Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-01-26 · Heft 5 (26.1.1857) · p. Seite 62

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 5 (26.1.1857)
Date
1857-01-26
Page
Seite 62 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3226039-3226045--15878-3244697
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

62 näheren Bestimmungen über iTiU'Nw u. s. w."? — Darauf glaubt nun der yibn Folgendes erwiedern zu müssen: „Ich will Euch aber nun im Geheimen etwas sagen, und zwar, daß alle die Gesetze von ybsn und r^st weit hergeholte Asmachtos sind, daß zur Zeit der Gaonim der Gebrauch von Tefillin gar nicht verbreitet in Israel gewesen, ja, daß es Orte gegeben, wo gar keine Tefillin gelegt wurden u. s. w." — Betrachten wir nun den yibn nach dieser Erpeckvration, so kann es unS wahrlich gar nicht wundern, wenn der befangene jüdische Leser, für den doch der yibn zur Aufklärung geschrieben wurde, nachdem er in einer Anwandlung von Neugierde, oder gar Wißbegierde bis zu jener Stelle im ychn gelesen, denselben nach Anschauung jenes kühnen Handstreiches auf Tefillin gekränkt aus der Hand legt, und gewiß nicht mehr weiter liest. — Könnten wir jenen Leser darob tadeln? ist es Sache eines begeisterten Kämpfers für reinen jüdischen Glauben, Gebote wie Tefillin und Zitzis, die im heiligen Boden der Thora wurzeln, gleichsam zu profaniren, indem er den Glauben an deren Heiligkeit zu erschüttern versucht? ist cs logisch, Tefillin selbst mit der Art und Weise ihrer Schrift und mit deren "rup in eine Kategorie zu stellen? — und wenn es schon Orte gegeben, wo zur Zeit der Gaonim die Tefillin nicht im Gebrauche waren, sind sie darum als religiöses Gebot minder heilig? — Doch wozu dem yibn Dinge sagen, die er bei seiner immensen Belesenheil wohl eben so gut als irgend ein Rabbiner wissen muß! — Wir fragen ihn blos — abgesehen von feiner religiösen Auffassung — ist cs praktisch, ist eS zweckmäßig, während man gegen Aberglaube, gegen Zelotismus und Intoleranz in religiösen Dingen zu Felde zieht, Gebote, wie Tefillin und Zitzis, die, ohne der Aufklärung irgendwie zu schaden, in ihrer Heiligkeit bestehen sollen und müssen, in den Augen des jüdischen Volkes herabzusctzen, oder auch nur als minder heilig darzustcllen? bringt sich der pbn nicht dadurch schon im Vorhinein um seinen Credit in den Augen der Masse? und für diese ist ja doch der yiVn zunächst geschrieben — hat es sich der yibn dann nicht selbst zuzuschrciben, wenn ihn der orthodoxe galizianische Jude auf den inclex librorum prohibitorum stellt? — Auch an Herrn Kroch - mal, der sich es zur Aufgabe gemacht hat, die von dem Talmud im Gebiete von mBPö aufgestellten Theorien größtentheils als unwissenschaftlich und als Jrrthümer zu erklären, hätten wir im obigen Sinne manche Frage zu stellen, glauben aber, so Gott will, bei einer nächsten Gelegenheit zugleich auf dessen Rubrik -nban nsais im pbrt näher einzugehen. Mit dem im yibn herrschenden Geiste haben wir durch das angeführte Beispiel den Leser dieser geschätzten Blätter zur Genüge bekannt gemacht. — Der Styl im yi8n ist über alles Lob erhaben rein, glänzend und witzig. — Dr. Ehrentheil, Rabbiner. AuS Mähren, im Januar. (Privatmitth.) Am 18. November verlor Lomnitz einen seiner edelsten Männer, Herr Abraham Ho sin an n starb in seinem 55sten Lebensjahre. Er war nicht gelehrt, nicht reich, von Profession ein Tuchmacher, aber ein Mensch inseiner schönsten Bedeutung. Er war der sorgsamste Hausvater, der getreueste Freund, der loyalste Bürger. Wie Abraham unser Stammvater war er gastfrei, sein Haus stand jedem Fremden offen, und zählte dieser sich zu den Gebildeten, wurde er fetirt. Jeder Unglückliche ohne Unterschied deS Glaubens war ihm empfohlen, nie hat ein Armer sich vergebens an ihn gewandt; die Wittwcn, die Waisen, die armen Studirenden, die Handwerkslehrlinge kannten ihn nur allzugut. Die Schule, die er als Vorsteher ins Leben ries, hatte sich seiner regsten Theilnahme zu erfreuen, wie er überhaupt ein Beförderer alles Guten und Gemeinnützigen war; dabei war er anspruchslos, ohne allen Ehrgeiz that er das Gute um des Guten willen. Friede seiner Asche! Frankreich. Paris, im Januar. Von dem auf so schreckliche Art ermordeten Erzbischof von Paris erzählt eine Correspondenz folgenden rührenden Zug aus dem Munde des Betreffenden selbst. „Die Antecedentien des Herrn v. Sibour sind bekannt. Von den Tobten jedoch soll man nur Gutes reden, deshalb lassen wir den öffentlichen Charakter, um zu bemerken, daß Herr Sibour ganz außerordentlich wohlthätig war und daß diese Eigenschaft nickt blos seinen nothleidenden Glaubensgenossen zu Gute kam. Wir kennen eine deutsche israelitische Familie, deren ganze Aussichten auf eine baldige Verbesserung ihrer Lage mit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.