Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 6 (2.2.1857)
- Date
- 1857-02-02
- Page
- Seite 72 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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72 beiteten, schönen silbernen Pocal zum Geschenk gemacht, welchen die Embleme deS Journals schmückten. Aus G log au, wo er seinen Wohnsitz als Direktor der Niederschlesischen Zweigbahn hat, war ihm gleichfalls ein sehr schönes Geschenk zugekommen, ein Album, mit Zeichnungen, Gedichten, Gedenksprüchcn, Adressen, die theilS von den College« des Gefeierten bei der Eisenbahnverwaltung, theils von den Stadtverordneten Glogaus, zu denen er gehört, theils von Freunden und literarischen Genossen herrührten. Das Titelblatt war mit den photographirten Bildnissen seiner Gattin und Kinder geschmückt. — Eine Gesellschaft von etwa 150 Personen, auch viele Damen, hatte sich zur Abendtafel versammelt. Als Ehrengäste waren dabei zugegen: der Wirkliche Geheime Rath und RegierungS-Chef-Präsident S. E. der Graf R i t t b e r g , der General - Post - Direktor Schmückert, der Geheime Ober-RegierungS-Rath a. D. I a c o b i. Außerdem sah man nächst den Verlegern deS Blattes, den Herren Veit und Lehfeld, sämmtliche bei der Verwaltung und Redaction desselben betheiligte Personen, insbesondere die zahlreichen literarischen Mitarbeiter; auch waren die Vertreter der periodischen Presse Berlins überhaupt in großer Zahl anwesend. (Auch wir bringen dem verdienstvollen Redakteur, Herrn I. Lehmann, unserem Glaubensgenossen, den herzlichsten Glückwunsch dar! Redact. d. Allg. Zeit, d. Judenth.) Aus der Provinz Posen, 15. Januar. (Privatmitth.) Die Synagogengemeinde Posen, die größte in der Provinz, zählt — bei ca. 8000 Seelen — 1063 Steuerpflichtige, welche zusammen für dieses Jahr 6520 Thlr. aufbringen müssen. Die Repartition ist nach dem Einkommen angelegt und die Steuer in progressiven Procentsätzen festgestellt, so daß das niedrigste Einkommen, — nämlich das von 150 Thlrn., — nur mit einem Viertelprocent, das höchste Einkommen, — nämlich das über 6000 Thlr., — schon mit zwei Procent besteuert ist. Die einkommenden Gelder werden zur Bestreitung der CorporationSbedürfnisse, namentlich aber zur Verzinsung rcsp. Tilgung der aus ältern Zeiten herstammenden Gemeindeschulden verwendet. — In der jüdischen Ressource zu Neustadt b. P. werden von dem dasigen Rabbiner Hamburger über „MoseS Mendelssohn und dessen Einfluß auf Cultur und Bildung der Juden und des Judenthums" Vorlesungen gehalten. — In der Gemeinde Pinne ist vor Kurzem ein neuer Vorstand gewählt und mit diesem Acte — wie man hofft — den bisher herrschend gewesenen Zerwürfnissen ein Ende gemacht worden. — Der Rabbiner von Kolo (Russisch-Polen) ist zum Rabbiner der großen Gemeinde Kalisch erwählt worden. — Das Rabbinat zu Jnowraclaw ist dagegen noch immer unbesetzt, eben so daS zu Fraustadt und das zu Krotoschyn. — In Schneidemühl haben die jüdischen Fleischer — weil ihnen eine höhere Krupka- Steuer aufgelegt wurde — das Schlachten eingestellt und dadurch, wie man sich denken kann, den jüdischen Familien daselbst große Verlegenheiten bereitet. Wer auf den Fleischgenuß nicht gänzlich verzichten will, ist gezwungen, sich Koscherfleisch aus Bromberg oder anderswoher kommen zu lassen, — was aber selbstredend einen großem Kostenaufwand erforderlich macht. Die Erhöhung der Krupka sollte die Mehrausgaben decken, welche der Gemeinde durch die im vorigen Jahre beschlossene Besserstellung der Lehrer und Cultusbeamten erwachsen waren. Daß das Krupkawesen überhaupt, wie es in unfern Gemeinden eingeführt ist, sehr oft zu Spaltungen und Zerwürfnissen die Ursache wird, ist längst bekannt. Aus der Provinz Posen, 13. Januar. (Privatmitth.) Der Anfangs November v. I. in der Synagogengemeinde Lissa stattgehabten Neuwahl von Repräsentanten ist — in Folge des von einer gewissen Partei dagegen erhobenen Protestes — Seitens der Königl. Regierung zu Posen bis auf Weiteres die Bestätigung verweigert worden. — Durch die in der Gemeinde Wöllstein seit längerer Zeit bestehende „Gesellschaft der Freunde" sind in diesem Winter wiederum 12 arme Schulkinder vollständig bekleidet worden. In der am letzten Abende deS verflossenen Chanuckah-Festes abgehaltencn Generalversammlung genannter Gesellschaft wurde von dem ersten Vorsteher derselben ein Verwaltungsbericht erstattet, auS welchem hervorging, daß der eiserne Fonds des Vereins auf ca. 225 Thlr. sich beläuft. Den später herbeigeholten und der Versammlung vorgestellten bekleideten Kindern wurde aus Vereinsmitteln ein heiterer Abend bereitet. — In derselben Gemeinde ist neulich Seitens des Vorstandes eine „Jugend - Bibliothek"