Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 9 (23.2.1857)
- Date
- 1857-02-23
- Page
- Seite 114 (sequence 6)
- Language
- German
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114 Die nächste Confercnz in Dortmund wird uns lehren, wessen wir uns von unfern College» zu versehen haben. Bis dahin halten wir unser Urtheil zurück, hoffend, daß unsere Brüder daS ihnen oft gespendete Lob der Intelligenz und der rüstigen Strebsamkeit rechtfertigen werden. Schließlich können wir nicht umhin, hier noch des außerordentlichen Eifers dankend zu gedenken, mit welchem Herr Consistorial-Oberrabbiner Bodenheimer zu Crefeld sich fortwährend unserer Sache annimmt und sie zu fördern sucht. Derselbe hat die Statuten mit einem sehr warmen, eindringlichen Schreiben dem Ministerium vorgelegt und sind wir der Hoffnung, baldigst erfreuliche Resultate mittheilen zu können. Der Vorstand des Lehrervereins. S. Blumcnau. Bielefeld, Februar. Dem Artikel des Herrn S. Rüben in No. 6. d. I. gegenüber, der in einem dunkeln Colorit doch nicht jeglicher Wahrheit entbehrt, verdient eS hervorgehoben zu werden, daß kürzlich die jüdische Gemeinde in Essen ihrem seit längeren Jahren dort fungirenden würdigen Lehrer, Herrn Blumenfeld, aus freiem Antriebe eine Gehaltszulage von 25 Thlrn. jährlich bewilligt hat. Möchte solch schönes Beispiel, das für den Lehrer wie für die Gemeinde gleich ehrend ist, recht viele Nachahmung finden! Königsberg i. Pr. (Privatmitth.) Vor Kurzem feierte die hiesige israelitische „wohlthätige Gesellschaft" ihren 48. Sliftungötag, und Sie gestatten mir wohl, aus dem auch im Druck erschienenen Bericht über das Jahr 1856 einige Notizen zu entnehmen, um die Wirksamkeit dieser Gesellschaft zu charakterisiren. Es blieben am Schluffe des Jahres 228 Mitglieder, welche >574 Thlr. Beiträge lieferten; 188 Unterstützungsgesuche waren eingegangen und erledigt. Auch die Gemeinde zahlt 506 Thlr. jährlichen Beitrag und Geschenke gehen reichlich ein, so daß außer dem Vermögen von ca. 20,000 Thlrn. die Gesellschaft noch 6 specielle Legate zu verwalten hat. Die Zwecke der Gesellschaft bestehen: ' l) in monatlichen Unterstützungen, welche diesmal in 895 Thlrn. bestanden, an 29 Männer, 13 Frauen und für 9 Knaben die Schulgelder; 2) in Stipendien an Studirende und zwar 200 Thlr. an zehn; 3) an Schulausgaben 372 Thlr. für 40 Kinder; 4) Ausgaben bei Leichenbegleitungen; 5) Holzvertheilung 235 Thlr. und extraordinäre Unterstützungen 354 Thlr., worunter auch für einen Studenten zum Eramen; endlich 6) für Handwerkslehrlinge, und zwar 18 mit einer Ausgabe von 450 Thalern. — Man ersieht hieraus, wie mannigfaltig und tiefeingreifend die Wirksamkeit dieser Gesellschaft ist, welcher Mühewaltung aber auch sich der Vorstand in edelster Weise unterzieht. Das Stiftungsfest war ein sehr fröhliches, und wurde mit eitler Menge eigens dazu abgesaßter Lieder gefeiert, von denen Sie mir, bei dem geringen Raum, welchen leider! die hiesige Gemeinde in Ihrem Blatte zu beanspruchen pflegt, das letzte mitzutheilen erlauben werden, da es mir einen treffenden Gedanken glücklich durchzuführen scheint. *) Im Uebrigen kann ich bemerken, daß es auch in hie- *) B e r u f s l i e d. Mel. Gott grüß Dich, Bruder Straubinger. Als Abraham nach Kanaan Mit Weib und Vieh gezogen, Da lebt er als ein frommer Mann; Ihm war der Herr gewogen. Doch andres Volk in Saus und Braus, Das thät nach Gott nicht fragen. Da sprach der Herr: Ich rott’ es aus, Will mit dem Blitz drein schlagen. Dem Abraham gar leid es thut; Er wagt's, den Herrn zu bitten: Vielleicht sind doch noch fünfzig gut In der Verderbten Mitten. Und immer mehr noch ließ er ab Und bat zuletzt für Zehen; Doch da's auch Solcher zehn nicht gab, Ließ traurig er's geschehen. — Ob schon mit Gott er Handel trieb, Gut blieb er angeschrieben; Drum haben wir das Handeln lieb; 'S ist unser Erbtheil blieben. Und ob der Jud', in alle Welt Zerstreut, umher muß wandeln, An Abraham noch fest er hält, Und sucht ihm gleich zu handeln. Hier gründet er sich still ein Haus; In redlichen Geschäften Zieht bald für Weib und Kind er aus, Sorgt stets für sie nach Kräften. Erst muß er seinem lieben Kreis Sein ganzes Handeln weihen; Was fragt er da nach Sorg' und Schweiß, Wenn recht fle nur gedeihen.