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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-03-02 · Heft 10 (2.3.1857) · p. Seite 125

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 10 (2.3.1857)
Date
1857-03-02
Page
Seite 125 (sequence 3)
Language
German
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*35 Beim ßefen IHM geschätzten PlntteS fällt .«-.-nicht wenig auf, die gegenwärtigen inneren Verhältnisse ch« russischen Juden, toi denen doch zur Hebung ihres geistigen und bürgerlichen Lebens schon so Vieles geschieht, ein geräumiges Feld der Thätigkeit nach allen Richtungen hin sich aümählig eröffnet, so wenig besprochen und der Oeffentiichkert übergeben zu sehen. So namentlich werden bei der Erwähnung der eristirendm Rabbinerschul«» die beiden desfaüstgen Institute, die seit einem Decennsum in Wilnaund Zitomir gegründet, die so viele junge gebildete Leute geliefert, und so viele Koryphäen-der jüdischen Literatur zu ihren Lehrern zählen, gänzlich ignorirt. Nicht minder ist es befremdend, daß einer beträchtlichen Anzahl vorhandener Elementar- und Kreisschvlen, in denen viele Hunderte Schüler den Elementarunterricht genießen, di« so viel Ersprießliches leisten, -und in die untersten Schichten des Volkes Licht und Aufklärung verbreite«, von Niemanden Erwähnung gesthiehti Meines Erachtens wäre eS die Obliegenheit eines jeglichen Sachkundigen, dem das Wohl seines Volkes »m Herzen liegt, Ihren Lesern über einen so wichtigen undinteressantm Punkt Aufschluß zu geben, weil die Folgen eines solche« Verfahrens unbestreitbar die heilsamsten sein würden. Wenn eS einerseits nicht zu läugnen ist, daß alles bei unS Geschehene, im Vergleich zu dem unS vorschwebeyden Vorbilde unserer deutschen Glaubensgenossen, nur als die erste anbrechende Dämmerung eines hellen Tages zu betrachten sei, so wird doch ein jeder Wahrheitsliebende bei näherer Betrachtung der Sachlage und int Vergleich mit der Vergangenheit gestehen müssen, daß wir Ursache haben, mit der Gegenwart in vieler Hinficht zufrieden zu sein, und aus ihr die trostreiche Hoffnungeiner bessern Zukunft zu schöpfen. — Der Keim M Aufklärung und bessern Tendenz ist gelegt! Eine bessere Auffassung des Zeitgeistes und seiner Erfordernisse vom gebildeten Theile der Nation, vorzüglich von der Heranwachsenden Generation, wird diesen Keim im Laufe der Zeit Kur schönen Reife bringen. — Mit dankbarer Anerkennung gegen die um unser wahres Wohl väterlich besorgt« hohe Regierung darf eS nicht in Abrede gestellt werden, daß unzählig« Familien die Organisation der Schulen, uzit freudigem Jubel begrüßt, und .stets bemüht stnd, durch eifriges Entgegenkommen aller zeitgemäßen Einrichtungen unserer hohen Regierung stch würdig zu zeigen. -7- Erlaube« Sie mir, eine Thgtsache sprechen zu lasse«: 3m Gouvernement Wolhynienallein giebt's 1 v Elem«Mp-j l Kreis- und l Rabhinerfchule — (letztere in den ersten 7 Elasten «in Seminar zur Ausbildung künftiger Lehrer enthaltend, und circa 300 Schüler zählend), «r denenejnige dreißig! Lehrer thätig wirksam find. Ein Blick Ms: das. Programm der in diesen Schulen vorgrtragenen Gegenstände könnte einen genügenden Begriff von ihrem Wirkungskreise geben. In den Elementarschulen, deren jede zweiclasstg ist, wird nmn und ö-onain EPtr:i3 mit Mendelsohn'scher Uebertragung, nprnn und Yrabn ön« ■'■'fi ynab, die Gebete mit deutscher llebersetzung, rusfische und deutsche Sprache, nebst Arithmetik und Kalligraphie vorgetragen. Auch hier bleibt zwar noch Vieles zu wünschen übrig, und dem wahren Freunde seines Volkes würde der Blick in das Innere dieser Schulen manchen Seufzer aus seinem Herzen pressen, .da die Zahl der Schüler mit der jedesmaligen Bevölkerung in keinem Verhältnisse steht; auch gehören sie der Mehrzahl nach der ärmeren Elaste an, indeß die Wohlhabenderen ihre Kinder in den so berüchtigten Winkelschulen a^Yin von den unwissendsten Finsterlingen nach der alten lieben Weise unterrichten lassen; beim jetzigen energischen Eingreifen der hohen Schulbehörden in die innere Organisation dieser Unterrichtsanstaltenund bei ihrem heilsamen Streben, die Frequenz derselben auch auf die Neichen auszudehnen, steht zu erwarten, daß im Laufe der Zeit ihre Sphäre von weiterem Umfange, und ihre Wirksamkeit von segensreicher» Folgen gekrönt sein werden. — - :—., Ganz verschieden lautet ein anderer Bericht, der uns über Brody zugekoinmen, und aus welchem wir nur die Hauptstellen mittheilen können. Nach langer düstrer Geistesnacht ging in unserm Vaterlande auch für uns Juden ei» Dämmerlicht aus. Es wurden Schulen eröffnet, wo die jüdische Jugend den Wissenschaften obsiegen könnte, ohne die fleißigen Talmudstudien, bisher der einzige Gegenstand jüdischer Cultur in Rußland, einstellen zu dürfen , wie es mit den jüdischen Kindern, welche die Gymnasien besuchen, der Fall ist. Die Aufgabe dieser wohlthätigen Anstalten besteht also darin, Jugend- und Vvlkslehrer zu bilden, welche die Jugend und das Volk aus ihrem astatischen, Geist und Körper verkrüppelnden Zustande herausführen, sie mit dem Leben der gebildeten Völker Europas, mit ihren Sitten und Gebräuchen, mit ihren Entdeckungen, Erfin? düngen, Künsten und Wissenschaften, und sie selbst mit ihrem eigenen Leben, mit dem Geiste ihrer eigenen Religion, mit den ewigen Wahrheiten und Lehren derselben bekannt machen sollen. -— Welch' schöne Aufgabe! welche hohe Bestimmung! Sehen wir aber zu, ob unsere Schu- 10*

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