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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-01-26 · Heft 5 (26.1.1857) · p. Seite 60

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 5 (26.1.1857)
Date
1857-01-26
Page
Seite 60 (sequence 8)
Language
German
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60 Wien, 8. Januar. (Privatmitth.) Am letzten Sonntag fand das Festmahl der Chewra Kadischa statt. Wieder zeigte es sich, daß unsere Altvordern praktische Männer waren. Es waren und sind derartige Sudoth wirklich Sudoth schel mizwah. Mehr als hundert neue Mitglieder traten dadurch dem Vereine bei, (das sogenannte Einkaufsgeld ist 25 Fl. und der jährliche Beitrag 10 Fl.) und die heitern Säle beim Sperl vereinigten beiläufig 250 Personen (Biele von Denen, die Karten zum Diner lösten, erschienen nicht und darunter viele reiche Leute, die zu der crörne de la cr6me der baute finance gehören). Das Festmahl begann mit einer Cantate, componirt von Herrn Sulzer jun., vorgctragen von Herrn Sulzer, Obercantor, mit Begleitung eines verstärkten Chores. Wieder bewährte sich die außerordentliche Meisterschaft Sulzers. So oft der Mann funclionirt, erhebt er alle Herzen. Während deS Diners hielt Herr Prediger Mannheimer eine Ansprache. Sie war dem Stoffe gemäß ernst gehalten. Dieser Meister der Rhetorik verstehet eS aber auch, den Ernst durch ein gewisses parlando zu mildern, daS auch dieses Mal seine Wirkung nicht verfehlte. Er forderte die Anwesenden auf, sich mit Gaden zum Ankäufe des neuen Gottesackers und zur Einfriedigung desselben zu betheiligen. Zugleich befürwortete er den Ankauf der Familiengrüfte, die in neuester Zeit eingerichtet wurden, anlehnend an das Wort deS Patriarchen in d^r Parafcha w vdsiöi ■’rvns. Hierauf laS der Vorsitzende dieser Chewra, Herr Verirrter Heinrich Sichrovsky, den Bericht über das Gebühren deS Vereines. Derselbe wird jetzt gedruckt und ich werde Gelegenheit haben, Ihnen denselben vvUständig zuschicken zu können. Dann brachte Herr Mannheimer einen Toast auf Se. Majestät den Kaiser aus (der Saal war mit dem Bildnisse des Kaisers geschmückt). Er hob dabei heraus, mit welcher Bereitwilligkeit Se. Majestät den Ankauf deS neuen Gottesackers bewilligt hat. Hoffen wir, sprach er beiläufig, daß das Recht, das er den Tobten gönnt, auch den Lebenden nicht versagen werde. Ein dreimaliges Hoch „auS voller Kehle und Seele" ertönte und Sulzer mit dem Chore sangen in ausgezeichneter Weise die Volkshymne: Gott erhalte rc. Nachher brachte Herr Vertreter Leop. v. Wertheimstein ein Hoch auf die Vorsteher der Chewra aus, eS war ein Vortrag, in schönem und edlem Style gehalten. Nochmals erhob sich Herr Sichrovsky und brachte einen Toast auf die allen und neu eingetretenen Mitglieder der Chewra aus, bei dem wohl kein Auge thränenleer blieb. Es waren männlich schöne, edle Worte, voll Innigkeit und Herzlichkeit. Er begann: Geehrte Herren, theuere Freunde, liebe n'nan! Er erzählte dann, 'daß er seit dem Jahre 1817, also seit vierzig Jahren Gabai dieser Chewra sei. Keiner von Denen lebt mehr, mit denen er daS Amt angetreten hat, und freuet sich, daß jetzt der Verein mächtiger und kräftiger als je zuvor sei. Zugleich hob er dabei hervor, daß nach wie vor die thalkräftige Betheiligung noth thue. Er schloß mit D'aia a^nb. AlleS stimmte mit ein in den Toast, den Sulzer dann auf ihn ausbrachte mit den kurzen Worten cp:« nwa *w. Zum Schluffe wurde noch ein Toast auf die Vertreter getrunken. Ich darf auch eines gedruckten Toastes nicht vergessen. Herr M. E. Stern widmete nämlich einen „Willkommcnsgruß" hebräisch und deutsch den Mitgliedern der Chewra. Die Subscription betrug beiläufig 12,000 Fl., wie Sie sehen, ein recht artiges Sümmchen. Zum Schluffe muß ich auch deS Diners selbst gedenken. Dieses war in den Händen des auf dem Gebiete der Gastronomie rühmlichst bekannten Traiteurs Herrn Ehrmann, und das Werk war deS Meisters würdig. Ich will eS den großen englischen Journalen nachmachen und lege Ihnen den Speisezettel bei: Suppe: Oleo, Pasteten, Hachs, Juliene. — ASpic: Galantin v. Indian m. Aspic; Straßburger Pasteten.— Fische: Rheinlachs & l’hollandaise; Schiel mit Trüffeln. — Fleischspeisen: Boeuf 5 la mode; Beefsteak ä l’anglais.— Gemüse: Grüne Fisolen m. Ganleber; Zuckererbsen m. Lammscotelette. — Ragout: Braunes Ragout v. Repphuhn. — Mehlspeisen: Schaumkoch v. Aprikosen; Pudding ä la Lobkowitz. — Braten: Fasan, Indian, Steierischer Capaun, Ente. — Bäckcreien u. Compots. Horic, im Januar. (Privatmitth.) Wie alljährlich, wurde auch diesmal beim Beginne des neuen Jahrganges Ihres geschätzten Blattes dasselbe mit wahrer Freude in unsern hiesigen Kreisen begrüßt, um so mehr, als man hier vielleicht mehr als sonst

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