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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-03-02 · Heft 10 (2.3.1857) · p. Seite 124

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 10 (2.3.1857)
Date
1857-03-02
Page
Seite 124 (sequence 2)
Language
German
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und daß ohne die Gewissensfreiheit auch die anderen Freiheiten nicht bestehen köyZen. Bei seinen Worischew Wir^ ^alten^biefee Werlk für >ine sehr bedeutende Erscheirnmg,' und muffen daher in der nächsten Nummer in einem besonderen Artikel darauf zurückkommen. Wie fahl un^ nichtssagend muß uns diesem gegenüber das Folgende erscheinen. Der Abg. Wagen er kann die Schlappe, die er im vorigen Jahre davon getragen, noch nicht verwinden, und da. er flch< überall akPwieftrr steht, so hat er sich ein Buch darüber schreiben lassen, das er nun mit einem Vorwort herausgegeben. Es ist betitelt: „Das Judenthum und der Staatt Eine hi- ' storisch-^politische Skizze zur Orientirung über die Judenftage. Herausgegeben rmd mitm einem Vorworte vetfehen von Hermann Wagener. Berlin 4857." — Trotzdem wir in allen hiesigen Buchhandlungen Nachfragen, konnten wir keines Eremplars bis jetzt habhaft werden, und müssen uns daher heute mit der Recenston in der Kreuzzeitun'g, Beilage zu Nr. 43. begnügen. Diese Recenston ist zugleich die beste Kritik der Schrift, da selbst die Kreuzzeitung kaum ein Wort des Lobes für das Buch ihres Gründers und Freundes hat. Nach dieser Kritik enthält jene Schrift eine historische Skizze über Synagoge, Talmud , jüdische ReligionsphilosophiL. und jüdische Reform. Daß es hier an gehässiger Auffassung der rabbinischen Satzungen nicht fehlt,'daß diesen Satzungen die Absonderung der Juden zugeschrieben wird, kann man sich denken. Freilich wird' ein Wagener der zum Theil kindischen Consequenzmacherei der Rabbinen gegenüber nicht aufführen, daß die christlichen Kaiser es waren, welche die Juden aus der Gesellschaft hinausstießen, daß die christlichen Gesetzgebungen den Juden Grundbesitz, Ackerbau, Handwerk und Gewerbe versagten, daß die christlichen Machthaber die Juden in die Ghetti's stießen, und sie von Wissenschaft und Kunst fern hielten. Wer sieht nicht ein, daß dies die eigentlichen Momente waren, welche die Juden zur Absonderung trieben und in ihr erhielten, nicht aber die Verbote, den Wein der Christen zu . trinken u. dgl. Wagener will den Juden nur die bürgerlichen Rechte, dann auch Officier- und Lehrstellen gewähren, ihm ist das Judengesetz von 1847 das richtige, nur daß den Rabbinen eine gesetzmäßige Stellung gegeben werden solle. Positiv schlägt er vor: eine Herstellung der religiösen Gerichtsbarkeit der Juden, namentlich des Bannrechtes, Gestattung der Sectenbildung Seitens der recht¬ 124 , mäßig Ercommunicirten und die Errichtung einer permanentew, rabbinis^en Commission als hbHstetzReligiyM§- hördW^eMeußischMIiÄech iWrDnGn-HnMxrn WaMK G M« unKMütz^mHsG,H gen bemerken wir nur MÄH, daß, so wichtig der Qiftgfiff WagenerS auf die Artikel 4. und 12. der Verfassung bei der gesetzgebenden Instanz war, so unbedeutend erscheint uns sePe literarische ErpeeAraWm, und wir können daher unsren Glaubensgenossen nur rathen, ihre 20 Silbergroschen für das kleine Ding von 6 Bogen zu; behalten. Die „Zeitung, für Norddeutschland" bringt einen Aufsatz : „Bürgerliche und politische Gleichstellung der Juden ckik den Christen" — der in der That verdient, eine allgemeine Verbreitung in den deutschen Blättern zu finden. 1 Mit allen Gründen der Religipn, der Humanitär der^Geschichte und Wirklichkeit, und in der. edelsten Sprache wird völlige Gleichstellung vertheidigt und die deutschen Siaaten vor den Rückschritten in dieser Beziehung verwarnt. Der Verfasser ist der Gerichtsactuar Dr. Günther in | Münden, und zwei christliche Geistliche,der Pastor; marius Habbe und hex. Pastor Schirmer erAäGn aus-! drücklich und mit ihrer Unterschrift ihre völlige Nebersi^- stimmung mit dem Herrn'vr. Günther. Man Knut die neuesten Vorgänge in den kurhesstschen Kammern. Der Generch - Superintendent Martin hat in! der ersten Kaulmer den Antrag gestellt, den Juden die po- * litischen Rechte zu nehmen und nur die bürgerlichen zu lassen. Die Majorität hat diesen Antrag angenommen.! Hiergegen ist eine Broschüre erschienen: „Zur Abwehr von einem Kurhessen israelitischer Konfession. Kassel 1857." Wirgestehen, gem, daß wir länge nichts" sv^ ^chkägrrches, und doch Ruhigesso Kerniges, undi doch Grinäßigtes gelesen haben, daß wir dem anonymem Einsender zzrrDank verpffichtet sind und den Namen des Verfassers-. zNli krn^s nen wünschen. Die kleine Broschüre von 13 Seiten, ent^ hält so Bedeutendes, Paß wir uns gedrungen fühlen, iw nächster Nummer einige Auszüge zu geben.. .; , > Das jüdische Schulwesen in Rußland. II. Wenn der vorige Bericht mehr das ehemalige Polen im Auge hatte, so wenden wir uns heute nach dem eigentlichen Rußland. Von hier find uns sehr widersprechende Referate geworden. Wir beginnen mit folgendem aus Nowogradwoliusk.

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