Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 6 (2.2.1857)
- Date
- 1857-02-02
- Page
- Seite 69 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226039-3226046--15886-3244706- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
60 49ste oder 50ste sei, und bleibt bei dem System des R. Jehuda stehen, daß die Dauer der Jobelperiode aus 49 Jahren bestehe, daß das 49ste Jahr das 7te Sabbathjahr, das 50ste Jahr das zu feiernde Jobeljahr und zugleich das Iste Jahr des 8ten Sabbathjahrcyclus und der zweiten Jobelperiode sei, und zwar aus mathematisch chronologischen Gründen. Den Jahresanfang der Sabbath- und Jobeljahre bestimmt er auf den 1. Tischri. Die zweite Frage ist über den Anfang der Sabbathjahr- und Jobelära. Der Verfasser kann hier nur referiren, nimmt aber ebenfalls an, daß wahrend des babylonischen Erils diese Aera unterbrochen ward. Nach dem Eril hörte die Jobelfeier gänzlich auf, dagegen bestand die Bodenfeier und das Zählen der Sabbathjahrcyclen factisch, und zwar auch nach der Zerstörung des zweiten Tempels. Um ein Sabbathjahr zu bestimmen, giebt es in der Bibel keinen Anhalt; erst in der nachmakkabäischen Literatur finden sich historische Angaben über drei wirklich gefeierte Sabbathjahre und zwar die vorchristlichen Jahre 135 und 37 und das nachchristliche Jahr 69. Der Verfasser fügt eine Sabbathjahrstafel hinzu. — Das Programm spricht sich über die bei dem Seminar gehaltenen Lektionen aus, dessen Rabbinerabtheilung von 29, Lehrerabtheilung von 3 Hörern besucht wird. Brody, 20. Januar. Es wird in No. 3. d. Bl. als Redacteur der zu Lemberg in hebräischer Sprache erscheinenden Zeitschrift Hechaluz Herr M. Dubs genannt, während der Antheil dieses Herrn sich blos auf einige kleine Beiträge und auf Ueberwachung des Druckes beschränkt. Wirklicher Redacteur und Herausgeber dieser Zeitschrift ist der hiesige Gelehrte Herr Osias H. Schorr, von dem sich zahlreiche mit den Initialen .■» .n bezeichnte Beiträge finden. Es wundert mich, die drei bereits erschienenen Hefte des Chaluz in Ihrem geschätzten Blatte nicht besprochen zu sehend) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Auö Württemberg, im Januar. (Privatmitth.) Das abgelaufene Jahr hat vor seinem Schluffe noch erfreuliche Kundgebungen zum 25jährigen Bestehen un- *) Weil sie bis heute uns noch nicht zugekommcn sind. Redact. serer israelitischen Oberkirchenbehörde gebracht. Adressen aus verschiedenen Landestheilen legten den Dank der Bevölkerung in biederen Schwabenworten der Behörde und ihren Gliedern dar. Besonders aber galt die Agitation dem einzigen, seit der Gründung der Behörde an ihr noch segensreich wirkenden Mitgliede, Kirchenrath vr. Maier, der in der dankenden Begeisterung der Israeliten des Vaterlandes eine schöne Anerkennung für sein viertelhundertjähriges Wirken für Synagoge, Schule und Wissenschaft gefunden hat. Hätte nicht die Gemeinde Stuttgart, an der zugleich Kirchenrath Maier als Seelsorger wirkt, dessen 25jährigeS Jubiläum als Rabbiner, das im nächsten Jahre stattfindet, abwarten und somit ein Doppelfcst veranstalten wollen, so wären aus den verschiedenen Kreisen des Landes besonders dazu abgeordnete Notablen erschienen, um in der Person deS theologischen Mitglieds der Königl. Oberkirchenbehörde ihre Huldigungen darzubringen. — Der erste Bürger unseres Staates aber, unser edler König Wilhelm, der Nestor der Monarchen, Held im Kriege, wie erhabener Förderer der Friedenswerke, ist wie in allem Guten, auch diesmal seinen Bürgern und Unterthanen als Vorbild vorangeschritten und hat dem Rabbinen Stuttgarts, Mitgliede der Königl. israelitischen Oberkirchenbehörde Pr. Joseph Maier daS Ritterkreuz deS Friedrichsorden allergnädigst verliehen. Wenn durch diese Gnade unsere israelitische Behörde, unsere Glaubensgenossen in der Residenz, alle Israeliten des Vaterlandes und besonders der Decorirte geehrt sind, so ist dieser Gnadenact doch am meisten wieder ein Beweis der edlen, humanen, väterlichen Gesinnung unseres Landes» atcrs, der in einer Zeit, in der die Intoleranz an Höfen wie in Volkskammern ihr Haupt erhebt, sich als Vater aller seiner Unterthanen beweist, eingedenk dessen, daß wir auch nur einen liebenden Vater im Himmel über uns haben. Rabbiner Maier war dazu berufen, daß in ihm, von einem Könige, der jetzt schon in allen deutschen Gauen „Wilhelm der Gute" genannt wird, Israel geehrt und verherrlicht wurde. Wir werden in unsrem nächsten Berichte die näheren Details dieses frohen Ereignisses geben. — Die Meziza ist durch Erlaß der Königl. Oberkirchenbehörde aufgehoben, und der Beschneidungsact gesetzlich geregelt. 6* A. E.