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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-01-26 · Heft 5 (26.1.1857) · p. Seite 55

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 5 (26.1.1857)
Date
1857-01-26
Page
Seite 55 (sequence 3)
Language
German
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55 die meist mit der Befriedigung ihrer wieder erlangten Gesundheit von dort in ihre Heimath zurückkehren. Zu den sehr zahlreichen Kurgästen Marienbads jeden Glaubens participiren jährlich die israelitischen Kranken, sowohl des Inals des Auslandes, in ansehnlicher Zahl, deren Unbemittelte bei der anerkennungswerthesten, namhaften Unterstützung ihrer anwesenden Glaubensgenossen, dennoch der Unterkunft, Pflege und einer geregelten ärztlichen Behandlung entbehren. Das zu Marienbad bestehende allgemeine Hospital vermag bei den bestehenden Verhältnissen und dem großen Andrange der Hülfsbedürftigen nach der bisherigen Erfahrung, selbst bei dessen humaner Bereitwilligkeit, nicht die genügende Anzahl israelitischer Kranken auszunehmen. Bei diesem Uebelstande hat sich die unerläßliche Nothwendigkeit herausgestellt, nach dem Verbilde der mit so erfolgreichem Wirken in Karlsbad und Teplitz bestehenden israelitischen Hospitäler auch in Marienbad ein Hospital für Kranke israelitischer Religion zu erbauen und herzustcllen. Um so anerkennenswerther ist eS, daß in Prag jetzt auf die Anregung des Herrn SstMon Jacob Bunzel sich'ein Comitö zu diesem Zwecke gebildet hat, bestehend in den Herren Ernst Wehli als Präses, Hermann Wiener, vr. Ein. Pribram, vr. Math. Koreff, S. K. Frankl und David Zappert, das bereits die Bewilligung der hohen k. k. Statthalterei zur Errichtung eines israelitischen Hospitals und Bethauseö zu Marienbad und zur Sammlung milder Beiträge erhalten hat. Das genannte Comite hat daher eine Aufforderung an die Wohlthätigkeit edler Menschenfreunde erlassen, und im Vertrauen auf die bei jeder Veranlassung zur Milderung der Leiden ihrer mittellosen Glaubensgenossen sich stets so rege und erfolgreich erweisende Theilnahme die Bitte um Zuwendung mildthätiger Spenden, sei es ein für allemal, oder in jährlichen Beiträgen, zum Behufs der Errichtung und Erhaltung des Hospitals für Israeliten des In- und Auslandes in Marienbad, vereint mit einem Bethause, gestellt. Obschon die Herstellung desselben mit namhaften Kosten verbunden sein wird, so wird cs doch auch jede kleine Gabe mit Dank annehmen, und die Namen der edlen Geber von Zeit zu Zeit durch den Druck bekannt machen. So wie diejenigen Israeliten - Gemeinden, deren Angehörige das Unternehmen durch zahlreiche und namhafte Beiträge unterstützen, um das zu Stande kommende Hospital sich größere Verdienste als Andere erwerben, so glaubt das Comitö dieselben von Seite des HoSpital e s auch dadurch dankend anerkennen zu müssen, daß bei künftig etwa unzureichenden Mitteln zur Aufnahme aller dieselbe Beanspruchenden die Aufnahmswerber der sich durch zahlreichere und größere Beiträge mehr verdient gemachten Gemeinden zur Aufnahme besonders berücksichtigt werden sollen. Die zugedachten Spenden sind an den vorläufigen Cassier des Unternehmens, Herrn Simon Jacob Bunzel in Prag einzusenden. Wir unsrerseits können diesem hochherzigen Unternehmen nur das glücklichste Gedeihen wünschen, und alle edlen Herzen, die Obiges lesen, auffordern, cs durch ihr Scherflein zu unterstützen und die Verwirklichung des schönen Gedankens zu fördern. Wer jemals schon Hülfe suchend, nach Heilung sich sehnend, mit gebrochenem Körper und niedergedrücktem Geiste nach einem solchen Curorte gepilgert ist, wird es zu würdigen wissen, was es heißt, endlich das Ziel erreicht zu haben. Wenn er aber dann bedenkt, wie dem zu Muthe ist, der nicht die Mittel mitbringt, ein angemessenes Obdach und die nothwendige Pflege sich zu verschaffen, der an dem Heilorte selbst mit aufreibenden Sorgen und Entbehrungen zu kämpfen, und dadurch schon von vornherein die Wirksamkeit der Cur beeinträchtigt sieht — der wird den ganzen Segen eines solchen wohleingerichteten Hospitals ermessen können und in reicher Spende an dasselbe eine wahrhaft verdienstliche Handlung erblicken. So möge das schöne, von dreien Seiten von Waldbergen umkränzte, von der vierten den weiten Blick in die Ebene eröffnende Marienbadcr Thal seine schönen Gebäude durch ein angemessenes israelitisches Hospital und durch eine Stätte der Anbetung des GotteS Israels vermehrt sehen! Mögen diese Zeilen den eifrigen Wunsch und das edle Streben menschenfreundlicher Männer hinaustragen in alle Länder, wo Israeliten wohnen, die jenes HeilqucllS Hülfe spendende Wirksamkeit erprobt haben und zur besten Ausführung des Entwurfes das Ihrige fördern! Rußland. Die öffentlichen Blätter berichten neuerdings von Uka« sen, welche die bisherigen Aussichten wieder verdüstern. Wir haben allerdings aus näheren Quellen die Ueberzeugung gewonnen, daß man den Berichten der europäischen Zeitungen über Rußland nur mit großer Vorsicht trauen dürfe. Wir sehen bald den Haß, bald die moti- 5*

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