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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-04-06 · Heft 15 (6.4.1857) · p. Seite 200

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 15 (6.4.1857)
Date
1857-04-06
Page
Seite 200 (sequence 8)
Language
German
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Preußen. Vom Rhein, 25. März. (Privatmitth.) (Vorbemerkung der Redaction. Man hat eS uns in jüngster Zeit verargt, daß wir so oft Artikel über die Stellung der jüdischen Lehrer aufnehmen. Allein mit der Stellung der Lehrer hängt die Bildung, Wirksamkeit und Erhaltung dieses Standes, und mit dieser wieder die Bildung unsrer Jugend zu sehr zusammen, folglich unsre ganze Zukunft,' als daß wir nicht unermüdet und unerschrocken dahin wirken sollten, die geordnete und würdige Stellung deS LehrerstandeS herbeiführen zu helfen.) Diese Zeitung, die wahres jüdisches Interesse nach allen Seiten hin zu fördern stets bestrebt ist, hat in jüngster Zeit auch manches dunkle Bild, in der Thal aber noch kein zu dunkles,*) aus dem jüdischen Lehrerleben gebracht, weil die Wirklichkeit düsterer und schroffer ist, als alle Schilderungen sie bis dahin dargestellt haben. Denn das Allgemeine ist maßgebend, nicht das Besondere. Es kann höchstens nur als einzelne, würdige Ausnahme unsre Anerkennung fordern, die wir ihm nicht versagen. Wie selten aber sind diese Ausnahmen! Lassen wir für unsre Behauptung Thatsachen reden. Eine größere Gemeinde unsrer Provinz will ihren Lehrer, der drei Decennien in ihrer Mitte segensreich gewirkt hat, in den Ruhestand versetzen; sie will ihn zum Gastwirthe machen —; aber die Regierung versagt die hierzu erforderliche Eoncession. Der Lehrer wird nun dessenungeachtet pensionirt. Wie hoch diese Pension ausgefallen ist, wissen wir zwar nicht; aber aus dem Anzeiger dieser Zeitung wissen wir, daß der Nachfolger dieses würdigen Veteranen fünfzig Thaler von seinem Gehalte zur Pension seines Vorgängers hergeben muß. So handelt eine große, wohlhabende, gebildete Gemeinde der Rheinprovinz, die ihren Rabbiner, ihr eigenes Gebetbuch, ihre Orgel im Gotteshause, aber nur wenig Herz für die Lehrer ihrer Kinder besitzt. In einer andern, nicht minder großen und gebildeten Gemeinde wurde der würdige und tüchtige Lehrer, der fast 20 *) Herr Blumenau hat Unrecht, wenn er in No. 9. den Ausdruck „dunkles Colvrit" über den Artikel des Herrn Rüben in No. 6. gebraucht. Mag seine Stellung auch noch so angenehm sein, und wir wünschen, daß sie es für immer bleiben möge, so hätte dennoch ein Blick auf das Schicksal seines Vorgängers, des Herrn Posener, hingereicht, u», ihm eine andere Ueberzeugung zu verschaffen. Anm. d. Corr. AUS Jahre da fungirt hatte, so lange auf alle mögliche gemeine Weise gefoltert, bis er den Ort verließ. Ob ihm das auch schwer geworden? —- Wir könnten diese Beispiele, welche wegen ihrer Menge die Regel bilden, noch ohne Mühe sehr vermehren und durch Nennung von Namen das Gesagte außer allem Zweifel setzen; aber wir begnügen uns zur Charakteristrung der großem Gemeinden mit diesen beiden Thatsachen. Wenn es so in größer» Gemeinden auSsteht, so ist eS klar, daß es dann in den kleineren Gemeinden noch schlimmer aussieht. Da herrscht, außer dem entschwunden geglaubten, aber in neuerer Zeit zu neuem^ üppigem Umsichwuchern — um nicht Dasein zu sagen — berufenen Bachur- und Chedarwesen, der jährliche Lehrerwechsel, welcher die Lehrer vor dem Altwerden in der Gemeinde bewahrt. Da sind Götzen deS Reichthums und Klötze der Rohheit, welche ihn die Annehmlichkeit seines Standes empfinden lassen, Und obschon diese höhern Wesen in der Regel in Zwietracht leben, so ist augenblicklich die innigste Eintracht zwischen ihnen hergestellt, wenn der Lehrer das Unglück hatte, Einen von ihnen auch nur schief anzusehen. Dann mag der arme Lehrer sich nur nach einem andern Wirkungskreis umsehen; denn die Auflösung des mit ihm geschlossenen kontraktlichen Verhältnisses wird nicht lange auf sich warten lassen. Daß die ehrenwerthen Frauen hierbei eine nicht unbedeutende Rolle zum Nachtheile deS Lehrers spielen, wollen wir ebenfalls erwähnen. Ist es nicht so fast überall? Wie können aber unter solchen Umständen Unterricht und Bildung gedeihen, wenn der Lehrerstand auch noch so intelligent ist? WaS geschieht von oben oder von unten zur Beseitigung solcher anerkannten Uebel, durch deren Wegräumen die Lehrer wirklich bessergestellt würden? Nichts, gar nichts. Und waS ist in Zukunft zu hoffen? Nichts, gar nichts, wenn nicht alle Anzeichen täuschen. Wir glauben auch, daß die Lehrer sich keinen zu großen sanguinischen Hoffnungen hingeben werden. Oder irren wir unS, sind die Lehrer nicht oft genug getäuscht worden in ihren Hoffnungen und Erwartungen, daß noch eine neue Enttäuschung nöthig wäre, um sie zur Einsicht zu bringen, daß alles Gerede von Hoffnung auf Besserstellung leere, nichtssagende Phrase ist? Alle Versuche, welche schon gemacht worden sind und noch gemacht werden, werden erfolglos bleiben, wenn man sich nicht zur Anwendung eines Radikalmittels ent-

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