Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 9 (23.2.1857)
- Date
- 1857-02-23
- Page
- Seite 117 (sequence 9)
- Language
- German
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m MÜtelNj indem u in seiner doppelten Eigenschaft als Mitglied der Repräsentanz und Präses deö Comitös dem Rechtsbewußtsein beider gerecht werden konnte. Zwar ist sein Nachfolger, Herr 0r. Kerpal, ein überaus tüchtiger Mqnn und in jeder Beziehung sehr ehrenwerther Charakter, allein er ist, leider! kein Mitglied der Repräsentanz, so daß nicht abzusehen ist, wie hier eine Verständigung zu erzielen sei. Zn wünschen Wäre nur, daß durch den Competenzstreit der Aerzte nicht etwa der Patient leide. Auch können wir den Wunsch nicht unterdrücken, daß die löbliche Repräsentanz die Zügel der im Ganzen nur heilsamen Centralisation hoch nicht allzustraff anziehe; denn bei dem Umstand, daß die Handhabe der Armenpflege eine reine Ehrensache ist, wäre den biedern Männern, die sich damit befassen, immerhin einige Selbstständigkeit zu gönnen. Kecskemet, im Februar. (Privatmitth.) Mehrere israelitische Cultusgemeinden des Ofener Verwaltungsgebietes haben zur Unterstützung mittelloser braver jüdischer Lehramtskandidaten der Pesther katholischen Lehrerbildungsanstalt für das laufende Schuljahr 695 Fl. Conv.-M. gespendet und zwar die meisten mit der Verpflichtung, ihre milden Gaben auch in den zwei nächstfolgenden Jahren zu wiederholen. Besonders verdient die Gemeinde in Stuhlweißenburg öffentliche Anerkennung, die zu diesem edlen Zwecke ein Capital von 1206 Fl. C.-M. votirte, von welchen Zinsen jährlich ein braver jüdischer Lehramtscandidat unterstützt werden soll. Das Nämliche thaten die Gemeinden in Miscolz, BicSke, Set. Peter und noch manche andere; auch versieht die Pesther Cultusgemeinde 12 Präparanden mjt Mittagskost. Wenn wir somit auch bis heute noch keine israelitischen Lehrerseminare haben, so dürfte mit der Zeit, da sämmtliche katholische Lehrerbildungsanstalten den israelitischen Zöglingen offen stehen, auch in dieser Hinsicht Ersprießliches erzielt werden. Als ein Fortschritt in der Schulwelt Ungarns ist es anzusehen, daß die neunstündige Unterrichtszeit einer Claffe auf sechs Stunden täglich reducirt ist. Auch ist durch das neue Schulsystem im Kaiserstaate dem Mechanismus weniger Thür und Thor geöffnet und der Lehrer zum Privatfleiße angehalten. Wenn aber immer noch einzelne israelitische Schulen Ungarns den Gemeinden nicht genügen, so mögqn eineötheils die großen Ansprüche, welche die Eltern in drei verschiedenen, dem Kinde gleich schweren Sprachen stellen, andererseits die mangelhafte Aufsichr der Anstalt Seitens der Direktion die Ursache sein. In vielen Gemeinden liegt die Direction in solchen Händen, die in dem einen oder anderen Lieblingsfach« ihre Ansprüche so hoch stellen, daß die übrigen Gegenstände nothwendig darunter leiden müssen. Die Schulen sind vielen Directoren fremd und werden von ihnen nur an den halbjährigen Schauprüfungen besucht; daß dann das Wohl und Wehe eines Lehrers von dem zufälligen Bestand der Schüler abhängt, wird uns Jeder, der solche Schulen kennt, zugeben müssen. Es verdient dieserhatb die vierteljährige Prüfung, welche der Direktor der öffentlichen israelitischen Hauptschule dahier, Sr. Hochwürden der Oberrabbine Fischmann, in einem engen Kreise mit allen Classen der Schule und in allen Lehrgegenständen mit derselben Vorliebe schon feit Jahren abzuhalten pflegt, um so mehr Nachahmung, da sich auf diese Weise die Schuldirectionen am genauesten von den Fortschritten der Schüler überzeugen können, und der Lehrer Gelegenheit erhält, über etwaige Mängel der Anstalt sich auszusprechen. Wie sehr die hohe Regierung tagtäglich sich bemüht, die israelitischen Schulen Ungarns den Bedürfniffen des Volkes gemäß zu organisiren, beweist der Umstand, daß selbst solche Gemeinden öffentliche Schulen gründen, in welchen früher aus religiösen Bedenklichkeiten die Gemeindeschulen nicht aufkommen konnten. So wurde unlängst, wie aus dem österreichischen Schulboten zu ersehen ist, die bisher im schlechten Zustande befindliche Schule in Papa reorganistrt und zwar der Art, daß die Anstalt 500 Schüler zählt und bald zu einer vierclassigen Hauptschule erhoben wer- : den dürfte. Auch ist jenem Berichte zufolge die vierclassige Schule zu Altoscn zu einer vierclassigen Hauptschule erhoben worden. Daß der Talmudunterricht in solchen Gemeinden, wo die als wichtiges Bildungsmittel angesehen wird, wenn auch nicht als integrirender Theil, doch als außerordentlicher Gegenstand der Volksschule einzuverleiben ist, scheint uns, falls die Schulen jener orthodoren Gemeinden nicht einen ewigen Gährnngsproceß durchmachen wollen, höchst nothwendig. Von dem hohem Gesichtspunkte ausgehend, für das Wohl der israelitischen Jugend zu wsrken, sollten die Aufgeklärten jener Gemeinden den herkömmlichen Eigenheiten 9