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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-02-16 · Heft 8 (16.2.1857) · p. Seite 102

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 8 (16.2.1857)
Date
1857-02-16
Page
Seite 102 (sequence 8)
Language
German
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102 bedingt einer der ersten Plätze. Er war es, der in den Gemeinden seines SprengelS die noch gegen die in Münster gebildeten Lehrer herrschende Antipathie bekämpfte und in denselben das Bedürfniß nach bessern Elementarschulen erweckte, nährte und so viel als möglich zu befriedigen suchte. Er war der erste Rabbiner, der in seinem Sprengel Conferenzen der Lehrer ins Dasein rief, sich persönlich daran betheiligte, und sie erhielt, indem er richtig erkannte, daß in und durch die Schule das Glück oder Unglück kommender Generationen begründet werde. Ersprießliches haben diese Conferenzen geleistet, und nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb der Grenzen des deutschen Vaterlandes Beifall gefunden und zur begeisterten Nacheiferung den Samen ausgestreut. Solche Verdienste mit dem schuldigsten Danke anerkennend, wählten die im Mai verflossenen JahreS hier versammelt gewesenen israelitischen Lehrer aus Rheinland und Westphalen Herrn Oberrabbiner zum Vorsitzenden ihrer Versammlung und übertrugen ihm am Schlüsse derselben vertrauensvoll einstimmig die Vertretung des Vereins bei den hohen und höchsten Staatsbehörden, refp. ihren Statuten, die die Errichtung einer israelitischen Lehrer-UnterstützungS- und Pensionskasse bezwecken, die Sanction der Behörde und dem Vereine selbst Corporationsrechte zu erwirken. Wie sehr auch von Berufsarbeiten jeglicher Art in Anspruch genommen, unterzog sich Herr Oberrabbiner dennoch diesem Geschäfte aufs bereitwilligste. In einem warmen und kräftigen Begleitschreiben überreichte derselbe die in Rede stehenden Statuten den Oberpräsidenten beider Provinzen zur Genehmigung. Diese wiesen sie aber, als zum Ressorte des Unterrichts-Ministers und des Ministers deS Innern gehörend, zurück. Unterm 7. dieses sind die Statuten nun den beiden hohen Ministerien zur Bestätigung vorgelegt worden und ist zu erwarten, daß die betreffenden hohen Ministerien in Anbetracht der Nothwendigkeit und Zweckmäßigkeit der zu bildenden Kasse, welche die traurige Zukunft der israelitischen Lehrer in etwas zu mildern und den Lehrern die Furcht vor dem Verhungern, wenn sie alt und dienstunfähig geworden sind, zu benehmen bestimmt ist, ihre hohe Sanction nicht versagen werden! —• Auch im verflossenen Jahre hat die hohe königliche Regierung zu Düsseldorf auf Empfehlung des Herrn OberrabbinerS mehreren israelitischen Lehrern Gratistcationen zu ertheilen bewilligt. Oesterreichischer Kaiserstaat. Vukowar (Slavonien), im Januar. (Privatmitth.) Gestatten Sie mir, einen hochherzigen Zug eineö im ganzen Umfange deS Wortes wahrhaft Edlen, des Herrn Karl, Grafen von und zu ElSz ic., des hierortigen Grundherrn, im nachstehenden Falle der Oeffentlichkeit übergeben zu dürfen. Seit langen Jahren her wird hierorts der Wochenmarkt an jedem Sonntage abgehalten. In jüngster Zeit jedoch wurde derselbe vom Sonntage auf den Sabbath verlegt. Der Gefertigte, der dadurch den in dieser Beziehung ohnedies nicht zu sehr festen religiösen Boden seiner Glaubensgemeinde aufs Heftigste erschüttert fürchtete, verfaßte hierüber im Einverständnisse mit dem würdigen Cultusvorstande Herrn Sam. Hitler und mehreren achtbaren Gemeindemitgliedern eine Petition um abermalige Verlegung deS Wochenmarktes vom Samstage auf irgend einen Werkeltag, und überreichte dieselbe dem Herrn Grafen. Se. hochgräfl. Gnaden nahmen daS Gesuch in gewohnter Huld freundlichst entgegen, bewilligten Ihrerseits sofort die fragliche Bitte und versprachen auch Seitens der löbl. polit. Behörde sich gelegentlichst hiefür zu verwenden. — Die Erfüllung ließ auch nicht lange auf sich warten, denn schon im Laufe derselben Woche noch wurde öffentlich die definitive Verlegung des Vukowarer Wochenmarktes auf den Donnerstag publicirt. Dank und Lob also dem edlen Herrn Grafen ElSz im Namen meiner Glaubensgemeinde Vukowar! David Löwy, Local- und Bezirks-Rabbiner. Brody, 13. Januar. (Privatmitth.) Heute wurde hier die irdische Hülle eines Mannes zu Grabe getragen, der, eine Zierde dieser Stadt, sich vielfach um dieselbe verdient gemacht und durch seinen Hintritt eine schwer auszufüllende Lücke zurückgelaffen hat, zumal in der hiesigen Jsraelitengemeinde. vr. Ignaz Goldschmidt, StadtphysikuS und Arzt an dem rühmlichst bekannten hiesigen israelitischen Krankenhause, verschied in Folge einer Herzbeutelwassersucht nach funfzehnwöchentlichem Krankenlager am 11. d. M. in einem Alter von kaum 63 Jahren. 1794 zu Preßburg von wenig bemittelten, dem Handelsstande angehörigen Eltern geboren, sah er

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