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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-03-16 · Heft 12 (16.3.1857) · p. Seite 152

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 12 (16.3.1857)
Date
1857-03-16
Page
Seite 152 (sequence 2)
Language
German
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152 machtloser geworden ist. Wenn eine ertreme Partei zur Macht gelangt, so versteht es sich von selbst, daß sie sich vergrößern will, und von selbst vergrößert. Dadurch aber nimmt sie Elemente in sich auf, welche dennoch nicht bis zum Aeußersten mit ihr gehen und die Consequeuzen ihrer eigenen Grundsätze verabscheuen. So zerklüftet sich die Partei, findet ihre Opposition in ihrem eigenen Schoße, und zerstört sich selbst. Es ist daher ein alter Erfahrungssatz: daß man eine ertreme Partei nur zur Herrschaft kommen lassen müsse, um sie sich ihren eigenen Sturz bereiten zu sehen. Es kann daher nicht auffallen, daß in dem jetzigen Abgeordnetenhause, das in seiner ungeheuren Mehrheit der Rechten angehört, dennoch allein 26 Landräthe gegen das Ministerium und die Gerlach- Wagener'sche Partei stimmten. Und daß somit in einem speciellen Falle das Ministerium selbst erlag, wie im vorigen Jahre die Gerlach-Wagener'sche Partei in ihrem Anträge gegen die Gewissensfreiheit. Als Resultat können wir daraus ziehen: daß auch in Preußen die Reaction ihren Höhepunkt überstiegen hat. Die Donaufürstenthümer. Ein Schreiben aus Bukarest vom 20. Februar berichtet uns, daß die Gleichstellung unsrer Glaubensgenossen in der Wallachei sehr günstige Aussichten habe. „Ein, französischer Israelit, Herr Arnold Levy, hat Seiner Durchlaucht dem Fürsten-Kaimakan eine in wallachischer, französischer, deutscher und hebräischer Sprache abgefaßte, und von einem großen Theile der hiesigen Israeliten Unterzeichnete Petition vorgelegt und bei dem ganzen wallachischen Adel circuliren lassen. Dieselbe hat einen großen Eindruck gemacht, und Se. Durchlaucht hat versprochen, für dieselbe in der im April stattfindenden Sitzung der Commiffäre selbst Fürsprecher zu sein. Möge der Lenker aller Geschicke das Herz der Bevollmächtigten zum Guten lenken'/' Ferner schreibt uns unser Correspondent: „Es hat sich hier unlängst ein neuer Cultusverein gebildet, um einen Tempel zu bauen, in welchem ein geregelter Gottesdienst mit Chor und Predigt eingeführt werden soll; an der Spitze steht das wirksamste Mitglied unsres Schulcomit6's, Herr I. L. Weinberg. Endlich, waS als eines der glücklichsten Ereignisse angesehen werden kann, ist die Vereinigung der hiesigen zersplitterten Gemeinden zu Stande, gekommen, und wurde dies durch das von Ihnen, Herr Redacteur, an die Vorstände gerichtete Schreiben, und durch die Bemühungen des obengenannten Herrn Levy bewirkt." Die Türkei. Ein neuer Act der türkischen Regierung erweist, wie sehr diese Regierung von dem Grundsätze durchdrungen ist, Gerechtigkeit zu üben. Chaim Carmona war vor 35 Jahren der erste jüdische Banquier der Levante, der Rothschild des Orients; das alte türkische System, das jetzt beseitigt ist, war noch in Blüthe: einen reichen Mann tödten, weil er reich war und seine Güter confisciren, war eine ganz einfache Sache. In einer Nacht im Jahre 1826 wurde Carmona plötzlich in seinem Hause in Konstantinopel durch die Chergen des Sultans überfallen und unter den Augen seiner Familie erwürgt. Am andern Morgen waren all« seine Güter confiscirt. *) Sein Sohn war 1854 nach London gekommen, um Schritte zu einer Wiedererstattung zu thun; seine englischen Glaubensgenossen, die fich Anfangs für ihn interessirten, verließen ihn bald größtentheils. Einige eifrige Männer, meistens Christen, blieben allein seiner Sache treu, unter Anderen Sir Culling Eardley, und thaten wirksame Schritte; Lord Shaftesbury legte dem Grafen Clarendon ein Memoire vor, das unter Andern von mehreren Parlamentsmitgliedern unterzeichnet war. Man bedauerte, bestätigen zu müssen, daß der bosril ok deputies den englischen Juden nicht geglaubt, fich diesem Werke der Menschenliebe anschließen zu müssen. Der britische Gesandte in Konstantinopel, Lord Stratford de Redcliffe, erhielt di« Instruction, dasselbe zu unterstützen; er that es und hat reusfirt. Die ottomanische Regierung, jede Verantwortlichkeit für die abscheuliche Ungerechtigkeit ihres vorigen Herrschers von stch weisend, hat dermaßen die Sache geordnet: ste bewilligt der Familie Carmona 120,000 Piaster jährlich und leihet ihr ohne Zinsen die Summe vnn einer Million, um ihr zu helfen ihre Stellung wieder einzunehmen. Dieses Arrangement wurde Lord Strat- *) Man beschuldigte damals den Banquier Carmona eigenmächtiger Handlungen, namentlich die Vollstreckung eines Todesurtheils selbstständig aufgehalten zu haben. Mit dem Tode und Sturze dieses Mannes wurden die türkischen Israeliten gänzlich von den Armeniern und Griechen aus der finanziellen Welt verdrängt. Red. d. A. Z. d. Jud,

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