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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-02-02 · Heft 6 (2.2.1857) · p. Seite 73

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 6 (2.2.1857)
Date
1857-02-02
Page
Seite 73 (sequence 7)
Language
German
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für die Zöglinge der jüdischen Schule eingerichtet worden. Posen, im Januar. (Privatmitth.) Unter den hiesigen Vereinen, welche nächst wohlthätigen Zwecken auch für die Einführung eines zeitgemäßen, geregelten Gottesdienstes wirken, ist der HumanüätS - Verein (früher Kowea Jtim) hervorzuheben. Derselbe hat, Anfangs nur aus circa 40 contribuirenden Mitgliedern bestehend, nicht allein den bisherigen Tempel der hiesigen Brüder-Gemeinde für einen hohen Miethzins auf 10 Jahre acquirirt, sondern auch den Cantor, Herrn Liebling aus Leobschütz, auf 10 Jahre engagirt, der bereits fein Engagement angetreten hat. Da der Verein hofft, an Herrn L. eine gute Acquifition gemacht zu haben, so hat er demselben, in Rücksicht der vielen Kosten, mit denen sein Umzug verbunden war, eine Gratification von 50 Thlrn., so wie 15 Thlr. zur Bestreitung der Niederlassungskosten aus freien Stücken ertheilt. In der jetzigen Zeit des Materialismus muß die Strebsamkeit des genannten Vereins um so mehr anerkannt werden, als derselbe kein Opfer scheut, Alles, was zur Verherrlichung deö Gottesdienstes beitragen kann, selbst mit großen Opfern herbeizuschaffen. Mögen viele Gemeinden unserer Provinz sich hieran ein Beispiel nehmen! — Aus dem Großherzogthum Posen, im Januar. (Privatmitth.) Trotz der Ansicht eines neuen jüdischen Blattes, nach welcher die Zustände der Gemeinde und ihre einflußreichen Organe mit der größten Milde besprochen werden müssen, und das darum als einen Friedensboten sich ankündigt, bleibt es einmal Aufgabe der jüdischen Presse, so wie aus der einen Seite das Gute und Gedeihliche hervorzuhebcn und zur Nachahmung anzurcgcn, so auf der andern die wunden Stellen rücksichtslos aufzudecken, um sie durch ätzende Mittel um so eher heilen zu können. Darin eben unterschieden sich ja die wahren von den falschen Propheten, daß jene die Geißel ihres gewaltigen Wortes über alle Diejenigen schwangen, welche zum Verderben Israels beitrugen, während diese sie noch in Schutz nahmen. Wenn ich richtig verstehe, so scheint die Allg. Zeitung d. Jud. im Sinne dieser großen Vorbilder zu wirken und bringt daher nicht selten Berichte und Kritiken, in denen Persönlichkeiten stark mitgenommen werden. Die Sache, die sie vertritt, gilt ihr höher als die Person*). Die einschneidenden Artikel deS westgalizischen Reisenden haben trotz der vielen Entgegnungen wohl mehr Gutes gewirkt, als wenn er sagte, daß die dortigen Zustände nichts zu wünschen übrig lassen. Dieser für unsere Religion und Jugend so warm fühlende Wanderer hat gewiß Viele auS ihrer Lethargie aufgerüttelt, waS gerade diese Repliken beweisen, und hat darum nicht geringe Verdienste. Eben so haben die geistreichen „Wiener Briefe" eine freudige Sensation erregt, obgleich sich allgemeine Theiluahme und Bedauern für die talentvollen und anerkannten Redner zeigte. Ob es dem Friedensboten gelingen wird, seine Aufgabe aus friedlichem Wege zu lösen, das wird die Zukunft lehren. Ich erlaube mir heute ebenfalls eine kurze Revue abzuhalten. In Bromberg wird eine mehrclassige jüdische Religionsschule, welche die ganze Jugend berücksichtigen könnte, stark vermißt, cS bleibt daher den Eltern gänzlich überlassen, für den wichtigsten aller Unterrichtsgegenstände auf irgend eine Weise zu sorgen, oder lieber dafür nicht zu sorgen. Der dortige Rabbiner, Herr Dr. Gebhard, dessen inhaltsvolle Predigten auch viele Christen heranlocken, soll diesmal am Sylvesterabend weder in dem wissenschaftlichen Vereine zur Feier dieses Abends eine Rede gehalten-noch überhaupt denselben besucht haben; sonst versteht es Herr 0r. Gebhardt durch seine Vorlesungen, die von Männern aus allen Consessionen zahlreich besucht werden, Interesse für jüdische Wissenschaft zu erregen. — In Rakel haben sich die Parteien, die sich wegen der Wahl deS dortigen Rabbiners so grimmig gegenüberstanden und bitter verfolgten, endlich völlig auSgesöhnt, und ist dies hochwichtige Ereigniß durch ein viel gelesenes politisches Blatt veröffentlicht und durch ein Versöhnungsmahl von der ganzen Gemeinde gefeiert worden. Nun kann der Herr Oberrabbiner —? sich einer gemächlichen Ruhe hingeben, da ihn Niemand mehr daraus stören wird. Es verdient hervorgeho- *) 3a wohl. Weder Rabbinen noch Vorsteher dürfen aus den Nimbus der Unverletzlichkeit Anspruch mache». Wo bliebe denn auch die einzige Stätte der Verantwortlichkeit für die, welche von Gott und der Gemeinde ein heiliges Amt übernehmen? Oder soll das Judenthum nur zur milchenden Kuh oder dem Gefäß des Ehrgeizes werden? Redact,

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