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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-02-23 · Heft 9 (23.2.1857) · p. Seite 112

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 9 (23.2.1857)
Date
1857-02-23
Page
Seite 112 (sequence 4)
Language
German
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112 Synagogen in Frankfurt a. M., Mainz und — Berlin mit seiner Bame-Madlikin-Apotheose, mußten sich zu neuen Compositionen zur Verbesserung und durchgreifenden Umgestaltung des Synagogengesanges bequemen.*) Dem am meisten verbreiteten Schir Zion von dem genialen Sulzer in Wien, den Terzett- und Chorgesängen der Synagoge in München von M. Kohn reihete sich nun in neuester Zeit, nach der mir vorliegenden Ankündigung, an: Schire Jeschur un, Gottesdienstliche Gesänge, eingeführt in die Synagoge der israel. Religionsgesellschast zu Frankfurt a. M. Componirt von I. M. Japhet. Mit rabbinischen und musikalischen Gutachten! Weniger bekannt und verbreitet wegen des hohen Preises ist das reichhaltige und ausführliche: Semiroth Israel von S.Naumburg inParis. — Der geistreiche Verfasser der musikalischen Briefe aus Paris in der „Allgem. Zeitung" spricht sich über dieses Werk folgendermaßen aus: „Einen eigenen Kunstgenuß dürfen wir nicht mit Stillschweigen übergehen, den wir in der großen Synagoge (Paris) hatten. Wenn schon die edle Bauart dieses Tempels einen erhabenen Eindruck macht, zumal bei Beleuchtung und gottesdienstlicher Feier, so wird derselbe noch erhöht durch den wohl- und volltönenden Chorgesang, dessen Pflege hauptsächlich dem dortigen Cantor Herrn Naumburg, einem geborenen Deutschen, zu danken ist. Dieser höchst verdienstvolle, durch sein Werk: Cliants religieux des Israeliles, wovon bis jetzt zwei Theile erschienen sind, rühmlichst bekannte Musikgelehrte und Tonsetzer hat nun auch den dritten Theil herausgegeben, und damit nicht nur eine für seine Glaubensgenossen, sondern für alle Mustkkenner höchst interessante Sammlung vollendet, welche sowohl die ältesten hebräischen Melodien in schöner Harmonisirung als auch neuere Meisterwerke von Halevy und Anderen enthält, worunter Naumburgs eigene Compositionen sich durch Melodie, Singbarkeit und Frische aufs Vortheilhafteste auszeichnen." — Herr Naumburg hat wirklich das Verdienst, die alten Gesänge am meisten berücksichtiget zu haben und der Cantor findet darin Necitativen und Vortragsweisen von Piecen, besonders Piutim, die er in anderen Werken vergebens suchen würde. Es ist wirklich schade, daß manche alte treffliche Melodie und Singweise, weil der.Tert außer Gebrauch gekommen, z. B. viele Jozeroth u. dgl., ganz vergessen werden! *) Dabei wollen aber diese Herren keine „Reformer" sein! Redact. Ich erinnere nur an das elegische Berach Dodi, Biglal Aboth u. s. w.! — In dem Werke des Herrn Naumburg, das sich darum für viele Gemeinden, wo die Jozeroth gesagt werden, besonders empfiehlt, findet man viele alte Melodien, obwohl dessen eigene Compositionen den Sulzer'schen nachstehen sollen. Jedenfalls wäre eine gute, gesichtete Auswahl des Gediegensten, Classischen, wahrhaft Synagogalen und Nationalen aus allen diesen Werken zum Gebrauche für kleinere Gemeinden und als Handbuch für Cantoren höchst wünschenswerth, da dadurch eine Einheit und Gleichmäßigkeit in der Synagoge mehr und mehr erhalten und angebahnt wird. Es versteht sich von selbst, daß die alten nationalen Piecen dabei hauptsächlich Berücksichtigung verdienen und daß allen Synagogenordnungen und Agenden, die recht buntscheckig sind, z. V. in Paris Orgel und die meisten Piutim, in Wien und München das Gegentheil, Rechnung getragen werden müßte. Vielleicht unterstützt das Literatur-Institut ein solches zeitgemäßes Unternehmen! Es fehlt nicht an Materialien, sondern an guter classischer Auswahl, da in den genannten Werken sehr viel Unkirchliches (v. h. Unsynagogales) und wiederum rein Kirchliches und Fremdartiges enthalten ist, was ausgeschieden werden muß, abgesehen davon, daß viele Gesänge bei beschränkten Kräften gar nicht ausführbar sind. Synagoge und Schule sind die Lebenselemente des israelitischen Gemeindewesens, darum wollen wir hier noch einer kleinen Schrift für die Schule Erwähnung thun, die für die unteren Classen recht brauchbar ist. Wir geben den vollständigen Titel, weil deren Anwendung sich daraus von selbst ergiebt. Israelitische Religions- und Sittenlehre in leichtfaßlichen und lehrreichen Reim- und Denkversen für Kinder ersten Schulalters. Von H. Rofenmark, Lehrer zu Warasdin. 2. Auflage. Wien bei L. Sommer. 1853. Das Werkchen von Herrn Rofenmark, einem vielverdienten Lehrer, hat sich in seiner ersten Auflage des verdienten Beifalls competenter Richter zu erfreuen gehabt, und auch das k. k. Cultusministerium hat mit Decret vom 29. Januar 1851 Z. 7667 den Gebrauch dieses Religionsbüchleins in den israelitischen Schulen gestattet — was daher jede weitere Empfehlung überflüssig macht. Es hat aber Herr Rosenmark der zweiten Auflage noch mehr Sorgfalt gewidmet — auch die Ausstattung ist recht gefällig — und seine langjährigen Erfahrungen hiebei vielfach bethätigt. Vorzüglich aber heben wir es her-

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