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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-02-23 · Heft 9 (23.2.1857) · p. Seite 118

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 9 (23.2.1857)
Date
1857-02-23
Page
Seite 118 (sequence 10)
Language
German
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118 \ um so mehr Rechnung tragen, da so manche-Forderung der Orthodoxen, als das Ueberwachen des Früh- und Abendgebetes der Schüler, der Anstalt keineswegs zum Nachtheil gereicht. Wenn auch das Letztgesagte sich auf Niederungarn weniger anwenden läßt, so sind jedoch die Verhältnisse Oberungarns derartig, daß die geringste Reform das Schulwesen im Keime zu ersticken im Stande ist und dünkt es uns höchst traurig, wenn die Schuldirectionen jener Gemeinden ihre Rabbinen in Schulangelegenheiten ignoriren, vielmehr scheint es uns, daß ein kräftiges Emporblühen der Schule nur dadurch zu erzielen ist, wenn Rabbinen und Schuldirectionen Hand in Hand gehen. —. Die biblische Geschichte von vr. Wolff in Wien verschafft sich in Ungarn eine weite Verbreitung und wird diese auch dahier in der Mädchenschule vorgetragen. Jsaac Rosenmeyer. Nagy-Karoly, im Februar. (Privatmitth.) Die opulente Judengemeinde zu Gr. Karoly bekümmert sich wenig oder gar nicht um das „Wohl" und „Wehe" ihrer Kinder, und ihre verwerfliche Abneigung gegen jede zeit- und zweckmäßige Neuerung und besonders gegen alles organisirte Schul- und Unterrichtswcsen wird dadurch noch mehr bethätigt, daß sie alle Hebel zur Umgehung der mehrere Male schon von der hohen Regierung an sie ergangenen Befehle zur Begründung einer jüdischen Volksschule ausfindig macht, obschon auch sie in ihrer Mitte solche Personen zählt, welche das große Bedürfniß, dem Schul- und Unterrichtswesen in ihrem Orte eine heilsame Basis zu geben, wohl empfinden. Möge die hiesige jüdische Gemeinde sich ihrer vernachlässigten Kinder erbarmen und in der baldigen Begründung einer zeitgemäßen Schule bei aller Welt ihre Rechtfertigung finden! Joseph Braun. Lemberg, 1. Februar. (Privatmitth.) Der leitende Artikel „Eine immer wiederholte Lüge" in No. 5. dieses geschätzten Blattcö hat allenthalben in Galizien große Sensation erregt, und die Verehrung, die Ihrem Namen von den Bessern im Lande gezollt wird, wo möglich noch erhöhet. Es ist in der That die höchste Zeit, dem Treiben gewisser Menschen, die, weil sie in der Ferne unbekannt, in der Nähe unbeachtet, von Jedermann ignorirt werden, sich Alles erlauben zu dürfen für berechtiget halten, ja, die Unverschämte heit so weit treiben, sich vöst feilen Instrumenten als „religiös und literarisch Hochgebildete" aüS-? posaunen zu lassen*), ein Ende zu machen. — Wäredie Behauptung: daß nur die Fahnenträger der soger* nannten Orthodoxie, die von der Zeit nichts gelernt, mit der Zeit nichts vergessen haben, allein es sind/ welche durch ihre immense Indolenz das System ei> genhändig zerstören, als dessen Vertreter und Versechter sie sich gerircn, nicht ein längst überwundener Stande punkt, eine von allen Aufrichtigen und Unparteiischen anerkannte Wahrheit, und müßte dieselbe erst erwiesen' werden, so haben wir eS wahrlich nicht nöthig, derst Beweis von der Ferne her zu holen, wir brauchen unS nur in unserer nächsten Nähe umzufchauen, um sie bestätiget zu finden. Man begebe sich in welche größere Gemeinde GalizienS man wolle, und schaue sich unter der großen Masse der jungen Leute um, die in Handlungshäusern in welcher Eigenschaft immer bedienstet sind, wie wenige von diesen betheiligensich da an dem allsabbathlichen Gottesdienste!— Treten wir einmal an einem jener zwei Sabbathe des Jahres — Wie rü® und bmsrt na® — an welchen nicht von einem Prediger, nicht von einem modernen Rabbiner geprediget, sondern von einem ächten, orthodoxen Rabbiner eine Deraschah abgehalten wird, in die Hauptsynagoge, welch einem winzigen Bruchtheile der frommen Gemeindeangehörigen begegnen wir da! — Hier bekundet sich also die zauberische Wirkung der melodischen Töne der vielstimmigen pilpulistischen Deraschoth auf die Gemüther der Gläubigen auf die eklatanteste Weise, wenn nicht anziehend doch — abstoßend. — Nicht in dem der Neologie huldigenden Deutschland, nein, mitten in den größten Gemeinden Galiziens, dieses Landes, daS noch vor nicht gar langer Zeit das Eldorado der hebräischen Sprachkenntniß war, finden wir israelitische Knaben und Jünglinge, welche in einem hebräischen Gebetbuche nicht buchstabiren könn en, weil sie die Eltern nicht unterrichten ließen; was aber noch schlimmer, diejenigen Eltern, die dem Judenthume gern Opfer an^Geld und Zeit brächten und ih-' ren Kindern in dieser heiligen Sprache unserer Väter Unterricht ertheilen ließen, sehen sich vergebens nach einem Lehrer um, sie finden keinen, der in dieser *) Siehe No. 3. S. 34. Sp. 2. Zeile 21. v. o.

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