Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 10 (2.3.1857)
- Date
- 1857-03-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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21. Jahrgang. All g e m eine J\f 10. Ein unpartenWes Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Vr. Ludwig Philippfon in Magdeburg. Leipzig, den 2. Marz 1857. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einnial, Montag-, und wird jährlich 78 Bugen in Quart incl. des Titel-, Registeru. f. w. umfassen. In Gemäßheit de- Zwecke-, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit S Thlr. für. den Jahrgang;..--- 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Tblr. 12 gGr.f für sechs Monate — 22*'2 Ngr. (18 gGr.) für da- Vierteljahr angesetzt worden. Alle. Buchhandlungen, Postämter und Zeitung-. Expeditionen nebmen Bestellungen au; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. '' Zeitung-. Expedition allhier unterzogen. 'li. V ...-—-:-----—-:-—-:-—-----:-■---' i,:;' I n h a l t. Leitende ArEekr Neue Kundthuungen in einer alten Sache. : Das jüdische Schulwesen in Rußland. II. ZMltttgspachrichtenr Deutschland: Uehlfeld, Worms, Kaiserslautern, Fulda. Preußen: Aus der Provinz Pv- . sen, aus der Provinz Posen, aus Pommern. Oesterreichischer Käiserstaat: Prag. Frankreich: Straß- ' bürg. Am erika: Baltimore, Charleston (S. C.) Leitende Artikel. ' Magdeburg, 23. Februar. Urne Kyndthpungen in einer alten Sache. Literarischer Wochenbericht. Wiees sich bisweilen trifft, brachte gerade die verflossene Woche uns mehrere neue Streitschriften in der alttzrr Sache der Gewissensfreiheit, Erscheinungen, Venen -wir unsere Aufmerksamkeit immer von Neuem zu schenken niemals ermüden dürfen. Es ist nicht wahr, daß für die Sache der Gewissensfreiheit zu kämpfen mit der Arbeit des Sisyphus zu vergleichen sei, dessen Stein, auf den Gipfel des Hügels gebracht, immer wieder auf der anderen Seite in die Tiefe rollt. Es ist ein langsamer, aber sicherer Gang, und wir können nur sagen, daß, wenn dieser Gang bisweilen ausnahmsweise zu sehr beschleunigt worden, zeitweise Rückschritte erfahren werde. Wir werden bald Gelegenheit haben, dies einmal vom factischen Standpunkte aus zu erörtern. Don den vier hier einschlägigen Schriften, welche diese Tage brachten, ist die eine ganz allgemeiner Natur, zwei betreffen die sogenannte Judenftage, die vierte die specielle Angelegenheit der kurhessischen Israeliten. La libertä de conscience par Jules Simon, Paris 1857. Der ehemalige Professor an der Sorbonne unv Mitglied der Nationalversammlung, Herr Jules Simon — (wir bemerken gleich hier, da der Name Simon leicht eine irrige Meinung veranlassen könnte, daß Herr Simon weder Jude, noch von jüdischer Abstammung ist —) hat im December 1856 vor der literärischen Gesellschaft in Gent einige Vorlesungen über die Gewissensfreiheit gehalten, welche mit einem außerordentlichen Erfolge gekrönt waren. Allgemeiner Aufforderung zufolge hat er diese Vorlesungen, erweitert und mit einem Anhänge versehen, dem Drucke übergeben. Wir sind dem verehrten Verfasser sehr verbunden, uns eines der ersten Eremplare übersandt zu haben. Das Werk hat also dieselbe.Tendenz wie Bunsen mit seinen „Zeichen der Zeit". Es thut uns leid, bei der so von selbst gegebenen Vergleichung dem Franzosen die Palme reichen zu müssen. Bei Bunsen freilich eine Menge zum Theil geistreicher Phrasen und philosophischer Blicke mehr, bei Simon dagegen Alles concret, sichere Voraussetzungen, unerschütterliche Consequenz. Bei Bunsen etwas weit hergeholte Gelehrsamkeit mehr, bei Simon eine Menge einschlägiger Documente von der schlagendsten Beweiskraft. Herr Simon geht von den Grundsätzen aus, daß die Gewissensfreiheit eine unbedingte sein muß,