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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-03-09 · Heft 11 (9.3.1857) · p. Seite 146

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 11 (9.3.1857)
Date
1857-03-09
Page
Seite 146 (sequence 10)
Language
German
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146 gemacht? was hat er für Juden und Judenthum geleistet? Ist er ein Vorsteher, ein Gelehrter, ein Rabbi? — nichts von allem dem! Warum hat ihn aber die Synode zum Naßi gewählt? Wo aber eristirt diese Synode? Darauf wird unS Herr Deutsch lange die Antwort schuldig bleiben! Apropos fällt mir ein, daß sich Herr Deutsch doch ausgezeichnet und zwar durch eine Denkschrift an den k. k. österreichischen Consul zu Jerusalem gegen die wohlthätige Schulstiftung der Frau Elise von Hcrz-Lämel in Jerusalem durch Dr. L. A. Frankel. Wer Herrn Hofwechsler und seinen religiösen Eifer für das Wohl der jüdischen Jugend kennen lernen will, der lese dieses Aktenstück, welches Herr Hirsch in Jeschurun No. XII. 2. Jahrgang gegeben hat. — Frankreich. Straßburg, im Februar. (Privatmitth.) Hier bereitet sich ein Prozeß vor, vielleicht einzig in seiner Art und von allgemeinstem Interesse. Unsere Leser werden sich aus No. 1. d. Ztg. erinnern, daß vor Kurzem ein gewisser B a q u o l starb, der erst kurz vor seinem Tode bekannte, daß er getauft sei, wohingegen seine Kinder, wie seine vor Kurzem verstorbene Frau nicht getauft sei, und daß man im Hospital gleich nach seinem Verscheiden die kleinen Kinder protestantisch taufte; daß der Advocat Honel sich aber der Kinder annahm, die Taufe als ungültig erwies und als Vormund die Kinder in jüdischen Erziehanstalten unterbrachte, wozu eine Collecte eröffnet ward. Jetzt hat man von protestantischer Seite dem Herrn Honet einen Prozeß angestrengt, um ihn zu zwingen, die Kinder protestantisch erziehen zu lassen. Cremieur wird Herrn Honet in der Vertheidigung unterstützen. Sicher giebt dieser Prozeß eine caiis« c^lebre in Sachen der Gewissensfreiheit ab, und wir werden Ihnen über den Fortgang berichten. Die Schweiz. Aus dem Aargau, im Februar. (Privatmitth.) Schon oft haben wir in Ihrem verehrlichen Blatte aus Norddeuischland Schilderungen über die Uebelstände im dortigen israelitischen Schulwesen gelesen. Der Refrain dieser Klagen ist gewöhnlich: definitive Anstellung der Lehrer! Hierin sehen unsere dortigen College» das radikale Heilmittel für ihre Beschwerden'. Auch wir sehen in dieser gewiß nur allzu gerechten Forderung eine conditio sine gus non zu gedeihlichem Aufblühen des Schulwesens. — Es drängt sich uns hierbei der Gedanke an das Allmendenwesen auf, das früher in dem Haushalte der Dorfgemeinden herrschte, wo alljährlich daS Gemeindegut — die Allmend — mit seinen Parzellen neuerdings vertheilt wurde und in Folge dessen ein Stück Land gar oft- und sogar jedes Jahr, seinen Meister wechselte. Vernünftige Staatsökonomen und Landwirthe sahen die Nachtheile dieses Verfahrens ein, und merkten wobl, daß bei einer guten Wirthschaft diesem Unwesen ein Ende gemacht werden muß, weil gerade die fleißigsten und intelligentesten Arbeiter keine Lust zeigten, ein Stück Land mit Sorgfalt zu bauen und zu pflegen, das sie im folgenden Jahre in den Händen eines Andern zu sehen befürchten mußten. — Die gleiche Bewandtniß hat es mit der Pflege der Schule. Wie sollte die gedeihen, wenn sie so oft ihren Meister oder Leiter wechselt. Kaum hat sich einer mit der Individualität der Kinder und den Verhältnissen der Schule vertraut gemacht, so wird er durch Umstände genöthigt, das nun ihm bekannt gewordene Terrain zu verlassen, um wieder ein anderes zu untersuchen und zu bebauen. Keiner wird wohl behaupten, daß es ein unbescheidener Wunsch sei, wenn ein Lehrer nach einem steten Bleiben sich sehnt, damit er sein Gärtchen auf eine längere Dauer zu bebauen im Stande ist und mit dem Erzvater Jakob ausruft: nwsn ■>n» hnrab Allein auch da, wo die definitive Anstellung der Lehrer normal geworden, wie z. B. in Württemberg, Baden, Oesterreich, Schweiz rc. ist mit dem Schulwesen noch nicht Alles im Reinen und hat auch da der Lehrerstand mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Ein gewissenhafter Lehrer wird seine volle Kraft der Schule widmen wollen, seine volle Kraft nicht nur in, sondern auch außer der Schule dem Unterrichte zuwenden. Er sollte die Arbeiten seiner Schüler auch außerhalb der Schule corrigiren, sich für die Lectionen vorbereiten. Wie kann er aber das, wenn er Familienvater ist, und seine Besoldung nicht hinreicht zu der Erhaltung seiner Familie und er darum froh sein muß, wenn er durch Nebenverdienste sein kleines Einkommen vergrößern kann. Wo soll er dann noch Zeit hernehmen für seine Weiterbildung, die ihm so nothwendig ist, wenn er nicht ver-

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