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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-01-26 · Heft 5 (26.1.1857) · p. Seite 54

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 5 (26.1.1857)
Date
1857-01-26
Page
Seite 54 (sequence 2)
Language
German
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54 men. WaS von orthodoxem Leben in solchen Gemeinden sich erhalten hat, ist meist nur scheinbar, eine trügerische Rinde, die bei dem ersten Tritt zerbricht, den der darauf setzt, welcher ihr vertraut. Blicken wir in die Häuser der Familienväter, welche ihre Kinder mit eiserner Ruthe altorthodor erziehen, und wir sehen daraus eine Jugend hervorgehen, welche leider! allzuoft in das äußerste Extrem verfällt und zu der Fahne der Gottesleugner schwört. — Wir wollen hiermit weder Oertlichkeiten, noch Persönlichkeiten bezeichnen; aber führen wir z. B. Posen an. Vor 20 Jahren leuchtete daselbst noch daS größte orthodore Licht der neuesten Zeit; als es erloschen, folgte ihm sein nicht minder orthodorer Sohn; kein moderner Rabbiner saß noch auf diesem Stuhle, kein deutscher Prediger bestieg die Kanzel der Gemeinde. Und demungeachtet stehen die Boihe Midr. völlig leer, die Jeschiba existirt nicht mehr, die (lliedarim sind verschwunden, und es geht so weit, daß die Kinder zahlloser Familien dort nicht einmal mehr hebräisch lesen lernen. Wir könnten solcher Beispiele viele anführen. Aber nein! Der Beruf der modernen deutschen Rabbinen und Prediger ist es gerade, die unter dem Einflüsse der Orthodorie völlig erloschene Religiosität wieder zu entzünden, wo unter dem Gewicht der Orthodoxie jede Ueberzeugung geschwunden, eine solche wieder zu schaffen, und von dieser aus die Wiederbelebung des religiösen Geistes und der religiösen That zu bewirken. Nein! in dem Zusammenstoß der neueren Zeit mit dem alten stabilen Judenthume hat die Orthodorie sich überall als zum Kampfe unfähig, zum Widerstande schwach, zum Siege ohnmächtig erwiesen, und sie hat in ihrem Zorne über ihr eigenes Unvermögen nur verstanden, theils offenbar mit dem Schwerte, theils heimlich mit vergifteten Pfeilen auf die Männer loszugehen, welche berufen waren, die Schaden zu heilen, welche die Orthodorie theils angerichtet, theils müßig wuchern ließ. Zum Glück erkennen dir Gemeinden, erkennt die aufrichtig religiöse Masse immer mehr, daß die wahren Freunde und Erhalter des Judenthums nicht in der Reihe der intriguirenden und schmähenden Orthodoren und nicht in der Reihe der hochmüthigen, zerstörenden Radicalen, deren Anzahl übrigens unter den deutschen Rabbinern und Predigern bis auf die unbedeutendste Zahl geschmolzen ist, sondern in der Reihe derer zu suchen sind, welche das wahre, ewige Judenthum mit der Cultur der Menschheit zu vereinigen, das Licht der Religion mit dem Lichte der Bildung zu identificiren, und eine neue Entwickelung und Befestigung des Judenthums von dem Fundament der Ueberzeugung aus zu bewirken, welche daher dem Gottesdienste Weihe und Inhalt zurückzugeben, ein eben so religiöses wie intelligentes Schulwesen herzustellen, und den Herzen der Individuen das religiöse Feuer wieder anzuzünden streben. Diesen Männern gegenüber, was habet Ihr, orthodore Rabbinen Galiziens, aufzuweisen, wenn nicht Trägheit, Verfall, Unwissenheit, Wachsthum des Chassidismus und — heuchlerische Jntrigue?! Nein, nicht in den deutschen Rabbinen hat die Orthodorie ihren Verfall zu suchen, sondern — in sich selbst allein! Vom Institute zur Förderung der israelitischen Literatur. Die Versendung der ersten Sendung Schriften des zweiten Jahres ist im vollen Gange. Wir bemerken den Abonnenten der Provinz Posen, daß die Einzelversendung in dieser Provinz, wie im vorigen Jahre, durch den Buchhändler Herrn Sußmann in Posen geschieht, so wie in Schlesien durch den Buchhändler Herrn Robert May in Breslau. Weiteres in nächster Nummer. Die erste Sendung des Jahres besteht lediglich in belletristischen Schriften, wohingegen die zweite Sendung, die in 4 — 5 Wochen vor sich geht, nur wissenschaftliche Werke befaßt. Fügen wir hinzu, daß erst im März und April diesmal diejenigen Werke, welche mit Subvention des Instituts gedruckt werden sollen, bestimmt werden, um jedes Deficit fortan zu vermeiden: so können wir wohl beanspruchen, daß das Gesammturtheil über die diesjährigen Leistungen des Instituts bis dahin zurückgehalten werde. Wir glauben eben so vollständig in diesem Jahre dem in uns gesetzten Vertrauen entsprochen zu haben, wie die wachsende Theilnahme aus dem vorigen Jahre unS erwiesen hat. Die Gründung eines israelitischen Hospitals zu Marienbad in Aöhmen. Die hervorragende Stellung, welche der Curort Marienbad unter den Badeorten Böhmens in neuester Zeit einnimmt, beweiset die allenthalben sich verbreitende Anerkennung der vorzüglichen Heilkraft seiner Thermen. Mit jedem Jahre steigt die Zahl der allda Hülfe Suchenden,

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