Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 7 (9.2.1857)
- Date
- 1857-02-09
- Page
- Seite 88 (sequence 8)
- Language
- German
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88 ßen im Leben ein humanes Werk zu gründen, dann reichen sich Alle brüderlich die Hand und beginnen gemeinsam den Bau; daS Mitgliederverzeichniß des Vereins zeigt neben dem Reformer den Mann der Fortschrittspartei und neben beiden Namen, die man gewöhnlich als hervorragend conservativ bezeichnet. Wir erlauben uns eben diesem Berichte noch einen Wunsch anzuschließen. Das Ziel des Vereins ist ein weitumfassendes, cs erstreckt sich auf die jüdischen Lehrer in der ganzen preußischen Monarchie, die Ansprüche werden sich immer mehr steigern, bedeutende Summen werden erforderlich sein, möge er daher bei unseren Gemeindemitgliedern immer größere Theilnahme finden I Aber auch Ihr auswärtigen Glaubensbrüder schließt Euch mit warmer Theilnahme der guten Sache an! Der Verein ist allerdings hier in Berlin gegründet, er zählt bis jetzt hier die meisten seiner Mitglieder, was auch von der hiesigen Gemeinde, die eben so bedeutend durch ihre Intelligenz als durch ihre Geldmittel ist, mit Recht erwartet werden durfte, aber er ist nicht für Berlin gegründet. Schon jetzt stießt die Hälfte der Unterstützung auswärtigen Lehrern zu, und bei längerer Wirksamkeit wird dies noch in weit größerm Verhältnisse stattfinden. Helfet uns also das eben so heilsame als nothwendige Institut immer fester begründen und auödehnen, damit es seinem Zweck vollständig entsprechen kann; es ist nur eine heilige Schuld, die wir Alle den Lehrern unserer Jugend abtragen. 1). ß. Aus der Provinz Posen, Ende Januar. (Privatmilth.) Im Stadtverordneten-Collegium zu Posen, welches 36 Mitglieder zählt, befinden sich gegenwärtig 12 Israeliten. — Der Vorstand der daselbst neu gegründeten „Kaufmännischen Vereinigung" zählt 3 Israeliten unter seinen Mitgliedern. — Der unter den Israeliten Posenö schon seit einer langen Reihe von Jahren bestehende „Verein für Handlungsdiener" hat neuerdings den Collectivnamen „Verein junger Kaufleute" angenommen, an seinen Tendenzen jedoch nichts geändert. — Die jüdische Krankenverpflegungsunb Beerdigungs-Gesellschaft zu Posen hat neulich ihre übliche Versammlung gehabt und Herr Prediger Pleßner in derselben einen Vortrag gehalten, in welchem er das Bedürsniß eines „jüdischen Krankenhauses" für die Gemeinde Posen den Anwesenden mit so ergreifenden Worten ans Herz legte, daß alsbald ein „Aufruf" erschien, durch welchen zu Geldzeichnungen rc. aufs Dringendste aufgefordert wird, um die angeregte Idee sobald wie möglich zur Realisation bringen zu können. — Der im Frühjahre 1855 in Posen gegründete „Israelitische Vorschuß-Verein" (über dessen Entstehung wir auch damals in diesen Blättern berichteten) hat — nach einem neulich von ihm veröffentlichten Verwaltungsberichte — während der kurzen Zeit seines Bestehens schon 185 Personen aus Verlegenheit geholfen und an diese zusammen 819 Thlr. 5 Sgr. als Vorschüsse (Darlehen) verabfolgt. In Bomst ist Ende vorigen Jahres die Synagoge, weil sie baufällig, polizeilich geschloffen worden. Die Gemeinde will eine neue bauen, hat aber nicht die nöthigen Mittel dazu. Vorläufig wird der Gottesdienst im jüdischen Schullocale abgehalten, dessen Raum jedoch zu enge ist, um sämmtliche Gemeindemitglieder fassen zu können. Der Vorstand hat sich an das Ministerium gewendet und bei demselben um die Bewilligung einer allgemeinen Landescollecte „zum Besten des Synagogenbaues" nachgesucht, und hat Hoffnung, seine Bitte gewährt zu sehen. — Die Gemeinde Neustadl b. P. geht ebenfalls damit um, ein neues Gotteshaus zu erbauen, und hofft dabei auch auf die Unterstützung einiger ihrer Landsleute, welche längst nach Amerika ausgewandert und daselbst sehr reich geworden. — Die jüdische Gemeinde zu Kdeczewo (in Polen) hat im vorigen Jahre — mit einem Kostenauswande von nahe an 10,000 Thalern— ein massives Gotteshaus aufgeführt, welches — abgerechnet, daß Omud und Almemor getrennt und letzteres in der Mitte des Schiffes sich befindet — an ihrer sonstigen innern Einrichtung, so wie in Betreff deö ganzen Baustyls, den neuen Synagogen diesseitiger Gemeinden würdig an die Seite gestellt werden kann. Die geschmackvollen Verzierungen um die heilige Lade sind von dem Bildhauer Goldbaum in Bromberg hergestellt. Dieser Mann hat sich durch ähnliche Arbeiten in mehreren neuen Synagogen unserer Provinz bereits einen Namen erworben. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 21. Januar. (Privatmitth.) Nachdem die Predigerfrage glücklich gelöst ist, so gehet der Vorstand daran, wie ich höre, auch die Cantorfrage zum Abschlüsse zu bringen. Leider sind die Gaben, die zu