Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 10 (2.3.1857)
- Date
- 1857-03-02
- Page
- Seite 131 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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131 zu geben! Diese Art und Weise deö Auftretens beweist vielmehr , daß der Vorstand' nicht einmal so weit die Judenheit kennt, daß er wüßte, daß Drohungen bei den Juden niemals zu dem erwünschten Ziele geführt haben. . Schreiber dieses gehört einer Gemeinde an, die zu dem vielgenannten Zwecke beigesteuert, außerdem selbstständig für die „Nationalstiftung" nicht unbedeutende Opfer dargebracht; er weiß aber auch, daß es viele Gemeinden giebt, die genug zu thun haben, die dringend nöthigen Ausgaben für Schule und Gotteshaus zu bestreiten, und es. wäre wahrlich mehr als unwürdig, solche Gemeinden als unpatriotisch zu denunciren. Indessen ist die patriotische Opferwilligkeit der Juden Preußens auch vdn unseren hohen und höchsten Behörden vielseitig anerkannt und wir können demnach die Drohung des Vorstandes wohl ohne Furcht entgegennehmcn. L. Wir müssen auch unsrerseits entschieden gegen dieses Verfahren protestiren, und werden genau darauf achten. Zuerst, warum sollen die preußischen Juden eine besondere Stiftung machen für ein Fest, welches für alle Preußen höchst erfreulich war? heißt dieS nicht die Absonderung mit den Haaren herbeiziehen? Zweitens, sollen die Juden sofort, wenn irgend Einer die Idee ausspricht, danach greisen, und dieS der Maßstab ihrer Gesinnung werden?! Die Redaction. OesterreLchLscher Kaiserstaat. Prag,*) im Februar. (Privatmitth.) Wenn unsere Großväter und Urgroßväter am 25. Januar d. I. im Vereinsaale unserer Chewra kadischa, in der sogenannten „Kabrominstube" erschienen wären, sie würden sehr verwundert gewesen sein. Gemäß §. 20. der Statuten der hiesigen Beerdigungsbrüderschaft ist sny 133129 riS eines jeden Jahres ein Buß- und Fasttag für die neu Beitretenden und Graduirten deö Vereins; jedes Mitglied hat entweder den Bußtag zu halten oder ein beliebiges Lösegeld zu entrichten, welches an andere zum Fasten bestimmte Mitglieder im Vereinssaale nach der daselbst abgehaltenen Büßpredigt vertheilt wird. Auf Anordnung deö Vorstandes des Vereins wurde im heurigen Jahre unser jedes Mal *) Zufällig verspätet. gern gehörte Prediger Herr vr. Kämpf mit der Abhaltung der Büßpredigt betraut. Eine ungewöhnliche Zahl von Zuhörern — mitunter Zuhörer, die sich noch nicht mit der Abhaltung einer deutschen Predigt und mit der allgemeinen Einführung des ChorgesangeS befreunden können — füllte den VereinSsaal in allen Räumen und lauschte mit sich immer steigernder Theilnahme des von Herrn vr. Kämpf gesprochenen Wortes. Eine volle Stunde währte die Derascha, welche Herr vr. Kämpf mit einer sehr gut abgefaßten hebräischen Ansprache eröffnete, in welcher er eine Fülle ralmudischen Wissens und seinen pilpulistischen Scharfsinn in hervorragender Weise zu erkennen gab — und daß diese Derascha in reiner deutscher Sprache und mit gewählten Ausdrücken gesprochen wurde — das war's, was das Ungewöhnliche derselben bildete, wodurch sich aber auch alle Anwesenden gehoben fühlten, und die scharfsinnige Weise, in welcher Herr Dr. Kämpf die Nothwendigkeit talmudischen Wissens, die davon abhängende wahre religiöse Pflichterfüllung hinstellte, war längere Zeit daö Tagesgespräch der anwesenden Zuhörer. Nach einem so erfreulichen Eingangsberichte schmerzt es uns, auf einen Gegenstand zu kommen, der manchen Leser unserer Gemeinde unangenehm berühren dürfte; allein die Wahrheit mitzutheilen, Mängel zu enthüllen und ihnen — wo möglich Abhülse zu schaffen — nicht aber sie mit Schönpflästerchen zu belegen, ist die Pflicht eines ehrlichen Correspondenten. Die hier bestehende „Armencommission" hat die schöne Aufgabe, am Peßachfeste sämmtliche israelitische Soldaten, Polizeimänner und Gensd'armcn, bann arme Studenten und Zugereiste genügend mit Speisen zu versehen. Dies geschieht auch, wird aber keinesfalls in einer solchen Weise geschehen, daß eS gegenüber sowohl dem die Auslagen bestreitenden FondS als auch den die Verspeisung besorgenden Personen gut geheißen und unparteiisch genannt werden könnte. Um aber dennoch den Anstrich des Unparteiischen zu gewinnen, wurde einige Tage vor dem 1. Februar l. I. angekündigt, daß die Verspeisung im Offertwege an den bis zum genannten Tage Mindestbietenden hintan gegeben werden wird. Viele jüdische Restaurants enthoben sich selbst des Anbotes, da sie voraus wußten, ein gewisser R. N. werde die Ausspeisung sämmtlicher Individuen übernehmen — welche bis vor gar nicht langer Zeit von mehreren jüdischen Garküchlern besorgt 10