Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 7 (9.2.1857)
- Date
- 1857-02-09
- Page
- Seite 84 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3226039-3226047--15902-3244723- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Riga 1× ep/1000826
OCR text
84 schreiben, keine leichte Sache ist, und daß eine schlechte schneller vergessen, als geschrieben wird. Als wir, von der Fülle des Materials gedrängt, vor einigen Jahren den belletristischen Theil von dieser Zeitung sonderten und dem „jüdischen Volksblatt" überwiesen, hat man eS uns vielfach verdacht, und am liebsten möchte die Mehrzahl der Abonnenten des Instituts, daß die sämmrlichen Leistungen desselben in — Romanen und Novellen beständen, denn Gedichte und Drama sind nicht weniger unbeliebt geworden. — ES ist hier nicht der Ort, um die Ursachen dieser Erscheinung näher zu erörtern; aber sicher liegt die Hauptsache in der Erziehung und Unterrichrsweise. Schon die Kinder bekommen Erzählungen, Mährchen »c., mit Kupfern verschönt, in die Hände und perhorreSciren bald jede ernstere Lectüre. Und der Unterricht ist mehr daraus bedacht, recht viele „Kenntnisse" dem Gedächtniß aufzupacken, als zum Denken anzuhalten. Der Religionslehrer weiß dieS: wie unentwickelt ist bet den meisten Kindern das Denken! In der gelehrten Welt, in der „Wissenschaft", wie man es vorzugsweise benennt, ist es vorzugsweise die Forschung des geschichtlichen Details, welche Beifall und Anerkennung findet. Ich bin weit davon entfernt, dieser Detailsforschung ihren Werth, ihre Bedeutung für das Ganze der Geschichte abzusprechen. Ohne fie wird die Geschichte oft irre gehen, oft dunkel bleiben. Aber wenn fie sich zur Alleinherrscherin in der „Wissenschaft" machen will, wenn eS ihr auch nicht auf die Bedeutsamkeit deS Gegenstandes ankommt, sondern nur einen Gegenstand zu haben, wenn fie, wie es noch im vorigen Jahrhundert in der allgemeinen Philologie der Fall war, Niemanden gelten lassen will, der nicht Aehnliches treibt — dann führt sie zu einer gefährlichen Kleinlichkeit, um so gefährlicher, da auch sehr mittelmäßige Köpfe auf diesem Gebiete Fortuna machen können. Mit derselben Ausdauer und Hartnäckigkeit, mit der man sich in früheren Zeiten um die Frage katzbalgte: ob ein l2/a Ellen hoch umzäunter Raum pon 5000 Ellen in Quadrat viereckig oder auch von andrer Gestalt sein dürfe, um am Sabbarh den Charakter eines ltesclius hajochid zu haben — mit derselben Energie und Wichtigthuerei verfolgt man jetzt die Jahreszahl eines Grabsteines, einer Edition oder dergleichen. Wer hierin etwas leistet, kann sicher sein, große Anerkennung zu finden, und sich unzählige Male genannt, citirt und gerühmt zu sehen. Dies, mein lieber junger Freund, ist meine Antwort auf Ihre Frage. Entnehmen Sie sich daraus, was Ihnen gut scheint. Ich wünsch« Ihnen, waS Sie auch wählen, stetden besten Erfolg! Vom Institute §nr Förderung der israetitischen Literatur. Eine fröhliche Kunde! Als wir den Druck der diesjährigen Jnstitutsschriften begannen, zählte daö Institut 3000 Abonnenten, und wir ließen daher die Auflage in 3300 Exemplaren bestehen. Seitdem aber sind auö fernen Ländern noch so viele Nachbestellungen angekommen, die wir annehmen mußten, daß bei der jetzt vollendeten Versendung der ersten Sendung bereits derselbe Umstand wie im vorigen Jahre eingetreten ist: dir ganze Auflage von 3300 Eremplaren ist wieder erschöpft, und kein Exemplar mehr abzulaffen! Wir müssen gestehen, daß uns dies große Freude macht, und die Aussicht eröffnet, daß dem Institute noch eine lange und stets wachsende Zukunft bevorsteht — mit Gott! Die Einzelversendung geschieht ferner: für daS Kurfürstenthum Hessen durch die Meßner'sche Buchhandlung in Cassel, für das Großherzvgchum Hessen durch Herrn Buchbindermeister Sänger in Bingen, für Frankfurt a. M. und Umgegend durch Herrn vr. Jost, für die Provinz Sachsen durch Herrn Rabb. vr. Philippson, für England durch Buchhandlung A. Ascher in B e r l i n, für H o l l a n d durch Buchhändler Herrn Joachimsthal in Amsterdam und Oberlehrer Herrn Lu - tomirski in Rotterdam, für Belgien durch Herrn Oberrabbiner vr. L oeb in Brüssel, für Amerika durch Buchhandlung Westermann in New-York und Rev. vr.Mayer in Charleston(S.C.), fürRußland durch Buchhandlung Kymmel in Riga, für die Donaufürstenthümer durch Lehrer Herrn Krassenssohn inBukarest, für Schweden durch Buchhändler Herrn Bonnier in Gothenburg, für Dänemark durch Buchhändler Herrn Philippsen in Kopenhagen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Bechtheim in Rheinheffcn, 26. Januar. (Privatmitth.) Bechtheim, im Rabbinatssprengel WormS, zählte vor wenigen Jahren noch über 30 israelitische