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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-02-23 · Heft 9 (23.2.1857) · p. Seite 116

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 9 (23.2.1857)
Date
1857-02-23
Page
Seite 116 (sequence 8)
Language
German
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116 deS Unterrichtes verwendet. Es ist dadurch daS Geld jedenfalls auf die bestmögliche Weise benutzt worden. Heute wurde die Frau des Dichters Frankl zur Erde bestattet, nachdem sie der Herr von ihren Leiden erlöset hat. Wie Goethe schied sie von dannen mit dem Rufe: „Licht, Licht I" Ein großer Zug gab dem biedern Weibe das letzte Geleite. Wien, 13. Februar. (Privatmitth.) Wieder ist ein Mann begraben worden, der sich durch fromme Stiftungen ein ewiges Andenken in der Gemeinde begründet hat. Es ist Herr Leopold Ditmar Königsberger, Großhändler und Realitätcnbesitzer. Außer den Legaten für seine Familie hebe ich vor Allem folgendes heraus. „DaS Wohl einer jeden Familie", so heißt es im Testamente, „selbst eines ganzen Volkes, hängt von der guten und tugendhaften Erziehung der Frauen ab. Da nun bei allen Nationen öffentliche Bildungsanstalten für Mädchen, nur nicht bei Israeliten, cristiren, so bestimme ich, daß von dem Rest meines Vermögens (beiläufig 200,000, sage Zwei hundert tausend Gulden in Conv.-Münze) ein Bildungs- und Erzichungsinstitut für arme israelitische Mädchen aus allen Provinzen des österreichischen Kaiscrstaates errichtet werden soll." Zugleich wird die Bedingung daran geknüpft, daß jedes Mädchen beim Austritte aus dem Institute 250 Fl. erhalte. Der Testator stellt es frei, daß in diese Anstalt auch Kinder wohlhabender Eltern, jedoch für Bezahlung, ausgenommen werden, um so die Mittel des Institutes zu kräftigen. Der Vorstand der Wiener Gemeinde ist als Eurator dieser Anstalt bestimmt, zugleich ersucht der Erblasser Herrn Prediger Mannheimer, den Organisationsplan zu entwerfen, wofür derselbe 1000 Fl. erhalten soll. Der Dahingeschiedene spricht die Hoffnung aus, daß andere wohllhätige Menschen ebenfalls diese Anstalt bedenken werden, und das reiche Leute keinen Anstand nehmen werden, ein in diesem -Institute wohlerzogenes armeS Mädchen als Gattin heimzuführen. Es ist dadurch entschieden eine Lücke in unseren öffentlichen Wohlthäligkeitsanstalten ausgefüllt. Bei der Abfassung des Organisationsplanes wird es sich wohl fragen, sollen in dem Institute die Kinder zu Dienstmädchen rc. oder zu Gouvernanten rc. herangebildet werden, oder soll daS Institut auf beides Rücksicht nehmen. Eben so schön ist eine andere Stiftung, die der Verblichene machte. Er bestimmte 50,000 Fl., deren Interessen ausgedienten jüdischen Soldaten zukommen sollen. Die Verfügung darüber stehet dem k. k. Armee - Ober - Commando (Sr. Majestät dem Kaiser) zu. Außer einigen Stiftungen für christliche Institute (barmherzige Brüder, Blindeninstitut rc.) erhält das jüdische Spital 1000 Fl., und der neue Tempel 2000 Fl. C.-M. Zur Erhaltung des Grabmonumentes sind 4000 Fl. bestimmt. In so lange das Monument keine Verbesserung bedarf, erhalten die Interessen zwölf Arme und der Prediger. Letzterer jedoch allein 50 Fl. Auf Aufforderung der Vertreter hielt Herr Mannheimer außer dem gewöhnlichen Gebete eine Rede am Grabe des Verstorbenen. Seltsamer Weise fanden sich nur wenige Personen ein, die dem Manne die letzte Ehre erwiesen. —. Die erste Sendung des Institutes ist hier angekommen. Alles sagt Ihnen und den Herren, die sich mit Ihnen betheiligen, den besten Dank. Selten wohl ist eine solche segenbringende Idee ins Leben gerufen worden. Ich kann dabei nicht unterdrücken, den Wunsch auszusprechen, es möge Ihnen gegönnt sein, noch Jahrzehende mit der Energie und mit dem Erfolge, der sich hoffentlich von Jahr zu Jahr steigern wird, zu walten. Prag, im Februar. (Privatmitth.) Zwischen der Gemeinde-Repräsentanz und dem seit Jahren hier bestehenden und löblich wirkenden Mazzot-Comite obwaltet gegenwärtig ein Compctenzstreit, der besprochen zu werden verdient. Die Repräsentanz geht von der an sich ganz richtigen Ansicht aus, daß die Armenpflege, unter welcher Form und unter welchem Namen sie auch auftrcten möge, unter ihrer Controlle stehen müsse; daS Comite aber, im Bewußtsein seiner bisherigeil tüchtigen Leistungen, findet sich nicht geneigt, sich Andern unterzuordnen. Herr vr. Gitschin, der beim Comite bisher den Vorsitz geführt, und der zugleich auch Mitglied der Repräsentanz ist, hat, um nicht nach der einen oder andern Seite hin zu verstoßen, auf den Vorsitz resignirt. Wir müssen aber gestehen, daß wir dies von Herzen bedauern; denn gerade Herr 0r. Gitschin wäre der geeignete Mann gewesen, den obschwebenden Streit befriedigend zu ver-

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