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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-04-20 · Heft 17 (20.4.1857) · p. Seite 222

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 17 (20.4.1857)
Date
1857-04-20
Page
Seite 222 (sequence 4)
Language
German
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222 fühlt es, und Niemand mag sie entbehren, und für jeglichen Menschen ist sie das Mark des Lebens und der Edelstein des Lebens und die Rose unter den vielen Dornen, und der ewige Stern in der Nacht, und das gewaltige Steuer in brausender Fluth, und der Fels, wenn die Erde bebt, und die Burg und der Hort und die Zustucht... Die Wahrheit forscht, das Recht wißt — aber die Liebe forscht und mißt nicht, sondern giebt, giebt was sie hat; das Recht spndert: das ist dein, dies ist mein, aber die Liebe giebt auch das Mein und behält nichts für sich. Und nun frage ich Euch: wer hat die Liebe verkündet in der Menschheit, wenn nicht die Religion Israels? Wer wandte daS Herz des Menschen nach oben, und sprach: Liebe den Ewigen, Deinen Gott, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Vermögen? Wer nach unten, und sprach: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst; ehre Vater und Mutter; verbring in Liebe Dein Leben mit Deiner Gattin; liebet Euch, Ihr Verwandte; steh' Deinem Nebenmenschen nicht ab in Lebensgefahr; laß die Ecken Deiner Felder stehen für den Bedürftigen und reiche ihm den Zehenten Deines Ertrages; hasse nicht, sondern spende Deinem Feinde Brot und Trank -die Religion Israels war es, die Religion ist es! Freilich, lehrt sie keine ungerechte Liebe, sie sagt nicht: wenn Dich Jemand schlägt, reich' ihm den Rücken zum Weiterschlagen; so Dir Jemand Dein Kleid entreißt, reiche ihm auch den Mantel. Auch die Liebe darf kein Unrecht thun und dulden, denn dies soll verschwinden von der Erden! — aber die ganze, lautere, göttliche Liebe, die da Alles thut um Andrer Willen und nichts um ihretwillen, die Liebe, die „stark ist wie der Tod, fest wie die Unterwelt!" ... (HL. Sckel.) Dies ist der Wahrspruch unsrer Religion p-iLi N2N81 Wahrheit, Recht und Liebe! Wohlan, so sei dies unser Wahrspruch in allen Zeiten unsres Lebens! Dies der Wahrspruch unsrer Ehen, dies der Wahrspruch unsrer Erziehung, dies, Ihr Jünglinge, sei das Ziel Eures Strebens, dies, Ihr Männer, die Thatkraft Eures Armes, dies, Ihr Greise, der Trost Eures Scheidens. Die Wahrheit lebe in unsrem Geiste und auf unsren Lippen, das Recht in unsren Thaten, die Liebe in unsrem ganzen Leben! Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus Bayern, 29. März. (Privatmitth.) Während man in manchem Staate den Juden die ihnen zuerkannten Rechte wieder zu entziehen sucht, ist daS bayerische Staatöministerium bezMlich der Judenmatrikel für eine numerisch freilich nur geringe Kategorie unserer Glaubensgenossen um ein Stadium der Humanität näher geruckt. So bald nämlich der israelitische Elementarlehrer — nicht aber der Religionslehrer, vielleicht auch nicht der Rabbiner — seine Ansäßigkeit kraft des Gesetzes, und zwar ganz conform mit seinem christlichen Collegen, erworben hat, so soll ihm eine Matrikelstelle in seiner Gemeinde vornweg, auch über die Normalzahl und ohne vorherige specielle Genehmigung des Staatöministeriums, was bei jedem andern Israeliten unerläßlich ist, zugetheilt werden. Ist bei der Erlangung seines Definitivums eine Matrikel zufällig erledigt, so sei er natürlich in diese sofort einzuregistriren, und hat um dieselbe schon vorher ein anderer Bewerber supplicirt, so sei es wohl dem Ermessen der Polizei-Behörden anheimzugeben, den ersten Bewerber in die offene Matrikel eintreten zu lassen, jedoch nicht mit Hintenansetzung deS Lehrers, dem dann wieder eine überzählige Matrikelstelle und immerhin ohne weitere Vorlage zu verleihen ist. Wenn nun auch allerdings die Zahl derer, die zur Zeit von dieser Wohlthat Gebrauch machen können, sehr gering bei uns sein wird, so wollen wir dennoch diese Verordnung als einen erfreulichen Fortschritt im Interesse der Humanität dankbar begrüßen, und die frohe Hoffnung nicht sinken lassen, daß vielleicht die gänzliche Beseitigung deS für uns so schmerzlichen Matrikelgesetzes überhaupt nicht mehr in so weiter Ferne liegen wird. Hamburg, Anfang April. (Privatmitth.) Am 6. d. M. wurde die gesammte Verwaltung des hiesigen neuen Tempels nebst einem außerordentlichen Comite (15 durchs Loos gezogene Mitglieder) berufen , um eine betrübende Botschaft zu vernehmen. Ilr. Gotthold Salomon hat sich veranlaßt gesehen, seine Dimission einzureichcn. Selbstverständlich wurde sie ihm mit dem Ausdruck des tiefsten Bedauerns und mit einer angemessenen Pension bewilligt. Der Anlaß ist eine bereits seit einigen Jahren fortwährend zunehmende Schwäche, die den äußerlich ziemlich rüstig aussehenden 73jährigen Greis verfolgt, die durch den vor Kurzem erfolgten Tod seiner Frau noch vergrößert ward. Er hat sein hiesiges Amt fast 39 Jahre bekleidet (vorher war er an der Franzschule

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