Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 8 (16.2.1857)
- Date
- 1857-02-16
- Page
- Seite 104 (sequence 10)
- Language
- German
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101 Dänemark. Kopenhagen, im Januar. (Privatmitth.) Vor Kurzem starb hier unser Glaubensgenosse, Justizrath S. A. Eibeschütz, der das bedeutende Vermögen von t>—700,000 dänisch. Thalern hinterlassen hat. Die jährlichen Renten dieser Summe sollen, nach der testam. Bestimmung des Verstorbenen, theils dessen nächsten Angehörigen und deren nächsten Erben, in so sern diese im jüdischen Glauben verbleiben, theils den öffentlichen städtischen und jüdischen Stiftungen zufallen, während das Capital für ewige Zeiten unangetastet bleiben soll. Von den städtischen Stiftungen sind namentlich 13 mit Legaten im Betrage von 2200 Rdl. jährlich bedacht worden. An 3 dieser Legate sind löbliche Bedingungen geknüpft, nämlich die hiesige Universitätsbibliothek soll jährlich die ihr zufallenden 300 Rdl. zu Anschaffung älterer hebräischer und anderer orientalischer Werke verwenden. Ferner sollen bei der polytechnischen Lehranstalt, die mit einer gleichen jährlichen Summe bedacht worden, 2 junge Israeliten freie Aufnahme finden, und endlich hat die Kunstakademie die ihr jährlich zerfließende Summe von 300 Rdl. als Preisbelohnung für ein vorzügliches Kunstwerk zu verwenden, dessen Sujet auS dem alten Testament genommen sein muß. Der hiesigen jüdischen Gemeinde fallen 26 verschiedene Legate zu, deren Summe jährlich 5700 Rdl. beträgt, welche Summe nach dem Tobe der hinterlassenen Witlwe des Verstorbenen um 4500 Rdl. vermehrt werden soll. Der Belauf, womit das hinterlassene Vermögen die Summe übersteigen sollte, worüber im Testament disponirt ist, wie auch die Summen, die nach und nach durch Abstcrben der laut Testament bedachten Familienmitglieder vacant werden, sollen, sobald sie die Größe von 50,000 Rbl. erreicht haben, für eine Fundation verwendet werden, deren Bestimmung einer aus den Repräsentanten der Gemeinde, dem jüdischen Geistlichen, einem Mitglied deS Magistrats und einem der Bürgerrepräsentanten zusammengesetzten Commission überlassen bleibt. — Dem jüdischen Kandidaten Herrn Levin hier ist jüngst in Anerkennung seiner Verdienste um die däni>che Sprache vom Reichstage einstimmig eine Leibrente von jährlich 800 Thalern zur Fortsetzung seiner lericalischen Arbeiten bewilligt worden. — — In der Vorrede deS so eben im Druck erschienenen 3. TheileS deS Kataloges über die coclices orientales der hiesigen königlichen Bibliothek erwähnt Prof. Mehren mit vieler Anerkennung „virum eruditissimum A. A. Wolfr Dr. phil. primarium synagogae Judaicae Wafniensis sacerdotem“, dem er für dessen bereitwillige Unterstützung bei Erklärung der hebräischen Werke öffentlichen Dank abstattet. — Vor Kurzem hat sich hier ein jüdischer Verein zu dem Zwecke gebildet, „junge inländische Israeliten zum Studium der jüdischen Theologie aufzumuntern und dieselben in Stand zu setzen, sich die nöthigen Kenntnisse zu erwerben, um mit der Zeit hier im Lande als Prediger, Katecheten und Religionslehrer angestcllt zu werden." Auf Kosten des Vereins erhallen die sich dazu gualificircnden jungen Menschen zunächst hier Unterricht in den für das theologische Studium erforderlichen Vorkcnntnissen, um später zur höhern Ausbildung auf eines der auswärtigen jüdischen Seminare geschickt zu werden. * $>. Italien. Turin, im Januar. Der Adv. Jsacco Artom ist bei dem Ministerium deS Aeußern durch kön. Ordonnanz angestellt worden. (Fdueat. Israel.) Turin, im Januar. Am 14. Januar verstarb Lelio Cantoni, Großrabbiner von Turin, nach kurzem Krankenlagerim 55. Lebensjahre nach 22jähriger Amtsführung. ein Mann voll Wissens, Eifers und Verdienstes. Die Trauer über sein Hinscheiden ist allgemein und wegen seines Begräbnisses war die Sitzung der Deputirtenkammer am 20. Januar nicht vollzählig und mußte aufgehoben werden. (Nach den Arcli. isr. de Fr.) —. In Piemont zeichnet sich jetzt ein junger Glaubensgenosse, Herr Salvador B. Olivetti, durch seine Verdienste um den Ackerbau und seine desfallsigen wissenschaftlichen Versuche auS. Bei der letzten landwirkhschaftlichen Ausstellung erhielt er den Preis, und wurde zum Secrelär deS landwirthschaftlichen Congresscs erwählt. (L’Educ. israel.) Frankreich. Paris, 27. Januar. Abermals müssen in Paris historisch nicht uninteressante Baulichkeiten dem Bedürfnisse der Neuzeit Platz machen. Im Mittelalter wohnten die Israeliten, welche in Paris so viele Verfolgungen und Verbannungen zu erdulden hatten, nach