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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-03-09 · Heft 11 (9.3.1857) · p. Seite 144

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 11 (9.3.1857)
Date
1857-03-09
Page
Seite 144 (sequence 8)
Language
German
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144 Herr Peter Lippmann, geboren den 6. naa (December) 1789, von allgemein geachteter Abstammung, hat, nachdem er sein früher nicht unbedeutendes Bermögen eingcbüßt, in beschränkten Verhältnissen gelebt. Ein Antiquarladen schaffte ihm und seiner Familie die bescheidenen Eristenzmittel. Wer möchte nun glauben, daß diesem schlichten Manne ein seit vielen Jahren hier nicht gesehener Trauerzug von Tausenden folgte, daß Reich und Arm, Männer der verschiedensten religiösen Gesinnung, deS verschiedensten Standes es als heilige, unabweisbare Pflicht ansahen, ihm die letzte Ehre noch zu erweisen? Wahrlich, unsere Weisen haben Recht, wenn sie ausrufen: virrn nt« naau öipatt Nb, um gute Werke zu stiften und der Welt zu nützen, bedarf es wahrlich keiner Heine'schen, keiner Fränkel'schen Reichthümer, wer einen reichen Hcrzensschatz besitzt, kann mit geringen Mitteln nicht minder Großes und Ersprießliches leisten. Die Lebensgeschichte dieses in seiner Art merkwürdigen und seltenen Mannes ist wohl reich zu nennen in Bezug aus die großen Erfolge seines edclmüthigen Strebens, arm und kurz indeß, wenn man die Mittel und Wege, die zu diesen Resultaten führten, Nachweisen und darüber referiren soll. Der Verblichene war Philanthrop im edelsten Sinne des Wortes, ein Vater der Wittwen und Waisen, ein helfender Freund für Alle, die seiner Hülfe bedurften, der treue Beschützer jedes redlichen StrebenS. Das Vertrauen seiner Mitbürger hat diesen Mann in seltener Weise geehrt, und sein Wort, das freilich nur der Ausfluß der edelsten Gesinnung war, hat den mächtigsten Einfluß auf die Herzen Aller ausgeübt. So war es ihm gelungen, Mitbegründer des hiesigen Waisenhauses zu werden. Dasselbe hat gering begonnen; unter dein 2vjährigcn Directorate des Verstorbenen ist es indeß zu einer achtunggebietenden Stellung gelangt. Die Umsicht des Verstorbenen, sein rastloser Eifer, seine mit Hintansetzung der eigenen Interessen ihm gewidmete Hingebung, seine unermüdliche Ueberwachung dieses ihm ins Herz gewachsenen Instituts haben dasselbe zu seinem gegenwärtigen Höhepunkt emporgebracht. Die Verdienste, die der Verewigte um diese Anstalt allein sich erworben, sind groß genüge ihm die Unsterblichkeit in unserer Mitte zu sichern, und so lange es hier Wittwen und Waisen geben wird, wird der Name dieses Mannes gesegnet bleiben. Wie sehr diese Verdienste anerkannt wurden, zeigte sich ganz besonders im letzten Herbst, als der Verewigte seine goldene Hochzeit feierte. Es war dieser Tag für die ganze Gemeinde ein Fest- und Frcudentag. Deputationen von den einzelnen hiesigen Gemeinden und Vereinen, so wie die achtbarsten Männer beeiferten sich, dem verehrten Paare ihre Huldigung darzubringen, und von Seiten deS VerwaltungsratheS des Waisenhauses wurde an diesem Tage das Brustbild seines verehrten ersten Directors der Anstalt zugewiesen. Dasselbe soll zur ewigen Erinnerung an diesen Wohlthäter neben dem des Baron Kottwitz, des eigentlichen Gründers der Anstalt, den großen Saal schmücken, und wird es erst jetzt, wie der einfache und bescheidene Sinn des Seligen eS wünschte, enthüllt werden. Von den andern wohlthätigen Vereinen, deren Begründer und beständiger Direktor er war, nennen wir nur noch: den Wittwenverein, Töchterverein, Erziehungsverein armer Kinder. So hat die Macht seines edlen Herzens eine gewisse, nur heilbringende Herrschaft auf dem gesegneten Boden der Barmherzigkeit und Menschenliebe erlangt, und man hat seit Jahren sich daran gewöhnt, mit den beiden Worten „Peter Lippmann" sofort die Begriffe des Wohlthuns und der Humanität zu verbinden. In der Weise hat der vortreffliche Mann nach außen hin gewirkt. Selbstverständlich kann sein Wirken und Walten im Hause nur ein vollkommen musterhaftes gewesen sein. Hatte man die Schwelle dieses Hauses betreten, so fühlte man sich sogleich von einer gewissen milden Luft des Friedens und der Gottesfurcht angeweht. Vor 14 Jahren hatte das harte Geschick ihm den einzigen Sohn, den als Arzt und Mensch gleich ausgezeichneten vr. Nathan Lippmann, entrissen, und noch heute erzählt man sich von der seltenen, an unsere großen Altvordern erinnernden Ruhe und Ergebung, die dieser Mann und seine Familie bei diesem harten Schlage kund gethan. Der allgütige Gott tröste die des Verewigten in vollem Maße würdige, greise Wittwe, die ihre Abstammung nicht verläugnenden Töchter und die achtbaren Geschwister. Der Verlust, den sie erlitten, ist freilich unersetzlich; doch wohl ihnen — daß ihnen der Verstorbene in so schönem und gesegnetem Andenken lebt. vr. Deuts ch.

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