Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 8 (16.2.1857)
- Date
- 1857-02-16
- Page
- Seite 100 (sequence 6)
- Language
- German
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100 fuhren; mit einem Doppelantlitz zugleich der Bewegung der Geister folgend und zugleich in seinen Forschungen wie in archimedischen Kreisen vertieft; vor Allem aber in den gläubigen Ruf des Atheniensers Aeschylus einstimmend : To 6*ev vixarco „Aber das Schöne soll siegen." Daß er aber von den politischen Idealen der Neuzeit nicht besonders erbaut war, wollen wir ihm am wenigsten verargen. Hammer-PurgstaüS Asche ruht zu Weidling, einem Dorfe bei Kloster Neuburg. Dort hat vor sechs Jahren sein Freund, der unglückliche Dichter Lenau, eine Ruhestätte gesunden vor den Dämonen des Wahnsinnes; nachbarlich berühren sich diese denkwürdigen Gräber. Unter den Wenigen, die bei Schneegestöber der Bestattung des großen Todten beiwohnten, war der Dichter Ludwig Aug. Frankl, der dem Verewigten durch innige Freundschaft verbunden und von ihm auch durch die Widmung einer seiner Schriften — die Dustkörner, wenn ich nicht irre — ausgezeichnet worden war. Aus dem schönen Nachrufe Frankls mögen einige Stellen hier stehen, um unsere Betrachtungen würdig abzuschließen: Und als hätt' er nicht gewonnen Hundertmal schon Sieg um Sieg, Immer wieder die Colonnen Führt er in den Geisterkrieg. Ein Besieger selbst der Jahre, Wuchs Begeistrung ihm und Kraft, Schaffend noch mit grauem Haare, Was die Jugend selten schafft! Dortenher aus goldnen Gärten Blumen bracht' er, Strauß um Strauß, Und ihr gebt ihm zürn Gefährten Keinen in das dunkle Haus? Winter ist es, starr die Bäume, Alle Blumen todt der Flur — Und auf Auserstehungsträume Sinnt die schweigende Natur; Ihre Armuth thut der Frommen Um des Todten willen weh — Und sie läßt die Wolken kommen Mit dem Hermelin von Schnee; Lasset'weich ihn mederwaÜen, Ein Gedankenfürst liegt dü ' Träumend in des Grabes Hallen: „Ist der Morgen noch nicht nah! " Möge der reichbegabte Urheber dieser Verse seine Muse, die seit längerer Zeit feiert, bald aufs Neue thatkräftig austreten und um Beifall und Anerkennung werben lassen. Die großen Bilder und Scenen, die dem Pilger jüngst aus seiner Fahrt nach dem heiligen Lande entgegengetreten, berechtigen in gewissem Sinne die Lesewelt zu der Erwartung: ein größeres Werk werde bald für die lange Zögerung entschädigen. Die wahren Träger der CiviUsation und Humanität. Vor uns liegt dieProclamation, welche der englische Eapitain Jones nach der Eroberung von B u sch ir erlassen hat. Buschir, so nennen die englischen Matrosen verstümmelnd den Namen der Stadt Abuschär oder Bender Abu- Schähr, liegt auf einer Erdzunge am persischen Meerbusen, ist von circa 12,000 Menschen, worunter auch eine Anzahl Israeliten, bewohnt, eine höchst wichtige Niederlassung von persischen und indischen Maaren, der Hafen von Schiras und auch von Karawanen besucht. Sie gehört zu der persischen Provinz Farsistan. Jene Proclamation des englischen Eapitains proclamirt 1) die bürgerliche Gleichberechtigung aller Bewohner, 2) die persönliche Freiheit Aller, 3) die Gewissensfreiheit und ungestörte Uebung aller Eulte. Daher auch sofortige Aufhebung der Sklaverei und Freilassung der jüngst angekommenen Neger. (Man denke an die Sclavenstaaten Amerikas und an die Länder der Leibeigenschaft!) — Man erinnere sich an die schreckliche Lage auch unsrer Glaubensgenossen in Persien, an die Härte, mit der sie behandelt werden, an die Ausstoßung, die sie zu ertragen haben — um der englischen Flagge ein jubelndes Hoch! entgegenzurufen. Das ist wahrhafte Eivilisation! Zeitmigsnachrichten. Deutschland. Frankfurt, im Februar. (Privatmitth.) Unsere frühere Mittheilung in diesen Blättern hinsichtlich der