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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-02-09 · Heft 7 (9.2.1857) · p. Seite 86

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 7 (9.2.1857)
Date
1857-02-09
Page
Seite 86 (sequence 6)
Language
German
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86 Hungen zu seinen Nebenmenschcn musterhaft da; und ich will zu seiner Charakterisirung nur das hervorheben, daß er im Jahre 1848, als jedes Geschäft stockte, keine Arbeiter entließ, indem er erklärte, daß er lieber eine bedeutende Summe Geldes zusetzen wolle, als Familien brotlos machen. Behrend, Lehrer. Elbing, im Januar. (Privatmitth.) Humboldt hat einen Brief an den hier lebenden Verfasser der „Zettfpende der Humanität", Herrn B. B. Hirsch geschrieben, dessen Schluß zu betonen ist. Er lautet: „Ew. Wohlgeboren werden es nur meinem hohen Alter und meiner durch eine bedrückend zunehmende Correspondenz getrübten Lage zuschreiben, wenn ich Ihnen für Ihre die edelsten und darum freiesten Grundsätze wahrer Humanität verbreitenden Reden nur mit wenigen Worten meinen innigen Dank darbringe. Deren Verbreitung ist um so wünschenswerther, als im deutschen Vaterlande selbst die Fortschritte religiöser Toleranz und staatsbürgerlicher Gleichheit der Rechte eben nicht glänzend sind." Nach diesem Briese wird wohl Dr. Brunner in Wien um so eher Gelegenheit nehmen, Humboldt, wie er es vor Kurzem gethan, einen „Seelenmörder" zu nennen! Sie, Herr Redacteur, können sich über die immer wiederholten Angriffe des Wiener Kirchenzeitungs-Redakteurs trösten, da Sie einen solchen erlauchten Schicksalsgenossen haben. Berlin, Anfangs Januar. (Privatmitth.) Hat die Betrachtung der hiesigen theologischen Lehranstalten Schreiber dieses manchen wehmüthigen Seufzer über das gegenwärtig verfallene Thorastudium erpreßt, so freut er sich, betreffs der beiden anderen Tragpfeiler der Religion —!ttd3> und tnon — frohere Mittheilungen machen zu können. Die lang ersehnte Erlaubniß zum Bau einer zweiten Synagoge — deren Kostenanschlag, beiläufig gesagt, sich auf 340,000 Thlr. beläuft — ist in Nr. 3. d. Bl. bereits angekündigt worden und bleibt mir nur noch übrig, das in jüngster Zeit als dringend sich herauöstellende Bedürfniß derselben besonders hervorzuheben. Reue, prachtvolle und ausgeschmückte Gotteshäuser sind heut zu Tage in Deutschland gerade nichts Seltenes, leider finden wir sie nur meist unbesucht und leer. Daß das hier in R^e stehende nicht ein gleiches Schicksal theilen wird, dafür bürgt unö der im steten Steigen begriffene Besuch der Synagoge, die, obwohl circa 2000 Menschen fassend, nicht nur am Sabbath und Feiertag fast gänzlich angefüllt ist; so war es z. B. am ersten Chanuka-Abend ein erhebendes Gefühl, bei hellleuchtenden Gasflammen und der begeisternden Rede deS gefeierten Predigers die Plätze fast doppelt besetzt zu sehen. Es liegen uns somit schon heute die segensreichen — freilich nur dem unbefangenen Auge sichtbaren — Folgen eines neu geordneten, sowohl den alten synagogalen Einrichtungen als auch den Anforderungen der Zeit entsprechenden Gottesdienstes vor. Was endlich n'b betrifft, so beschränke ich mich für heute auf die einzelne Mittheilung, daß wir hier unter den verschiedenen, zu wohlthätigen Zwecken veranstalteten Ausstellungen auch einer solchen jüdischerseits arrangirten begegneten, und zwar von dem 1833 zur Erziehung armer Waisenmädchen gestifteten Frauenverein. Nach dem Jahresbericht deS Vereins, dem auch Ihre Majestät die Königin, so wie Ihre König!. Hoheit die Prinzessin Karl huldreiche Gaben gespendet, hat er zehn Mädchen ausgebildet entlassen. Möge er auch ferner die günstigsten Resultate segensreicher Thätigkeit erzielen. — *• Berlin, 31. Januar. (V. Z.) Heute, Sonnabend, erfolgt in der Gemeinde-Haupt-Synagoge durch den Rabbiner vr. Sachs die feierliche Weihe der neuen Gedächtnißtafel, welche die Gemeinde-Vertretung dem Andenken der verewigten Herrscher Preußens und deren erlauchten Gemahlinnen vom großen Kurfürsten ab, als dem Landesherrn, welcher der jetzigen Berliner jüdischen Gemeinde 1671 General-Concession verliehen, gewidmet bat. Die Tafel enthält in Goldschrift auf blauem Grunde eine entsprechende hebräische und deutsche Inschrift, woran sich die Namen der in Gott ruhenden erhabenen Personen und ein Segenswunsch schließen. Das Ganze ist mit einem kostbaren Rahmen von 11V- F. Höhe und 8 F. Breite umgeben, welchen der Hofbildhauer Sr. Maj. des Königs, Herr I. Alberty, mit großem Kunstfleiß gefertigt, welcher namentlich bei dem gekrönten Adler mit ausgebreiteten Schwingen hervortritt. Dieser auf der Höhe der Tafel befindliche (fast 4 Fuß hohe) Adler möchte in solchen Dimensionen nicht leicht vorhanden sein.

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