Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 9 (23.2.1857)
- Date
- 1857-02-23
- Page
- Seite 113 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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113 vor, daß die Reim- und Denkverse lauter verflvicirte Bibelsprüche sind, die für den Anfangsunterricht in der Religion sehr gute Dienste leisten, da junge Kinder sehr leicht kleine Verse lernen. Leider ist die 20jährige gedeihliche Thntigkeit des Herrn Rosenmark durch eine unheilbare Krankheit jetzt gestört. Möge ihm der Allgütige eine Resua schlema senden! Zeitungsnachrichten. Preußen. Danzig, 15. Februar. (Privatmitth.) Ein Curiosum in der Presse ist eine politische Zeitung in hebräischer Sprache. Dieselbe erscheint in Johannisburg in Preußen und wird von dem Rabbiner L. Silbermann in Lyck herausgegebcn. Dieses Blatt heißt „T'S'srt" (der Verkündiger). Sie erscheint wöchentlich ein Mal und kostet vierteljährlich einen Thaler. Es eristirten bereits früher in Rußland und Polen hebräische Druckereien, welche jedoch von dem Kaiser Nicolaus geschlossen wurden, weil die Sonderstellung der jüdischen Nationalität durch Zeitschriften in hebräischer Sprache gefördert und die Russificirung der Juden gehemmt wurde. Gegenwärtig ist diese Maßregel durch den Kaiser Alexander aufgehoben, und findet daher eine ziemlich starke Verbreitung unter den russischen und polnischen Juden. Dieses Unternehmen dürfte vielleicht auch bald eine Nachahmung Hervorrufen, da bekanntlich die hebräische Sprache unter den polnischen und russischen Juden verbreiteter ist als unter den deutschen. Die Zeitung macht sich zu einer Verkünderin der Thaten Aleranders II. in orientalisch poetischem Schwung und bringt dann in gut ausgewähltcn Artikeln Besprechungen über verschiedenartige wissenschaftliche Materien, endlich auch einen Bericht über den Stand der Wechsel-, Fonds- und Geld-Course so wie der Getreidepreise. Das Blatt ist in streng jüdischconservativem Sinne gehalten und trägt als Motto das Wort des Propheten „Und sie lieben die Wahrheit und den Frieden", dem es auch in Zukunft volle Rechnung tragen möge. - Das „Danziger Dampfboot", dem ich obige Mittheilung theilweise entnommen, berichtet, daß in Warschau ein kaiserlicher Ukas publicirt worden vom 30. December v. I., durch welchen dem israelitischen Kaufmanne Selig Neumann zu Wloclawek, in Rücksicht auf dessen Verdienste um die Entwickelung deS Handels und des sonstigen Zustandes dieser Stadt und Umgegend, so wie um die WohlthätigkcitS-Anstalten des Wloclaweker Kreises in seiner Eigenschaft als Mitglied des CuratorinmS derselben, das erbliche Ehrcnstaatöbürgcrrecht im Königreich Polen, mit Ausdehnung dieses Rechts auf dessen Sohn Berthold, verliehen wird. Herrmann Straßmann. Bielefeld, im Februar. (Eingesandt.) In Folge unserer Aufforderung in No. 44. v. I. d. Z. haben bis jetzt mit Einschluß derjenigen, welche auf der Conferenz zu Crefeld das Protokoll mit genehmigt haben, etwa sieben zig Lehrer ihren vorläufigen Beitritt zu unserm Lehrervercine erklärt — eine betrübend kleine Anzahl freilich, wenn wir hiervon auf die Sympathien überhaupt schließen dürfen, welche unser Unternehmen bei den Lehrern Rheinlands und Westphalcns gefunden. Unsere diesfallsigcn Erfahrungen haben uns indessen belehrt, daß 1) manche unsrer Herren College« die Anmeldung aus Bequemlichkeit unterlassen haben und weil es ja für sie noch früh genug, wenn die Statuten höhern Orts genehmigt sein werden; 2) weil viele die ganze Sache für zu illusorisch halten und sich lächerlich zu machen fürchten, wenn sie ihren Namen einem Unternehmen leihen, daS vielleicht sich doch nicht realisircn möchte. Sie gehören zu der zahlreichen Classe derjenigen, die immer erst ab warten wollen; 3) haben Manche von der Sache eine ganz irrthümliche, ja abenteuerliche Vorstellung. Sie kennen dieselbe nicht einmal in ihren allgemeinen Umrissen und nur vom Hörensagen, denn — sie lesen nicht einmal die Zeitung des Judenthums. Es würde allerdings von erschreckender Lethargie zeugen — die wir bei unfern Kollegen nicht vorauSsetzen wollen — wenn sie auch jetzt, nachdem ihnen jede Hülfe von anderer Seite versagt, nicht einmal die Gelegenheit ergreifen wollten, sich selbst die Aussicht für die Zukunft zu erheitern, selbst das Gespenst deS Mangels und des Elends von ihrem Herde zu verscheuchen, das ihnen den Stab, der nothdürftig jetzt ihr Dasein stützet, gerade dann zu entreißen droht, wenn sie seiner zumeist bedürfen, wenn Alter und Gebrechen die rüstige Kraft gelahmt, die Bedürfnisse gesteigert, und Sorge und Kummer der Jugend Frohsinn ertödtet haben.