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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-02-09 · Heft 7 (9.2.1857) · p. Seite 85

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 7 (9.2.1857)
Date
1857-02-09
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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88 Familien, reducirte sich jedoch in Folge der Auswanderung nach Amerika auf 20 Familien. Dieselben, unterstützt von einigen auswärtigen Gönnern, von welchen insbesondere Herr A. F. B e l m o n t aus Alzei, der 1000 Fl. vorgeschossen und nach 20 Jahren erst als rückzahlbar erklärte, erwähnt werden muß, haben nun größtentheilS aus eigenen Mitteln eine Synagoge erbaut, deren Geschmack, Eleganz und reichliche Ausstattung sicherlich in keiner Landgemeinde ganz Süddeutschlands zum zweiten Mal anzutreffen sein dürfte. Dieses Gotteshaus ist jetzt die einzige und wahre Zierde des Orts geworden. Freitag, am 23. d. M., fand die Einweihung durch den Prediger Herrn Dr. Lewysohn in Worms statt. Herr vr. Lewysohn predigte auch Samstag, an welchem der Gottesdienst von 10 bis 2 Uhr dauerte, so wie am Sonntag, an dem noch einmal die Gemeinde und die Schuljugend zum Abschiede von dem Herrn Prediger in das Gotteshaus sich versammelten. Mehr als 300 Glaubensgenossen von inner¬ und außerhalb des Kreises fanden sich zur Feier ein, und alle begingen ein dreitägiges Fest, das jedem Theilnehmer unvergeßlich bleiben wird. — Die Einweihungspredigt nebst einem geschichtlichen Anhang über den Bau der Synagoge sind dem Drucke übergeben worden. Res. kann nicht schließen, ohne des dortigen Gemeindelehrers, Herrn S. Sonnenberg, rühmlich zu gedenken, welcher den Gesangs - und musikalischen Theil der Feier auf das Befriedigendste zu besorgen wußte. Mögen die fernen Freunde in Amerika , die ebenfalls ihr Scherflein zum Bau dieses wahrhaft prächtigen Gotteshauses beigetragen, beim Lesen dieser Zeilen die gerechte und wohlverdiente Freude sich gönnen. Sie werden später vom hiesigen Vorstand Predigt und Programm zum Andenken zugesandt erhalten. Worms, im Januar. (Privatmitth.) Am 28sten December starb in Mainz ein Katholik, Herr Rentner Georg Reuter, und bestimmte in seinem letzten Willen 200 Fl. für einen katholischen, 100 Fl. für einen evangelischen und 100 Fl. für einen israelitischen Wohlthätigkeitsverein. Dem sei die Nachricht beigefügt, daß Herr V. Koch, Vorsteher des dortigen israelitischen Kranken - Unterstützungs - Vereins, bei dem vor einigen Tagen begangenen Stiftungsfeste, wobei zugleich seine 25jährige Vorsteherschaft gefeiert wurde, eine Collecte für die christlichen Armen veranstaltete, die 30 Fl. 40 Fr. betrug. — Auf dem Gebiete der Ton- und Gesangskunst ist zu berichten, daß nächstens Herr Julius Sachs als Virtuos und Fräulein Margarethe Zirndorfer als Sängerin (Beide dem israelitischen Glauben angehörend) in Frankfurt a. M. auftreten werden. — Die „Archives isra61ites“ enthalten ein interessantes Schriftstück in italienischer Sprache, welches die entschwunden geglaubte Blüthenperiode der Inquisition allzu lebhaft ins Gedächtniß zurückruft. — DaS Lien d’Israel empfiehlt für den neuen Unterrichtsplan, den das Consistorium für den Religionsunterricht der jüdischen Jugend in Frankreich gegenwärtig entwirft, zur vorherigen Prüfung die einschlägigen Schriften von Lewysohn, Stein und Mortara. — Prof. Luzzatto erklärt in den „Wiener Mittheilungen" die von Ihnen auch gebrachte Erzählung (s. No. 7. des jüdischen Volksblattes) in so fern für erdichtet, als jenes Paar, daö auS Feindschaft der Eltern zum Selbstmord getrieben wurde, nicht Israeliten waren. Preußen. Neustadt in Oberschlesien, 20. Januar. (Privatmitth.) Ein hiesiger Damastfabrikant, Herr Samuel Frankel, jüdischen Glaubens, der mit geringen Mitteln durch Umsicht und Beharrlichkeit sich so weit emporgeschwungen hat, daß er gegen zweitausend Arbeiter, meist Familienväter, beschäftigt, die ihr auskömmliches Brot durch ihn haben, wurde von Sr. Majestät dem Könige bei dem diesjährigen Ordensfeste mit dem rothen Ablerorden dccorirt. Bei der großen Achtung, deren Herr Fränkel von Seilen seiner Mitbürger ohne Unterschied der Confession sich erfreut, ist es natürlich, daß die königliche Auszeichnung allgemeine Freude erregt. Man freut sich besonders, daß dem biedern und schlichten Manne, der von allem Stolz und Ehrgeiz fern ist, doch die ihm gebührende Ehre zu Theil wird. Demselben wird auch auf jeder Industrieausstellung durch Ehrenzeichen Anerkennung seiner Verdienste zu Theil. Vor einigen Jahren wurde er von der königlichen Negierung in Oppeln mit einer Presse (Calander) von bedeutendem Werthe beschenkt. Abgesehen von dem Verdienste des Decorirten auf dem Gebiete der Industrie, steht er in seinen Bezie-

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