Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 10 (2.3.1857)
- Date
- 1857-03-02
- Page
- Seite 126 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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136 fett der Lösung einer solchen hochwichtigen Aufgabe gewachsen find. — Peter der Große, der an Augenkrankheit nicht litt, und der die Wohlthat deS Lichtes, welche er im Ausland« genossen, auch seinen Unterthanen zukommtn lassen wollte; er berief deshalb große und geschickte Meister auS dem Auslande, welche die Geistesfehler der Russen zerbrechen sollten, oder er schickte begabte Jünglinge nach dem Auslande. Der weiland verstorbene Uwaroff, dem die jüdische Volksbildung Ernst war, betrachtete die Berufung jüdischer Gelehrten auS dem Auslande als Verpflanzer des edelsten Samens aus jüdischem Boden, wie auch die Aussendung mancher hochbegabten Jünglinge nach dem Auslande, um ihre Ausbildung fortzusetzen, als unerläßliche Bevingung. Aber dieser Plan fand nicht die gewünschte Genehmigung. Unwissende, Nngeschulte wurden bald mit dem heiligen Namen Lehrer betitelt, und diese sollen der Jugend Unterricht ertheilen! Die profanen Gegenstände werden bei uns von christlichen Lehrern vorgetragen, denen die jüdische Wissenschaft kaum dem Namen nach bekannt ist. Keine größere Bekanntschaft mit den Wissenschaften haben die jüdischen Lehrer ihrerseits, und wenn es auch hie und da einen wissenschaftlich gebildeten Lehrer giebt, so ist er ein Autodidakt, verstehet die Landessprache selten, und verstehet also nicht sich mitzutheilen. Demnach verstehen die meisten jüdischen Lehrer nicht das Heilige mit dem Profane» in Einklang zu bringen, und statt das Letztere zu heiligen, profanirr man das Erstere. Der Zögling gewöhnt sich bald an den systematischen Vortrag der christlichen Lehrer und mit tiefem Widerwillen muß er das Kauderwelsch des jüdischen Lehrers anhören. Er verachtet die Lehre, weil er den Lehrer nicht achten kann, und so liefern die Schulen statt religiöse Menschen, statt eifrige Verfechter des jüdischen Glaubens nur Feinde, die ihre Waffen gegen ihre Erzieher gebrauchen. Ein wahres Opfer dieser Lehranstalten wird der Jüngling, der das Unglück hatte, sich dem Rabbinerstudium zu widmen. Dieser hat einen Riesenkampf zu kämpfen. Es ist ganz natürlich, daß die jüdischen Gemeinden sich an den studirten Rabbiner, selbst wenn die Regierung einen solchen aufdringen wird, in religiösen Dingen nicht wenden werden. Es ist also eine Sisyphusarbeit, den Talmud und sein ganzes Zubehör in demjenigen Umfange durchzumachen, wie ihn die Rabbinen bis jetzo betrieben haben, die aber von Kindesbeinen an mit dem Talmud und ausschließlich mit ihm sich beschäftigen. Der jüdische Lehrer «her will ihn durchaus zum Talmudisten in seinem Sinne machen; und wiederum der christliche Lehrer bestrebt sich, den Zögling auf fein« Weise zu beschäftigen.' — So liegt diese große Angelegenheit, und es giebt noch heute keine anderen Mittel: als die von Uwaroff angegebenen, Und sollte die hohe Regierung an der Berufung fremder Lehrer Anstoß nehmen, so mag fie wenigstens das Opfer bringen- und jüdische Zöglinge mach dem Ausland« senden, besonders die Rabbiner, die einen großen Einfluß auf daS Volk haben sollen und daher mit einer gründlichen Bildung ausgestattet sein müssen. Zur Vervollkommnung ihrer Bildung hat die Echulcomitat bestimmt, daß die Rabbiner ein Jahr bei einem Rabbiner prakticiren sollen. Nun fragt sich, zu welchem Zweckel Beschränkt sich denn daS Rabbineramt nur auf "m "tä und was kann ihm der °>:n mehr beibringen, als was er in der Schule bereits gelernt hat oder von selbst lernen kann? Es wäre bei weitem besser gethan, wenn man das praktische Jahr bei einem deutschen Rabbiner zubrächte. Die hohe Regierung will aus ihren jüdischen Unterthanen nützliche Bürger machen, wie es die Juden in Deutschland sind. Nun gut, so muß sie die künftigen Vorsteher der Gemeinden mit ihren Vorbildern bekannt machen.— r Zeitungsnachrichten. Deutschland. Uehlfeld, 1. Februar. (Privatmitth.) Seitdem die erceptionell processualischen Ausnahmsgesetze aufgehoben und durch eine neue Interpretation des famosen JudenedicteS von 1813 uns neue Erwerbsquellen zugänglich geworden find, haben sich auch die materiellen Verhältnisse der bayerischen Israeliten im Allgemeinen wesentlich gebessert, und nur zum Nutzen und Frommen des Staates. Die junge Generation sucht durch Grundbefitzungen, ein solides Geschäft oder durch ausgedehnten Produktenhandel oder ein industrielles Etablissement sich eine Existenz zu gründen und durch Fleiß und Unverdroffenheit bringt sie es in der That zu Etwas. In Unterfranken, wo vorzügliche Bodengüte vorhanden ist, wird von Israeliten viel Ackerbau betrieben; eS giebt dort ganze jüdische Gemeinden, die nur von ihren selbst bearbeiteten Gütern und Ackerfeldern leben. Trotzdem- Aber besteht als ein trauriges Denkmal gehässiger-Bovur-