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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-02-02 · Heft 6 (2.2.1857) · p. Seite 74

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 6 (2.2.1857)
Date
1857-02-02
Page
Seite 74 (sequence 8)
Language
German
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% ben.zu werden, daß die dortige dritte Lehrerstelle mit einem bessern Gehalt dotirt worden und der anzustellende Lehrer sich einer Prüfung im Hebräischen bei dem „Herrn Oberrabbiner" unterwerfen muß. Der jüdische Journalismus hat da keinen Eingang gefunden, eben so wenig war im vorigen Jahre irgend eine Betbeiligung an dem Institut der jüdischen Literaturgesellschaft, ob diesmal, kann ich natürlich noch nicht wissen. — In Krojanke war an der allgemeinen Stadtschule die erste und die vierte Lehrerstelle vacant; der dortige Rabbiner, Herr Jadesohn, wandte das Möglichste an, daß wenigstens ein jüdischer Lehrer angestellt werde, damit auch die diese Schule besuchende jüdische Jugend den nöthigen Unterricht in der Religion und im Hebräischen erhalte, und fand der Eifer dieses wackern Rabbiners kräftige Unterstützung bei dem Landraths-Amt; aber gerade bei den jüdischen Magistratsmitgliedern und Stadtverordneten stieß dies edle Projekt auf Widerstand, weil sie eine jährliche Mehrausgabe von 50 Thlrn. für die Gemeinde scheuten. Lieber läßt man die Jugend ohne „Stab und Stütze" in das feindliche Leben hineinwachsen und entfremdet sie der Religion der Väter, als daß ein Mitglied ein Opfer vielleicht von einem Thaler bringen soll. Dies Beispiel steht aber leider nicht vereinzelt da und die Zahl der sogenannten „Hamrazim" gewinnt immer mehr an Zuwachs. Dem Rabbiner Herrn Jadesohn wäre ein anderer, seinem Wissen und rastlosem Eifer für Religion und Wissenschaft angemessener Wirkungskreis von Herzen zu wünschen. Wenn die edlere Pflanze sich entfalten soll, bedarf sie eines milden Klimas und eines fruchtbaren Bodens. — Die Gemeinde Wongrovicc hat jetzt eine prachtvolle Synagoge. Der Bemühung dcS jetzigen Vorstandes ist es zu banken, daß das alte verfallene Gebäude so schön renovirt wurde. Möge derselbe in seinem Eifer nicht erkalten und auch für Ruhe und Anstand im Gotteshause sorgen; möge er dem Verdienste dadurch die Krone aufsctzen, daß er auch die andern Gemeindehäuser, als mp» und Schulhaus in angemessener Weise Herstellen läßt, damit sie nicht einen so grellen Abstich gegen die Synagoge bilden. Wer sich überhaupt Verdienste um die Gemeinde u. s. w. erwerben will, muß bei der Jugend anfangen. — Wongrowiec hat den Verlust eines seiner würdigsten Mitglieder zu beklagen. Vor einigen Wochen starb daselbst im Mannesalter Herr David Rosenheim, ein Mann, dessen ganzes Leben dem Dienste der leidenden Menschheit gewidmet war. Obgleich selbst größtentheils von einem gefährlichen Uebel geplagt, hielt ihn dennoch das ungestümste Wetter selbst in der Nacht nicht zurück, zu dem kranken Glaubensgenossen zu eilen und Trost und Hülfe, so viel er nur konnte, zu spenden. Dabei war er eifrig dem Studium des Talmuds re. ergeben und zeichnete sich durch Wohlthätigkeit und Toleranz vor Vielen seines Gleichen vortheilhaft aus. Noch auf seinem Sterbebette äußerte er vor mir: „Aus voller Ueberzeugung muß ich dem Dr. Philippson in seiner Ansicht über die Piutim beistimmen. Aber in unserer Gegend glaubt der größte Theil, in jedes Stück sei ein wahres Heiligthum hin ein gelegt." Sein Andenken wird bei Reichen wie bei Armen unvergeßlich bleiben. — Danzig, 20. Januar. (Privatmitth.) Ihre „Höchst erfreuliche Kunde" in No. 45. Ihres geschätzten Blattes vom vorigen Jahre ist von den Lesern desselben mit so freudigem Interesse ausgenommen worden, daß ich nicht umhin kann, Ihnen folgende der No. 7. der hier erscheinenden „Neuen Wogen der Zeit" wörtlich entnommene Zeilen mitzutheilen. „Nach amtlichen Ermittelungen sind im Jahre 1856 geboren: in der Stadt Graudenz 342 Kinder, davon 57 unehel. - - - Lessen 65 - - 2 - - - - Rheden 55 - - 2 - aus dem platten Lande 1551 - - 85 - Auf die evangelische Bevölkerung des Kreises kommen davon 1162 Geburten auf die katholische 713 auf die jüdische 37 - auf die mennonitische 1 - Während demnach in der Stadt Graudenz die sechste Geburt eine uneheliche ist, ist auf dem Lande erst die zwanzigste eine solche. BemerkenSwerth ist, daß unter der jüdischen Bevölkerung des Kreises, die mit37 Geburten vertretenist, keine uneheliche vorkommt."*) Herrmann Straßmann, Schulamtscandidat. *) Hier in Magdeburg, einer Gemeinde von 1000 Seelen, ist seit länger als einem Jahrzehend keine un- , eheliche Geburt unter den Juden vorgekommen. Redaet.

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