Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 11 (9.3.1857)
- Date
- 1857-03-09
- Page
- Seite 142 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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142 daß die Intoleranz nicht allein eine Gottlosigkeit, sondern eine Gefahr ist. Die Pflicht der Philosophen ist, heute die letzten Anhänger der Intoleranz aufzuklären, morgen zu vertheirigen. — Ein umfangreicher Anhang bringt noch eine große Zahl höchst wichtiger Documente. Diese Darstellung des Inhalts macht jedes weitere Wort der Beurtheilung überflüssig, und fügen wir nur hinzu, daß das Ganze von einem so warmen Geiste der Gottgläubigkeit und Menschenliebe durchweht und in so liebenswürdiger Sprache abgefaßt ist, daß diese Schrift zu gleicher Zeit belehrt, erwärmt und erhebt. Literarischer Wochenbericht. Phönizische Studien. Von vr. M. A. Levy. Erstes Heft. Breslau 185 6. Wir können es als bekannt voraussetzen, daß durch die Auffindung des Sarkophages des Sivonischen Königs Asmanasar mit einer größeren und kleineren Inschrift, insbesondere über das phönizische Alphabet ein helleres Licht verbreitet worden. Jene Inschrift hat daher Bearbeitungen von sieben Gelehrten erfahre», zu denen in der neuesten Zeit die vorliegende Schrift des vr. Levy, eine Abhandlung von Munk und eine von Schlottmann gekommen. Herr Levy giebt uns eine genaue Abschrift der Inschrift nach de Luhnes, eine Uebersetzung und ausführliche Erklärung, in welcher er allerdings vielfach von seinen Vorgängern abweicht, seine Annahmen jedoch mit vielem Scharfsinn und tüchtiger Sprachkenntniß unterstützt. Eben so verschieden ist seine Angabe über das Zeitalter der Inschrift, welche er nicht früher als in das Jahr 335, also wenige Jahre vor der Besetzung Sidons durch Alerander den Großen setzt. Wir haben in Nr. 6. d. Z. über eine Abhandlung des Prof. Wuttke über den Ursprung des phönizisch-hebräischen Alphabets berichtet, vr. Levh konnte diese noch nicht vor Augen haben, aber wichtig ist es, daß Beide in der Verwerfung der hergebrachten Meinung, daß dieses Alphabet aus Bildern entstanden sei, übereinstimmen, vr. Levy macht auch auf den Aramäismus aufmerksam, der in dieser Inschrift bereits in das Phönizische sich eingedrungen zeigt, so wie er im späteren Hebräisch sich geltend gemacht. Der Verfasser fügt auch eine Umschreibung der sivonischen Inschrift in hebräischer Schrift, so wie das phönizische taltsemitische) Alphabet organisch geordnet hinzu. Der Verfasser hat durch diese Arbeit seine aus diesem Gebiete bereits erworbenen Verdienste um ein Ansehnliches vermehrt. —. Von Herrn Oberrabbiner Bodenheimer ist baldigst in der Weise seines „Haasinu“ das 33. Cap. des 5. B. Mos. zu erwarten. — —. Herr Eman uel Hecht wird eine Zeitschrift für jüdisches Schulwesen in Monatsheften herausgeben. Zeitungsnachrichten. Preußen. Schneidemühl, im Februar. (Privatmitth.) Die hiesige Gemeinde ist leider in den Jahren 1847 bis 1852 der Schauplatz tumultuarischer, leidenschaftlicher Parteikämpfe gewesen. Ich will hier nicht auf die genetische Entwicklung jener Zustände eingehen, will keine Anklage erheben gegen unheimliche Mächte des finstern Fanatismus, oder gegen Uebergriffe ritterlicher Aufklärungstheorie». Es sind zur Zeit traurige und erbauliche Berichte genug über diese Ereignisse in öffentlichen Blättern dagewesen, und es sieht die Gegenwart mit scheuem, wehmüthigem Blicke auf diese unheimliche Zeit hin, wünschend, sie in das Grab der Vergessenheit zu versenken. Aber erfreulich, höchst erfreulich ist es, berichten zu können, daß auf vulkanisch durchwühltem Boden die schönste gedeihliche Flur sich gestaltet. Es raffle sich nämlich der Kern der Gemeinde zusammen, streifte die verblendende Parteileidenschaftlichkeit von sich und faßte mit voller Besonnenheit den kühnen Entschluß, materielle Opfer nicht zu scheuen, und einen radicalen Wechsel in die Leitung der geistlichen Functionen der Gemeinde eintreten zu lassen. Durch jene Opfer wurde den Forderungen der Humanität in Betreff der zurückgetretenen Personen völlig genügt. Die Gemeinde hat einen baldigen allgemein befriedigenden Aufschwung erlangt, der ihr vollen Ersatz gewährt für die Tage des schweren Kampfes. — Seit dem Jahre 1853, in welchem zu Ostern d. I. der Amtsantritt des nun fungirenden Rabbiners Brann geschehen, befindet sich die Gemeinde in der schönsten gedeihlichen Entwickelung und verdient in allen ihren Einrichtungen sehr vielen Gemeinden unserer Provinz als Muster vorgeführt zu werden. Der Gottesdienst ist aufs Beste geordnet. Ruhe und feierliche Andacht walten vor. Ein gut einge-