Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 5 (26.1.1857)
- Date
- 1857-01-26
- Page
- Seite 61 (sequence 9)
- Language
- German
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61 irgendwo sich gewöhnt hat, dies Blatt als Organ deS geistigen Fortschrittes in Israel und als maßgebend in religiösen Zeitfragen zu betrachten. Sie werden wohl, geehrter Herr Redacteur! eben w.il Ihr Blatt sich als unparteiisches Organ für religiöse Interessen unserer Nation so getreu bewährt, mir gestatten, eö hier öffentlich auszusprechen, daß eben der gemäßigte, aus sich selbst durch die Macht des Geistes sich entwickelnde Fortschritt, dem Sie so oft und so warm das Wort reden, diesem Blatte, daS den Stempel der Innigkeit und Wahrheit an sich trägt, Eingang in die Herzen aller gläubigen Lichtfreunde im Judenthume verschafft. — Im Namen aller jener gleichgesinnten Männer in Israel rufe ich Ihnen auch zu diesem neuen Jahrgänge ein herzliches Ins zu. Wir verkennen nicht daS edle Streben begeisterter Männer in jüdischen Kreisen, die mit wahrhaft heroischer Ausdauer gegen Aberglaube und Vorurtheile, gegen Ertravaganz und Jndifferentismus im Judenthume ankämpsen, wir verkennen nicht den edlen Muth, mit dem wahre Lichtfreunde gegen den in neuester Zeit in gewissen Kreisen sich so unbändig geberdenden und als alleinseligmachend auftretenden Zelotismus zu Felde ziehen, ja, wir gestehen es aus innigster Ueberzeugung, daß die nur allzubekannten Bamehmadlikin- und Jekumpurkankämpfe, selbst wenn sie von Seiten weltlicher Machthaber sich den Lorbeer erringen, doch dem Jubenihume lange nicht so viel geistigen Gewinn (?) bringen, als sie der jüdischen Religion eben durch jene nicht immer in würdiger Weise geführten Kämpfe an Ansehen geraubt haben. So sehr wir daher Allen, die dem gemäßigten geistigen Fortschritte auf religiösem Gebiete mit ihren geistigen Kräften unter die Arme greifen, unsere Achtung und innigste Dankbarkeit zollen, eben so sehr müssen wir uns aber kraft unserer innersten Ueberzeugung mit der sich überstürzenden Richtung auf diesem Gebiete als durchaus nicht einverstanden erklären, und schmerzt es unö, den sonst so wackern und reichbegabten Bannerträgern jener Richtung die Anerkennung, die wir dem edlen Streben so gern zollen, um der heiligen Sache unserer Religion willen auf diesem Wege versagen zu müssen. — In ähnlicher Weise geht eö uns mit dem uns nun in 3 Bänden vollständig vorliegenden in Lemberg erscheinenden „yi^nii". Der „Gewappnete" birgt unter dem harmlosen Titel „Abhandlungen überjüdische Geschichte, Alterthumökunde u. f. w." die scharfen und glänzenden Waffen des Geistes und sprühenden Witzes, mit denen er in lobenswerther, nicht genug zu würdigender Absicht gegen Aberglaube und Vorurtheil, gegen diese im Laufe der Jahrhunderte an dem geweihten Baume des Glaubens entstandenen Auswüchse einen Vertilgungskrieg eröffnet. — Der Schauplatz, auf dem der „yiVn" seine Thäligkeit entwickelt, ist Galizien, und ob cs auch selten eine Gemeinde giebt, in deren Mitte nicht mancher geistige Auswuchs, manches Unkraut im Weinberge des Herrn für die scharfe Klinge des yi:n längst reif geworden wäre, so ist es doch eben Galizien, der Herd des Aberglaubens, das Labyrinth verkehrter ReligionSbegriffe, wo dem yibn eine weite Arena für seine Thäligkeit eröffnet ist — ja dort, wo der unselige Chassidismus noch in optima form» sein Unwesen treibt, dort, wo der finstere Geist der Unduldsamkeit und des Vorurtheils unter einem guten Theile unserer Glaubensbrüder noch der Sonne der Ausklärung um jeden Preis de» Eingang in Schule und Haus zu verwehren bemüht ist, dort könnte und müßte der yibn sich seine Sporen erwerben, dort vor Allem durch den endlichen Sieg des Geistes seine Waffen weihen, zum ferneren Kampfe für Lickt und Wahrheit, für geläuterten Glaube» und geistige Bildung. Ob dies aber dem yibn in seiner gegenwärtigen Taktik gelingen wird, ob der Feldzugsplan richtig entworfen, ob das Ziel des Kampfes gehörig ersaßt worden, daS sind Fragen, die wir, so ungern wir es auch thun, doch verneinen müssen. Es würde zu weit führen, dem yibn auf allen seinen Streifzügen im Gebiete unserer Religion zu folge», und zu beweisen, wie er, gleich dem allzukühnen jugendlichen Streiter, hier und da zu weit gegangen; wir wollen beispielsweise nur eine Stelle anführen, die uns zur Genüge zeigt, wie wenig geeignet ein derartiger Kampf ist, dem Streiter den Sieg, und was mehr ist, endlich auch die Anerkennung des Besiegten zu verschaffen. Im jüngsten Hefte 1856 S. 16. läßt Herr viN' (H. Oseas Schorr) in einem höchst geistreichen und im glänzendsten hebräisch.» Style geschriebenen Aufsätze in einem Zwiegespräche zwischen dem yibn und einem galizischen Rabbiner den Letzteren in Beziehung auf das Buch pn"n vom Rabbiner zu Fulda sagen: „wäre N'iin nicht, woher wüßten wir die genaue Bezeichnung der Stelle zum Anlegen der ybsn? woher die Art und Weise ihrer Schrift? woher die 5