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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-02-23 · Heft 9 (23.2.1857) · p. Seite 119

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 9 (23.2.1857)
Date
1857-02-23
Page
Seite 119 (sequence 11)
Language
German
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119 Sprache zeitgemäß gründlich unterrichten könnte. — Sie sehen also, daß wir nicht erst weit ausholen müssen, um die Behauptung zu constatiren: daß gerade jene „würdigen Abkömmlinge talmudisch hochberühmter Vorfahren, die außerdem , daß sie d a S weitauSgebreitete Gebiet des Talmuds mit ihrem Scharfsinne umfassen, auf der ändern Seite auch den Anforderungen einer fortschreitenden Zeit die vollkommenste Rechnung tragen"*), daß gerade jene „von acht religiösen Gesinnungen, mit den Verhältnissen ihrer galizischen Glaubensgenossen wohlvertrauten Männer"**) eS sind, die die wahre Religiosität untergraben, und — um nur die Eristenz ihrer eigenen liebenswürdigen „Persönlichkeit, welche nicht nur in Galizien, sondern auch in Deutschland den gerechten Anspruch, unter die Celebritäten der neuen Zeit gezählt zu werden, machen dürften"***), nicht bedroht zu sehen — denn, zwischen unS gesprochen, das ist des Pudels Kern — lieber eine ganze Heranwachsende Generation, eine ganze Gemeinde, ja, einen ganzen Kreis der Verwahrlosung anheim geben. — Ein galizisch-jüdischer Cato würde daher jeden Artikel, den er im Interesse seiner Religionsgenossen für die Oeffentlichkeit schreibt, mit den Worten schließen: Ceterum censeo, das gegenwärtige galizische Rabbinatswesen 6886 delendam! — Peloni Almoni. Frankreich. Paris, im Februar. Auch in Paris bemerkt man seit einiger Zeit Symptome religiöser Unduldsamkeit, welche sehr betrübend sind. Im Quartier Saint-Martin bildete sich jüngst ein Cercle, in dessen Statuten sich der Artikel findet: jeder Israelit ist ausgeschlossen. Es ist jedoch Thatsache, daß mehrere Christen deshalb dem Cercle nicht beigetreten sind. — In Nancy bestand ein Cercle, der mehrere israelitische Notabilitäten in seinem Schoße zählt. Als der Vorsitzende gestorben, kam Spaltung in die Gesellschaft und ein Theil der Mitglieder beabsichtigte sich zu reconstruiren und keinen Israeliten wieder aufzunehmen. Einer dieser kaufte das Grundstück, reformirte den Cercle und *) Siehe No. 3. S. 34. Sp.. 2. Z. 23. v. o, **) S. ebendas. S. 35. Sp. 1. Z. 17. v. u. ***) S. ebendas. S. 34. Sp. 2, 3. 14. v. o. schloß die AuSschließendeü aus. — Der berüchtigte Biographenschreiber Eugen de Mirecourt schrieb jüngst eine Biographie Cremieur', in welcher er die gröbsten Schmähungen auf die Juden häufte. Schmähungen, wie sie kaum heftiger jemals in Deutschland über uns ausgesprochen worden. Diese Schmähungen erregten außerordentliche Sensation unter unsren Glaubensgenossen, man berieth sich und richtete an daS Central- Consistorium das Verlangen, den Libellisten vor Gericht zu ziehen. (Nach den Arch. isr. de Fr.) Amerika. Baltimore, im Februar. DaS Resultat des Suppers, welches die Gesellschaft zur Unterstützung der jüdischen Armen dahier am 10. December zum Besten der Letzter« veranstaltete, muß jeden Israeliten hiesiger Stadt mit den Gefühlen des edelsten Stolzes erfüllen. Es hatten sich nicht ganz 200 Personen eingesunden, und dennoch betrug die Collecte nicht weniger als die Summe von drei tausend Dollars. Dies heißt die Mildthätigkeit in der That in großartigem Maßstabe üben! Es war ein herrlicher Festabend, der noch lange in der Seele eines jeden Anwesenden nachklingen wird. Es war eine Augenweide, all' diese freien jüdischen Männer in den weiten Räumen des prachtvoll beleuchteten Saales versammelt und in edlem Wetteifer an Gaben der Liebe sich einander überbieten zu sehen. Jedes Antlitz strahlte vor Freude. In jedem Gesichte konnte man den Gedanken lesen: wir sind Ein Stamm, Eine Glaubensgenossenschaft, und wie Vielerlei uns auch sonst trennen mag — unsere Herzen finden sich zusammen in der Noth unserer Brüder. Sämmtliche Gemeinden waren vertreten. Zu unserer großen Freude sahen wir bei dieser Gelegenheit zum ersten Male auch die Scheidewand zwischen den eingewanderten und eingebornen Israeliten sinken, denn auch die letzter« fanden sich ein mit vollem Herzen und vollen Händen. — Christen wurden im Allgemeinen nicht eingeladen, weil es ungerecht erscheint, von Personen einer fremden Confessioil Opfer zu fordern, die nach der Sachlage nur den jüdischen Armen zu Gute kommen können. Gleichwohl haben einige nicht jüdische Amerikaner sich eingefunden, wovon Einer, Herr Cannon u. Matthews die bedeutende Summe von 100 Dollars spendete. 9 * *

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