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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-04-13 · Heft 16 (13.4.1857) · p. Seite 214

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 16 (13.4.1857)
Date
1857-04-13
Page
Seite 214 (sequence 8)
Language
German
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214 Wir gehen zu, daß diejenigen, die ihr ganzes Heil auf die strenge Beobachtung der Speisegesetze setzen, die bestehende Einengung, und wäre sie noch größer, willig ertragen. Aber nicht alle Männer, nicht alle Frauen, und vor Allen nicht alle Söhne und Töchter befltzen diese Standhaftigkeit. Wenn etwas, so wäre diese erlaubte, blos durch übermäßige Aengstlichkeit obsolet gewordene Erweiterung jetzt an der Zeit, eS wäre ein Erjag im wahren Sinne des Worts. Es giebt noch mehrere Gründe für diesen Vorschlag. Beispielsweise, daß zwischen Vorder- und Hinterviertel keine natürliche haarscharfe Grenze eristirt, also immerhin ein kleines Michschol vorhanden ist. Dann würden auch die Kassen vieler Gemeinden durch den vermehrten Fleischverkauf gewinnen u. dgl. m. DaS Nächstliegende Mittel wäre, daß zuerst kleinere Gemeinden beschlössen, nur solche Schächter anzustellen, die die fragliche Praxis verstehen. Hoffentlich werden diese Zeilen einen Anstoß zu weiterer Erörterung geben, und wäre es zuerst wünschenswerth, wenn diejenigen Geuieinden, in denen die Hinterviertcl koscher pnrgirt werden, sich öffentlich nennen möchten. Ein jüdischer Hausvater. Literarischer Wochenbericht. Königsberg in Pr., 24. März. Ueber den untergeschobenen Brief Salomon Maimon's an Moses Mendelssohn. Daß der betrrffliche Brief genügsame innere und äußere Merkmale der Unächtheit an sich trägt, haben sowohl Herr 8. 8. als der Acdacteur dieser Blätter nachgewiesen; mir bleibt nur zu bemerken übrig, daß ich in den mir zur Herausgabe anvertrauten nachgelassenen hebräischen Schriften, Briefen re. MoseS Mendelssohns keinen derartigen Brief Salomon Maimon's gefunden, und daß das apokryphische, ja pseudoepigraphische Schriftstück nur aus der, mir vom verstorbenen Joseph Mendelssohn und Rüben Gumpertz in Berlin als wirklich wahr mitgetheilten Thatsache entstanden, daß, als zur Zeit der Hamburg-Altona-und Wandsbecker Rabbiner den Bann gegen M. M's. Pentateuch- Uebersetzung schleuderte, er sich auch an Rabbi Elia nach Wilna wandte, in der Hoffnung, in ihm eine» wackern Bundesgenossen zu gewinnen, dieser aber das Ansinnen mit der Bemerkung ablehnte, daß, wenn die Uebersetzung antijüdisch wäre, sie von dem Berliner Rabbinate nicht gebilligt worden wäre. Der Brief kam dadurch zu Mendelssohn'S und feiner Freunde Kenntniß, daß er (ob absichtlich oder nicht, bleibt dahingestellt) von einem Wil« naer Banquier als Einschluß in einem Geschäftsbriefe an David Friedländer zur Weiterbeförderung laut Adresse gesandt wurde, und daß das Berliner Rabbinat wirklich erst eine treue Abschrift des Briefes genommen, bevor er an seine Bestimmung befördert worden. vr. H. Jolowiez. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hamburg, Ende März. (Privatmitth.) Zur Steuer der Unwahrheit, nämlich um nachzuweisen, wie es mit der Aufrichtigkeit der „kleinen, aber machtlosen Partei" in unserer Mitte beschaffen ist, müssen wir das bereits verschollene Wagener'sche Buch noch einmal in Erwähnung bringen. Am Schluffe der Beilage II, nämlich des Rundschreibens der „Erhalter des JudenthumS", unterzeichnet im Namen dieser Gesellschaft Itamar Cohen, 243 Rue Saint Denis ä Paris, in welcher die Abschaffung resp. Verminderung der Piutim und die Einführung der Orgel resp. deS ChorgesangS bekämpft wird, wird versichert, daß ähnliche zustimmende Gutachten unter Anderen auch vom hiesigen Herrn Oberrabbiner Stern eingegangen seien. Dieser, vom Gemeindevorstand befragt, erklärte jedoch: er sei von den Pariser Herren Tedesco, Cohn und Consorten im vorigen Juni zu einem derartigen Gutachten aufgefordert worden, habe sich zuvörderst von ihnen ihre gedruckten Protokolle erbeten, und alö er solche erhalten, die Correspondenz nicht weiter fortgesetzt. Vor Kurzem wurde in dieser Zeitung auch über Spuren von Intoleranz in dem Pariser Siöcle geklagt. ES kommt nun allerdings darauf an, was man Intoleranz nennt. Der Siöcle, dieser muthvolle, bei beständig bedrohter Existenz dennoch unermüdlich fortarbeitende Kämpfer für Licht und Freiheit, wird nie religiöser Intoleranz, wird nie der Pfaffenherrschaft in irgend einer Secte auch nur eine Fingerspitze bieten, denn er hat nie die Fahne der Principien von 1789 verläugnct. Allein damit ist keineSwegeS gesagt, daß er alles Treiben der französischen Juden und ihrer Spitzen in Paris billigt. Hat denn

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