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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-03-02 · Heft 10 (2.3.1857) · p. Seite 127

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 10 (2.3.1857)
Date
1857-03-02
Page
Seite 127 (sequence 5)
Language
German
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theile die JubM'Matrkkel noch fort. Geffehfti'Wir es abech daß hiertiN meistens eine starke, einflußreiche Partei schuld ist! Da man einmal' in Bayern dem'Juden die'Advocatur ein räumt, jüdische Äerzte in ganz christlichen Gegenden, wo gar keine Israeliten wohnen, anstellt, da man wiederholt daS höchste politische Recht der Volksvertretung uns zuerkannte, das wir auchactiv und passiv üben, und uns befähigt hat, alS Geschworne beim Assiscnhof zu fungiren, so kann es nicht mehr fern sein, daß auch dieses tiefeingreifende, das Naturrecht höhnende'Matrikelschranke niedergeriffen wird. Möge eS aber nur nicht „zu spät" sein. ES ist eine traurige Wahrheit, daß in den drei fränkischen Provinzen angehende Gemeinden durch Auswanderung so herabgekommen sind, daß kaum mehr als noch eidige Trümmer vorhanden sind, die nach mehreren Jahren ebenfalls verschwunden sein werden. Auch sonst große und nobele Gemeinden schrumpfen immer mehr zusammen, weil die reicheren und größeren Geschäftsleute in Städte übersiedeln, wo sie durch die eisernen und Telegraphenwege mehr Bequemlichkeit in Handel und Verkehr haben; obschon ihrer dortigen Aufnahme mehrfache Hindernisse im Wege stehen, so begründen sie doch durch die Humanität der Behörden auch in der Stadt bald ihr Heimathsrecht. Die Jsraelitengemeinde Fürth ist durch solchen Zuwachs großartig herangewachsen und noch jetzt in immerwährendem Zunehmen begriffen. So wohnen jetzt in Nürnberg 30 israelitische Familien, während noch vor einem Decennium die dortige Aufnahme einer israelitischen Familie etwas Unmögliches gewesen wäre. Es ist übrigens ein Beweis, wie sehr die bayerische Regierung für däS Seelenheil ihrer Angehörigen sorgt, daß sie den Israeliten Nürnbergs den Auftrag gab, sich zu Mer" israelitischen Cultusgemeinde zu cönstituiren und die nothwendigen religiösen Institute ins Leben zu rufen. In Folge dessen hat Nürnberg für die israelitische Religionsschule bereits einen Lehrer angestellt und sich an das Rabbinat Fürth angeschlossen. —; Von unserm Synagogen- und Schulwesen giebt eS wenig ReueS zu sagen. Alles soll oder will eben konservativ, d. i. staatsrechtgläubig sein. niiDrtVrtfj lan) rixi, es giebt eine Zeit zu schweigest, und eine Zeit zu reden. Auch zweckmäßige Reformen wollen ihre Zeit haben. — Unsere Regierung" fährt indessen fort, auch die israelitischen öffentlichen resp. die deutschen Wmentarschuken und ihre Lehrer gleich hen christlichen moralisch und pecüniär zu unterstützen: Nur ist eS zu bedauern, daß sie nicht üüch gegen die Religionslehrer denselben guten Willen hat. Der Mangel an israelitischen Lehramtscandidaten wird auch bei uns immer fühlbarer, Viele ReligionSlrhrerstellen auf dem Lande bleiben deshalb unbesetzt, und nur dieses ist die Ursache, warum jetzt auch ein^na manchmal zum Lehrer „avancirt". — ' Ein seltenes, aber schönes Factum will ich ihren werthen Lesern noch mittheilen. Der auch in diesen Blättern schon rühmlich genannte Herr Districtsrabbiner H. Selz von Mkt. Uehlfeld feierte am letzten fein 25jähriges Dienstjubiläum. In Anerkennung dessen biederen und edlen Charakters und gewissenhaftester Pünktlichkeit in Erfüllung der vielen Amtspflichten empfing der geachtete Jubilar an gemel-, detem Tage von seinen acht Religionsgemeinden ergebenste Dankadressen und Glückwünsche, in Begleitung sehr werthvoller silberner und goldener Geschenke. Auch die sämmtlichen dortigen Lehrer waren herbeigekommen, ihrem ReligionSvorstande und Freunde ihre Verehrung und Gratulation zu bezeugen. Wo solche Harmonien tönen auS religiöser Sympathie, da kann auch der Segen deö Herrn nicht auöbleiben.— Was der gute Wille und die sanften Belehrungen eines Rabbiners ausrichten können, das beweiset Herr Districtsrabbiner Lebrecht von Riederwein. In vielen seiner Landgemeinden sind die neuesten Erzeugnisse des israelitischen Literaturvereins durch seine Empfehlung aus Gemeindemitteln angefchafft; eben so werden auch die Zeitung und daS jüdische Volksblatt in den dortigen niian fleißig gelesen. Das find wahrlich geeignete Mittel zur Beförderung religiösen Bedürfnisses und frommer guter Sitten. Fr. Worms, im Februar. (Privatmitth.) Von Lewysohn befindet sich unter der Presse: vnb, zwei Predigten, gehalten in der neuerbauten Synagoge zu Bechtheim. — Wie seiner Zeit von hier aus' mitgetheilt würde, erhielt der Buchhändler Hermann-Joseph Baev in Frankfurt a. M. vom verstorbenen Kaiser von Rußland die goldene Verdienstmedaille am Bande des St. Annenordens; nunmehr hat auch fein Brüder, Herr Leopold Joseph Baer, Commissionär der kaiserlichen Bibliothek zu Petersburg, vom jetzigen Kaiser auf den Vorschlag deö Di-

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