Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 13 (23.3.1857)
- Date
- 1857-03-23
- Page
- Seite 172 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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\1% durch den Tod des Kaufmannes Zacharias Meyer Hamburger eines ihrer ältesten, wohlhabendsten, aber auch mildthätigsten und gottesfürchtigsten : Mitglieder verloren. — Von dem Rabbiner Elias Guttmacher, über welchen wir in No. 10 dieser Zei-. tung berichteten, ist dort anzugeben vergessen, daß derselbe in Grätz (Kreis Buk) seinen Sitz hat. Oesterreichischer KaLserstaat. Wien, 26. Februar. (Privatmitth.) Die Wiener Zeitung vom letzten Sonntag brachte eine kaiserliche Verordnung, die auch in diesen Blättern erwähnt zu werden verdient. Die Paßplackereien,, wie sie bisher zum Leidwesen der In- und Ausländer im österreichischen Kaiserstaate stattgefunden haben, sind nun zu Grabe getragen. Für den Inländer wird eine Legitimationskarte genügen und der Ausländer wird seinen Paß blos an der Grenze des Reiches vorzuzeigen haben. Es ist entschieden dadurch ein großer Schritt zur Freizügigkeit gemacht. Hoffentlich rückt auch bald die Zeit heran, wo dieses Gesetz promulgirt werden wird. Während jedoch bei den Legitimationskarten die Rubrik „Religion" fehlt, ist sie in den Pässen, die Inländern zur Reise nach dem Auslande ertheilt werden, eben so in den Fremdenbüchern und Meldezetteln beibehalten. Bekanntlich fehlt in den Militär- Pässen diese Rubrik auf Anordnung dcS sel. Erzherzogs Karl. Unter dem Ministerium Stadion blieb diese Rubrik auch für das Civile weg. Später wurde sie wieder ausgenommen.*) So viel uns bekannt ist, kennt man in Pässen deS Kirchenstaates diese Rubrik nicht, und hat auch der Fremde kein Bekenntniß in dieser Beziehung in den Gasthäusern rc. Roms abzulegen. Der Bericht der hiesigen israelitischen Armenanstalt für das Jahr 1856 ist erschienen. Die jährlichen Beiträge der Mitglieder machten aus: 15,636 Fl. 30 £u Außerdem kamen der Anstalt noch sonstige Spenden und Gaben zu, wovon ein großer Theil einen sogenannten „durchlaufenden Posten" bildet, d. h. die zur sofortigen Vertheilung der Anstalt übergeben wurden. *) In den preußische» Pässen fehlt jetzt diese Rubrik ebenfalls. Revact. Nachdem die Bewilligung zum Baue einer Kinderbewahranstalt bereits genehmigt wurde, wird auch jetzt zum Baue derselben geschritten. Der Platz wurde bereits vor längerer Zeit angekauft, und zwar in der Leopoldstadt. Das Gebäude wird dem Zwecke angemessen sein. ES wird befassen die Lehrzimmer, einen Prüfungssaal, welcher während des JahreS und besonders im Winter zu Turnübungen benutzt werden wird, eine Wohnung für den Lehrer und wie es sich von selbst versteht, wird eine entsprechende Räumlichkeit des Platzes zu einem Garten benutzt werden. Auch der Handwerksverein macht in letzter Zeit Anstrengungen, um die Geldkräfte zu mehren. Insbesondere gebührt dieses Verdienst dcmVorständsmitgliede, Herrn Konsul Schey. Derselbe warb beiläufig fünfzig neue Mitglieder, die einen jährlichen Beitrag von 10 Fl. geben und nebstdem ein „Einkaufsgeld" von 10 Fl. Ein hiesiges Journal brachte jüngst die Notiz, daß der hiesige Gemeinderath jetzt zurückhalte, das Recht der Zuständigkeit an Israeliten zu verleihen. Ich holte Erkundigungen ein, und erfuhr von einer Seite, die in der Lage ist, gut unterrichtet zu sein, daß obige Notiz unwahr sei. Von Seite der niederösterreichischen Statthalterei erging ein Erlaß, daß Schulbücher armen Kindern in den Volksschulen, erste, zweite und dritte Claffe, nicht blos geliehen, sondern geschenkt werden können, vorausgesetzt, daß die Kinder fleißig find und zwar auf Kosten deS Staates. Dieser Erlaß hat für Schulen aller Confessionen Geltung. Von Professor l)r. Goldenthal erschien: 6rammairs arabe 6crite en hebreu. Wie«, 9. Februar. lPrivatmitth.) Hiesige Journale berichten, daß die Königsberg'sche Stiftung noch im Laufe dieses Jahres ins Leben treten wird. Ich habe jedoch Grund, diese Nachricht zu bezweifeln. Die Erben haben nämlich einen- Prveeß begonnen, und wenn dieselben auch nach der Ansicht von Fachmännern nichts gewinnen werde«, so wird die Angelegenheit dadurch doch in die Länge geschoben. Derartige Institutionen brauchen überhaupt längere Zeit, bevor sie ins Leben gerufen werden. So ist bis jetzt die Stiftung der Frau Jeitteles noch nicht realisirt. Die hiesigen Behörden übereilen, nicht gern derartige Angelegenheiten.