zu danken hat. Der Tempel wird wohl nicht wieder zwei gleichberechtigte Prediger anstellen. Für jetzt soll ein unverheiratheter Candidat engagirt werden, der gegen einen mäßigen Gehalt bloS die Verpflichtung übernimmt, jährlich etwa 18 Mal zu predigen, während das eigentliche Amt von Herrn Dr. Frankfurter allein bekleidet wird. ES wird dies immerhin eine angenehme Stellung für einen jungen Gelehrten sein, da er fast seine ganze Zeit anderweitig benutzen und sich für ein größeres Amt vorbereiten kann, ohne seine freiere Gesinnung zu verläugnen. Tüchtige Wissenschaftlichkeit und reiche Begabung für die Kanzel finden hier jedenfalls eine gute Laufbahn. Dem Vernehmen nach adoptiren die freidenkenderen Juden in Manchester, welche jetzt mit dem Bau einer Synagoge beschäftigt sind, die Einführung des Gottesdienstes der Londoner British Jews, Margaret Street. Worms, im April. (Privatmitth.) Für die neue Synagoge in Frankfurt a. M. wird eine Orgel im Werthe von 8500 Fl. gebaut. — Nach dem diesmaligen hiesigen Gymnastalprogramm besuchen die Anstalt 79 protestantische, 34 katholische und 40 israelitische Schüler, ein höchst auffallend ungleiches Verhältniß zur hiesigen Einwohnerzahl in confessioneller Verschiedenheit, da die Israeliten kaum V» der hiesigen Gesammtbevölkerung bilden. — Vom neuen Schuljahre ab soll täglich der Unterricht mit einem Gebete von sämmtlichen Schülern begonnen werden; diese Gebete, für die unteren Classen in deutscher, für die oberen theils in deutscher, theils in lateinischer Sprache von dem Director des Gymnasiums verfaßt, wurden zuvor den Religionslehrern vorgelegt, und nachdem der israelitische Religionölehrer einige Veränderungen, resp. Auslassungen vorschlug, und dieselben bereitwilligst genehmigt wurden, sind die gedachten Gebete für sämmtliche Schüler angeordnet worden; hoffentlich werden diese Gebete trotz ihrer Allgemeinheit und bestimmt religiöser Farblosigkeit dennoch wegen ihrer humanen und erbauenden Tendenz heilsame Früchte tragen. — Ich zählte jüngst Bühl unter die badischen Gemeinden, in welchen allmählig die Reform vorschreitet; ein in jene erstge- Yachte Gemeinde eingesührter Gebrauch verdient einer weitern Erwähnung und nachgeahmt zu werden. Der thätige Rabbiner Schott umsormte den Sabbathgottesdienst unter Anderm auch dadurch, daß in den Wintersabbathen statt des ganzen Boraehi Naphschi der Rabbiner je einen der 15 Stufenpsalmen mit Anlehnung an den Inhalt der Wochenparascha erklärt, worauf der Psalm vom Vorsänger und Gemeinde responftnweise gebetet wird. — Unter den jüdischen Confirmanden in Carlsruhe befinden sich dieses Mal Drillinge; auch wurde neulich die Frau deS Mohel in Straßburg (Elsaß) von Drillingen entbunden. — Luzzatto erwähnt im neuesten Dom *iäin S. 11. eines »rsiia ■otiö der in den Hagahot Mordechai citirt wird, von Zunz aber in seinem Werke „Zur Gesch. u. Lit." unerwähnt blieb. DaS Epitaph des ersteren Mordechai (b. Josef) hat Ref. auf dem hiesigen Friedhof gefunden. Es datirt vom 20. Tisch« 5055 (—22. Septbr. 1294) und er wird dasselbe zur Zeit nebst einer andern Sammlung hiesiger Epitaphien veröffentlichen. Preußen. Berlin, im April. (Privatmitth.) Abermals ein Sturm in einem Glase Wasser innerhalb unsrer Gemeinde I Diesmal handelt es sich aber nicht einmal um einige Piutim oder Bame Madlikin, sondern nur um Persönlichkeiten, die hier nur darum erwähnt sein mögen, weil sie unsre hiesigen Zustände charakterisiren. Ob es von einzelnen einflußreichen Männern in Leipzig ausgegangen, weiß ich nicht. Aber es verbreitete sich das Gerücht, daß der Rabbinats-Assessor Herr Br. Sachs an Jellinek's Stelle Prediger der jüdischen Gemeinde in Leipzig werden solle, und daß er bereit sei, dahin zu gehen. Selbstverständlich erhob sich eine Anzahl Gönner, welche mit aller Macht darauf drängten, durch eine Gehaltszulage und daS Versprechen, an die Spitze des Rabbinats zu kommen, Sachs in Berlin zurückzuhalten. Dem gegenüber rührte sich nun auch die große Anzahl Derer, welche Sachs feindlich gesinnt sind, um dies zu hintertreiben. Und da nun hiermit Neuwahlen für die Repräsentanten zusammen fallen, so gab es einmal wieder Spectakelstückchen, die sich auch weidlich in Inseraten in die hiesigen Zeitungen kund gaben. Auswärtigen, denen die hiesigen Zustände unbekannt sind, muß es wohl auffallen, daß Sachs eine Gemeinde von 15,000 Seelen verlassen

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