Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 13 (23.3.1857)
- Date
- 1857-03-23
- Page
- Seite 171 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Lehrkräften ist leider sehr nahe. Die Ursache dieser Erscheinung liegt theilS in der unzureichenden Besoldung, theilS in der precären Stellung der Lehrer.— Jeder Arbeiter ist seines Lohnes Werth, und der Arbeiter im Weinberge hes Herrn, der im Dienste des Staates und der Gemeinde seine Säfte, und Kräfte opfert, hat das größte Anrecht auf eine ausreichende, seinem Stande und Berufe angemessene Besoldung, damit er sich der Bildung und Erziehung der Jugend mit Leib und Seele hingebcn könne, und unter dem Drucke der Sorge um's tägliche Brot die Freudigkeit des Gemüths nicht verliere, die Niemand nöthiger braucht als er. Wenn aber der Lehrer 100 biö 150 Thlr. jährlich, also 8—12 Ngr. pro Tag hat, kann er davon standesgemäß leben, standesgemäß sich kleiden, standesgemäß seine Kinder erziehen? — Und der Hinblick auf den Lebensabend, wo, an Geist und Körper zerrüttet, der Schulvete.ran das noch kümmerlichere Gnadenbrot sich erstehen muß, ist wahrlich auch nicht sehr erfreulich und ermunternd. Kann es nun Befremden erregen, wenn so viele junge rüstige Lehrer bei Zeiten streben, dieses ':;» ünd wegzuwerfen und nach einem andern, bessere Aussichten für die Zukunft darbietenden Nahrungszweige zu greifen? — Möchten doch die Gemeinden, die hohe Bedeutung der Schule und des SchullehrerstandeS mehr und mehr erkennend, angelegentlichste Sorge tragen, die Lehrergehälter nachhaltig zu verbessern und jenes Grundübel der unsicheren Stellung der Lehrer, für den Lehrer so demüthigend und drückend, für die Schule durch den häufigen Lehrerwechsel so nachtheilig und schädlich, heilen! Dann werden junge Männer von Talent mit Liebe und Freudigkeit der Jugendbildung und Jugenderziehung sich widmen, und Niemandem wird es einfallen, untreu zu werden diesem hohen und edlen Berufe. — Wenn manche Gemeinde glaubt, durch Anschließung an die christliche Schule ihren Zweck eben so gut zu erreichen, wie durch Erhaltung einer eigenen jüdischen Schule, so ist sie sehr im Jrrthum. Die christliche Schule macht daS Christenthum zum Mittelpunkte deö ganzen Unterrichts; die jüdische Jugend aber muß vom Geiste des Judenthums ganz durchdrungen werden, des Judenthums, mil dem unsere hartbedrängten Vorfahren wunderten von Land zu Land, von Welttheil zu Welttheil, vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenniedergange., des Judenthums, für daS unsere frommen Väter Gut und Blut willig Hingaben, für daS sie Verfolgungen und Zurücksetzungen willig und geduldig ertrugen, für das sie dem Hunger, dem Schwerte, dem Scheiterhaufen muthig trotzten, mit dem sie in all ihren Leiden sich glücklich fühlten,:— vom Geiste dieses Judenthums muß unsere Jugend tief durchdrungen werden. Das bewirkt aber die christliche Schule nicht, und noch weniger die Missionsschule. Darum besondere Schulen für die christliche, besondere für die jüdische Jugend! Aber nicht gekargt, nicht gegeizt, nicht gespart darf werden, wo es so heilige, hohe Zwecke gilt. Gut dotirte Schulen verschaffen tüchtige Lehrer, und tüchtige gewissenhafte Lehrer bilden eine Gott und Menschen wohlgefällige Jugend; in einer wohlerzogenen Jugend aber muß selbst vom tiefsten Falle die Menschheit sich erheben! — Kuttner, Lehrer. Aus der Provinz Posen, 6. März. (Privatmitth.) Im Kreise Bomst (R. B. Posen) sind 4 jüdische Elementarschulen, von denen gegenwärtig 3 ohne Lehrer sind, nämlich die zu Bomst, Rackwitz und Karge (Unruhstadt). Die Stellen zu Bomst und Rackwitz sind beide schon sehr lange vacant, während die zu Karge eS erst neulich dadurch geworden, daß der dasigr bisherige Lehrer nach der Rheingegend abgegangen. Dieses letzte Factum habe ich aber nur aus dem Grunde angeführt, weil es ein Gegenstück bildet von dem, waS bisher schon sehr häufig vorgekommen. Gar viele Lehrer sind aus der Rheingegend schon hierhergekommen, um in unfern Gemeinden eine — wenn auch gerade nicht bessere, so doch wenigstens festere — Stelle zu suchen, während bas Umgekehrte, nämlich die Uebersiedelung eineS Lehrers von hier nach dem Rhein — wo die jüdischen Lehrer nicht angestellt, sondern so zu sagen nur gedungen werden — bis jetzt nur äußerst selten vorgekommen ist. — In der Gemeinde Rakel — welche, wenngleich nicht eine der größten, aber gewiß eine der wohlhabendsten im Großherzogthume ist, — wird jede Lehrerstelle, deren es dort drei giedt, auf die Weisung der königl. Regierung zu Bromberg um 50 Thlr. höher dotirt werden. — Im Kreise Kröben (R. B. Posen) wurden im vorigen Jahre 2059 Kinder und darunter 88 jüdische, geboren. Die Zahl der unehelichen Geburten betrug 93, wovon jedoch nur 3 auf die jüdische Bevölkerung kommen^ — Die jüdische Gemeinde zu Schmiegel hat unlängst