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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-03-23 · Heft 13 (23.3.1857) · p. Seite 169

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 13 (23.3.1857)
Date
1857-03-23
Page
Seite 169 (sequence 5)
Language
German
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teieneide eine - Norm nachzugeben und einzuführen sei, wie sie beim Eide der Mitglieder beider Häuser der Landesvertretung und der Geschworenen im Allgemeinen nur vorgeschrieben, auch wirklich in der Praris verschiedener Gerichte bereits angenommen worden. Die Petitionscommission des Abgeordnetenhauses hat in eine materielle Berathung dieser Petition einzugehen beschlossen, obgleich die Petenten mit ihrem Anträge nicht den Instanzenweg verfolgt haben. Dieser Beschluß wurde durch die Erwägung motivirt, daß es sich hier nicht um eine Frage der Verwaltung, sondern der Gesetzgebung handle. Man empfahl aber, über den Antrag zur Tagesordnung überzugehen, weil die Aufhebung deS Eides „die Grundsätze Umstürzen würde, auf welchen unsere ganze Beweistheorie, ja sogar ein Theil des Staatsrechts rubt, und zwar nicht nach neuen willkürlichen Sätzen, sondern nach uralter geschichtlicher Begründung", weil außerdem das praktische Bedürfniß, wie es in dem oben angeführten Specialfalle (bei dem übrigens ein Nachtheil des EidesverweigereS nicht nachgewiefen sei) behauptet werde, in der Unterschrift von nur elf Namen (so viele befinden sich unter der Petition) keine besondere Bestätigung finde. Berlin, 15. März. Die Zahl der jüdischen Assessoren an dem hiesigen Stadtgerichte beträgt seit dem 5. d. M. drei, welche sämmtlich bei der Hypotheken- Deputation beschäftigt werden. Nach Herrn Kaiser, welcher zuerst, seine Bestallung erhielt, wurden am 26. Februar Herr Makover und am 5. d. M. Herr Siegmund Meyer, ein Sohn des Geh. Commerzienrathes Joel Wolff Meyer, als Assessoren eingeführt. Königsberg i. Pr., 7. März. (Privatmitth.) Von hiesiger Gemeinde zu berichten, ist jetzt noch etwas mißlich, da in der That noch nichts geschehen, sondern erst geschehen — soll. Am 27, December v. I. wurde der hundertjährige Bestand der Synagoge festlich begangen. Eine sogenannte „Vorbereitungsschule für den Religionsunterricht der Knaben" ist hergestellt, allein, unheilen Sie, der ganze Unterricht besteht in wöchentlich zwei Stunden und einer Schreibestunde. Endlich sind Veränderungen im Gottesdienste im Schwange, allein sie werden noch geheim gehalten und ihre Ausführung ist — einer fernen Zukunft Vorbehalten. Königsberg i. Pr., 1l. März. (Privatmitth.)' Die hiesige „Hartung'sche Zeitung" bringt folgende > grausenhafte Nachricht : Braunsberg, 4. März. Ein Vorfall, welcher sich in unserer Rachbarstadt, Gutistadt, in voriger Woche zutrug, macht viel von sich reden. Der Sohn deS dortigen jüdischen Kaufmanns M. wurde Kürschnermeister und wie üblich, wurde im Verein mit älteren Meistern gezecht. Bei dieser Gelegenheit entspann sich eine lebhafte Debatte über die Kreuzigung Christi und am Ende wurde vorgeschlagen, da jedenfalls die Voreltern deS M. auch bei derselben zugegen gewesen seien, als Revanche dem M. in einem Theile des Körpers ein Kreuz einzuschneiden. Dieses fand Beifall und geschah. Der M. wurde unter vielem Sträuben zu Boden geworfen und ihm an dem edelsten Theil ein Kreuz eingeschnitten. .Nun riß sich derselbe, vor Wuth und Schmerz brüllend, loS und stürzte blutend auf der Straße nieder. Durch die Vorübergehenden nach Hause gebracht, hat der.herbeigerufene Arzt alle Mittel angewendet, um den jungen M. am Leben zu erhalten. Der geschnittene Theil wurde sogleich zugenäht; es soll indessen wenig Hoffnung für das Aufkommen sein; jedenfalls bleibt Patient zeitlebens unglücklich. Die Schuldigen, welche, wie man vernimmt, sonst wohlhabende Bürger der Stadt (der eine besitzt 2 Häuser), sind der Staatsanwaltschaft übergeben und nach Heilsberg, dem Sitz des Kreisgerichts, überliefert worden. Es wird nun zwar keinen Augenblick gezweifelt, daß diese Leute die ganze Schärfe des Gesetzes treffen werde; aber sollte man wohl glauben, daß solche Brutalität in unserm Jahrhundert möglich wäre! (Niemand wird den Abscheu vor solcher Unthat verhehlen — aber setzen wir den Fall, daß eine ähn- ,liche Unthat von Juden geschehen sei, dann hätten die publicistischen Wortführer nicht Zeitungen genug für ihre Leit« und Leidartikel — da sie aber an einem Juden verübt worden, da schweigt Alles, und nur die Hartung'sche Zeitung und Rupp's „Sonntagspost" verlieren ein Wort darüber! Redact. d. A. Zeit. d. Jud.) Landöberg a. d. Warthe, 5. März. (Privatmitth.) Das Gesetz von 1847 ist endlich auch für unsere Gemeinde völlig ins Leben getreten: wir haben neu gewählte Repräsentanten, neu gewählte Vorsteher. Die letzteren — die Herren Burchardt, Val-

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