Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-04-13 · Heft 16 (13.4.1857) · p. Seite 210

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 16 (13.4.1857)
Date
1857-04-13
Page
Seite 210 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226039-3226056--16037-3244867
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

210 sein." Endlich wird die MaSke abgeworfen und wir sehen die wahre Gestalt; endlich hören wir daS, was wir bis jetzt errathen haben, in einfachen, leicht verständlichen Worten ausgesprochen. „Der halachische Standpunkt beruht auf einer Fiktion".*) Haben Sie wirklich überlegt und bedacht, was Sie hier geschrieben? haben Sie die unendliche Reihe der Schlüffe, die fich aus diesen Worten ziehen lassen, vorher übersehen? wissen Sie, daß Sie mit diesem Satze die Thauroh selbst angegriffen und Sätze und Gebote der Thauroh wollen gestrichen und aufgehoben haben? Beruht diese Halacha auf der Fiction, „daß das Geschlecht der Chohanim heute noch wie ehedem zur Zeit des Tempels eine Ausnahmsstellung habe, daß ihm heute noch wie ehedem all das verboten sei, was nicht den wirklichen Priestern, den zu Lehre und Dienst Berufenen verboten sei": so lassen Sie uns rasch den Thauroh zur Hand nehmen und Sätze wie nciu Niver inp' Nb nffl'Na oder vaya «ata'» Nb iseab und hundert andere streichen und vernichten. O, die Thoren, die so lange diese Ausnahmsstellung geduldet, die dem Chohen im Tempel, bei allen religiösen Verrichtungen Vorrechte zugestanden und fromm und bescheiden vor ihm zurückgetreten sind. Heil uns Männern des erleuchteten, aufgeklärten Jahrhunderts, die wir „die Romantik, wenn fie in Gesetz und Leben fich einschleicht und antiquirte Ausnahmen über uns verhängt, nicht hegen und nicht unangefochten lassen." Bedarf es noch mehr als dieses? Die Halacha gründet sich auf Fiction, die Thauroh selbst schreibt diese Halacha vor, demnach-beruht auch die Thauroh auf Fiction!**) Wir wollen schweigen, eine solche Fiction ist keines Wortes der Widerlegung würvig.-Was den zweiten Grund betrifft, daß jede Proselytin als nair zu betrachten sei, so bitten wir den Herrn Correspondenten, vor Allem wpvis und *) Herr Kr. citirt so, daß man glauben könnte, jener Correspondent hätte gesagt: jeder halachische Standpunkt beruhe auf Fiction, während er von dem einem hinsichtlich der Cohanim spricht. Redact. **) Gemach, Herr Kr., Sie schließen und schießen über das Ziel hinaus, und das ist stets ein Fehler. Der Corrcspondent berührt die Thvrah nicht mit einer Sylb«. Er sagt nicht, daß die ausschließlichen Gesetze für die Cohanim, wie sie die Thorah vorschrcibt, nicht zur Zeit d«S Tempels voll gegolten, sondern nur, daß sie jetzt nicht mehr zu gelten hätten, weil die Cohanim seit 18 Jahrhunderten ihren heiligen Beruf verloren haben und in alle Unreinheiten des weltlichen Lebens versunken sind! Redact. tnaa weiter zu lesen, um die Ueberzeugung zu gewinnen, daß bei aller Hochachtung, die wir vor der Sittlichkeit und den sittlichen Prinripien unsrer nichtjüdischen Glaubensgenossen hegen, wir dennoch den Satz des Propheten Ezechiel (44, 22.): Jungfrauen vo« Samen des Hauses Israel sollen fie nehmen, aufrecht erhalten müssen. — *) Das Widerstreben, mit dem der geehrt« Herr den dritten Fall anS Tageslicht zieht, können wir unS nicht erklären; wenn wir nicht den Grund in der Scheu finden wollen, öffentlich zu bekennen, daß ein orthodoxer Rabbiner die Proselytin eines weniger skrupulösen nicht als Jüdin hat anerkennen wollen. DaS ist der langen Rede kurzer Sinn, das der Schwerpunkt, auf den sich die Anklage stützt. „Der Rabbiner ließ den Mann rufen; erklärte, daß er daS Kind nicht als Jude bewachte und auch die Frau nicht eher anerkenne, bis sie— nochmals bei einem orthodoxen Rabbiner ihren Uebertritt erklärt habe." Wer nun weiß, wie bei der Aufnahme verfahren wird, wie die Aufzunehmenden von Allem mehr erfahren haben als vom Judenthum und seinen Pflichten, wird daS Bedenken des Rabbiners gerechtfertigt finden; vielleicht auch nicht anders handeln und fich derselben „haarsträubenden Taktlosigkeit und Rücksichtslosigkeit" schuldig machen. Wir sind zu Ende, da wir auf das weitere Raisonnement des Correspondenten nicht näher eingehen wollen! Jsaac Jacob Krimke. Von der untern Mosel, Ende März. (Eingesandt.) Jeder denkende, religiöse Israelit ist Ihnen, geehrtester Herr Redakteur, gewiß zu besonder« Danke verpflichtet, daß Sie in No. 12. Ihres geschätzten Blattes, „das für Recht, Licht und Wahrheit im Judenthume stets die Stimme erhebt", die mit so tiefem Ernste und wahrhaft sittlicher Erregung geschriebene Mittheilung: „von der untern Weser" „ohne Bedenken" ausgenommen haben. Die ernste Klage des Berichterstatters in der Einleitung zu seiner Mittheilung, „daß nämlich die strenge Halacha mit der Vernunft und Menschlichkeit gar manchmal nicht übereinstimmt, und daß sie Härten und Schroffheiten herbeiführt, die, weil im Namen der Religion geübt, ihre Kraft schmälern, die Anhänglichkeit und Liebe zu ihr untergraben" — ist leider nur zu gegründet, und findet sich ob dieses UebelstandeS der gewissenhafte, auch freisin- *) Gut. Aber warum heißt es: 'ibi iiSlt if’tri!? hat also Herr Kr. etwas widerlegt? Redact.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.