Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 5 (26.1.1857)
- Date
- 1857-01-26
- Page
- Seite 57 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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57 zahl der Luden, welchen eine frühere Erlaubniß gewährt ist, wie Polen und die westlichen Gouvernements. Es tröstet wenig, daß dabei die Taufe nicht als Ausflucht gestttet wird, sondern wir fragen nur: warum schon wieder Ausnahmen, und so harte, den Juden aufgebürdet werden, da fie eben begonnen, etwas aufzuathmen?! Literarischer Wochenbericht. * La parola scritta, eine Eröffnungsrede für das Studienjahr des Rabbinerinstituts zu Padua, am 15ten November 1856 gehalten vom Professor Lelio della Torre. Pavova 1857. Der verehrte Redner unterscheidet das gesprochene, das symbolische und das geschriebene Wort in Israel, nicht aber in dem gewöhnlichen Sinne von "araia trmn und 2Z7I22D 'n, sondern indem er darunter die Entwickelung der wirklichen Rede und Schrift, also unter dem „geschriebenen" Wort auch Talmud, Midrasch, die ganze jüdische Literatur versteht. Da er nun in einer noch ungedruckten Rede über das „gesprochene Wort" verhandelt hatte, so zeigt er hier in großen aber scharfen Umrissen, wie die schriftliche Literatur zwar zu aller Zeit in Israel ein Ausfluß der Rede gewesen, sich aber stets unmittelbar an diese gelehnt hat, so daß unser Stamm eben so sehr ein Volk der Rede, wie der Schrift genannt werden kann. Der Unterricht durch das lebendige Wort ging immer wieder von Neuem auf, wenn eine Periode sich in einem großen Literaturwerke abgeschlossen hatte, und umgekehrt resultirte stets eine große Epoche des Worts in ihrer schriftlichen Ausprägung. Eine Menge fruchtbarer Bemerkungen zeichnen diese Rede aus, welche in dem eleganten, correcten und beredten Italienisch abgefaßt ist, dessen wir uns immer an dem Verfasser zu erfreuen haben. — Hymns written for Ihe use of Hebrew Congregations. Charleston 8. C. 5616. Diese zweite vermehrte Auflage der für die Gemeinde Betli-Elohim verfaßten Gesänge, welche die Unterschriften?. M., C. M. C., M. M. (Dr. M. Mayer, jetzigen Prediger dieser Gemeinde,) haben, liegt in reichster Ausstattung vor uns. Sie sind theils Bearbeitungen von Psalmen und Bibelversen, theils selbstständige Lieder, und handeln über Gott, Mensch, Offenbarung und Religion, Tugend u. s. w., woran sich Sabbath-, Fest-, Confirmations- und Schulgesänge schließen, in Summa eine Anzahl von 210 Liedern. Sie athmen aüesammt eine wahrhafte Gottesverehrung, den geklärtesten religiös-sittlichen Geist, Demuth, Hingebung an Glaube, Liebe und Recht. In den verschiedenartigsten Maßen mit wohlklingendem Reim, in fließender, beschwingter Sprache, nicht zu gedehnt, dem Volke leicht verständlich, schließen sich diese Lieder den besten auf hymnologischem Gebiete an. Von Fortsetzungen sind uns in diesen Tagen das dritte Heft der hebräischen Uebersetzung des Koran durch Reckendorf, welches das eigenthümliche Unternehmen ein gutes Stück weiter fördert, so wie das zweite Heft der von Joseph Kobak in Lemberg herausgegebenen Zeitschrift „Jeschurun" und zwar von der hebräischen Abtheilung, zugekommen. Das Heft enthält besonders Briefe von Bober, Igel (über Freiheit des Willens und göttliche Vorausbestimmung), Rapoport (über Opfer nach der Zerstörung) und Andern. Wir fügen dem die Anzeige einer neuen, ausgezeichneten Ausgabe des Gebetbuches, mit der Uebersetzung des sel. Fürstenthal bei Pascheles in Prag hinzu, welche durch Correctheit des Tertes, würdige Uebertragung, Schönheit des Papiers und der Typen und eleganten Einband sich empfiehlt. Dunsens „Gott in der Geschichte." Hl. Wir beabsichtigen allerdings, Bunsen selbst in die Details seines Werkes zu folgen, und es kritisch mit unsren Lesern durchzugehen. Nicht um eine eigentliche Kritik z» liefern, denn wir legen auf Recenstonen von Schriften geringen Werth, sondern weil es sich hier um die höchsten Fragen der Menschheit handelt, die im Gefolge eines geistreichen, wiffenskundigen und gemüthvollen Denkers zu besprechen nur eine willkommene Gelegenheit sein kann. Die Fahne, zu der Bunsen schwört, ist auch die unsrige: die fortschreitende Entwickelung der Menschheit, und zwar auf der großen Basis der heiligen Schrift unter der Herrschaft der in dieser geoffenbarten religiösen Idee. Allein dies verhindert nicht, daß wir schon in einer Hauptanschauung von einander abweichen, und dies ist das wesentlichste Motiv, daß wir es nicht bei bloßen Winken über Bunsen's Werk belassen können. Bevor wir daher uns in die Details versenken, sprechen wir noch einiges Allgemeine aus. Bunsen ist ein schöpferischer Denker, aber kein scharfer und consequenter. Was er mit der einen Hand fortstößt, führt er mit der anderen wieder herbei; und indem er sich der Gegensätze wohl bewußt ist, und nach einem Standpunkte über dieselben hinausstrebt, schwankt er bald diesem, bald jenem